„Maybrit Illner“: Als die CDU-Generalin Merz den Rücken stärkt, grätscht Illner rein
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Die CDU steht in einer neuen Umfrage in Mecklenburg-Vorpommern nur noch bei sechs Prozent. Nach der Wahlschlappe in Sachsen-Anhalt droht die nächste krachende Niederlage. Der Journalist Gordon Repinski beschreibt bei Maybrit Illner den Worst-Case für die Kanzlerpartei:

„Wenn die CDU unter fünf Prozent landet, ist es die erste Volkspartei seit dem Zweiten Weltkrieg, die aus einem Landtag fliegt.“ Sollte es so kommen, denkt Repinski: „Dann ist die Debatte um Friedrich Merz nicht mehr zu halten, ob er das will oder nicht.“
Daran ändere auch der Brief der Ministerpräsidenten nichts, die dem Kanzler diese Woche ihre Unterstützung versicherten. „Der Beruhigungsbrief hält nur bis Sonntag“, sagt Repinski. Dann stünde der CDU eine schwere Debatte ins Haus.
CDU-Generalsekretärin will keine Personaldebatten
Doch noch versucht die CDU eine solche Diskussion vom Tisch zu wischen. An diesem Abend fällt diese Aufgabe der neuen Generalsekretärin Franziska Hoppermann zu: „Wir haben unglaublich hohe Herausforderungen aus dem Ausland, sicherheitspolitische Herausforderungen – das sind alles politische Themen. Deshalb bringen uns diese Personaldebatten nicht nach vorne.“
Selten hat man Illner einem Gast so vehement widersprechen sehen: „Da sind wir, glaube ich, alle anderer Meinung“, stellt die Moderatorin klar. Sie muss schließlich an dieser Stelle auch verteidigen, warum ihre eigene Sendung sich so viel mit Personalfragen beschäftigt.

Journalist Gordon Repinski spricht bei „Maybrit Illner“ über mögliche Nachfolger von Friedrich Merz.© Jule Roehr/ZDF | Jule Roehr/ZDF
Vor allem, wenn eine Personaldiskussion so wenig ergiebig ist, wie an diesem Abend. Denn für eine Absetzung von Merz braucht es einen Nachfolger – und der ist aktuell nicht in Sicht. Laut Repinski sei das sogar aktuell der einzige „stabilisierende Faktor“ für Merz.
Wüst, Söder, Pisorius – und warum sie doch nicht geeignet sind
Der Reihe nach erklärt er die logischen Kandidaten und warum sie als Nachfolger ungeeignet scheinen. Bei Hendrik Wüst räumt er zwar einige Unterstützer sowie den Rückhalt seines mitgliederstarken Landesverbands ein, doch: „Er gilt aber als Schwarz-Grüner und ist damit überhaupt nicht in dem Zeitgeist, den sich die CDU im Bundestag oder an der Basis eigentlich wünscht“, so der Journalist.
Danach wendet er sich Markus Söder zu. Dieser hoffe zwar im Moment auf einen „Reset“, aber der CSU-Chef habe in der CDU kaum Rückhalt, seit er 2021 Armin Laschets Kanzlerkandidatur untergraben hat.
Für einen Kanzlerwechsel wäre zudem das Einverständnis des Koalitionspartners SPD nötig – und dort genießt Boris Pistorius laut Umfragen die größte Beliebtheit unter allen Politikern. Repinski liefert eine Erklärung für dieses Phänomen: „Er wird als jemand wahrgenommen, der eine etwas andere Sprache spricht, der als anfassbar wahrgenommen wird.“
Palmer als „Mamdani von Tübingen“ zugeschaltet
Offenbar genießt Pistorius noch ein Vertrauen, das Friedrich Merz bereits verloren hat: „Das ist unheimlich schwer zurückzugewinnen“, weiß die Juristin Elisa Hoven. Sie macht den Glaubwürdigkeitsverlust von Merz auch an dessen Entscheidung zur Lockerung der Schuldenbremse fest.
An dieser Stelle erhält Merz unerwartet Zuspruch vom zugeschalteten Boris Palmer. Er bezeichnet Merz Entscheidung damals als „richtig“, weil sie den Kommunen geholfen habe, in ihre Infrastruktur zu investieren: „Sonst wäre uns jetzt schon das Geld ausgegangen.“
Der parteilose Oberbürgermeister von Tübingen wird von Illner kurioserweise als der „Mamdani von Tübingen“ angekündigt. Der Vergleich hinkt gleich an mehreren Stellen, doch was Illner meinen könnte, ist der Hang zum Klartext, den beide Politiker beherrschen.
Podcaster erklärt, warum sich Debatte nur um Personal dreht
So sagt Palmer selbstkritisch: „So wie manche Leute mich nicht mögen und ich mich nicht mehr ändere, weil ich zu alt bin, wird sich auch Friedrich Merz nicht mehr wesentlich ändern.“ Nach dieser Logik wäre ein Personalwechsel dann doch der einzige Weg, weil man von einer Veränderung von Merz nicht mehr ausgehen kann.

Podcaster Fabian Grischkat spricht bei „Maybrit Illner“ über den wachsenden Einfluss von Personen und sozialen Medien auf politische Debatten.© Jule Roehr/ZDF | Jule Roehr/ZDF
Dem Podcaster Fabian Grischkat gelingt es immerhin, die endlose Personaldebatte auf einer höheren Ebene zu erklären. Seiner Auffassung nach gehe es in der Politik heutzutage immer weniger um Sachthemen, was er so begründet: „In einem postfaktischen Zeitalter, das durch eine Aufmerksamkeitsökonomie getrieben wird, dreht sich der Fokus immer mehr auf die Personen.“
Damit spielt Grischkat auch auf soziale Medien an, auf denen eine Personalisierung in der Kommunikation von Politik immer wichtiger sei. An diesem Abend ist zu sehen, dass dieses Phänomen längst auch die Talkshows erreicht hat.