Anführer fehlt bei Turnier: Wer kann die Grozer-Lücke füllen? Volleyballer vor EM-Start
Anführer fehlt bei Turnier Wer kann die Grozer-Lücke füllen? Volleyballer vor EM-Start
Potsdam · Der Ausnahmespieler der vergangenen Jahrzehnte fehlt bei der EM. Die deutschen Volleyballer setzen auf das Kollektiv. Der Ersatz für Georg Grozer wird Kumpel Erik Röhrs.
07.09.2026 , 13:26 Uhr
Das deutsche Team startet am Donnerstag in die EM.
Foto: Julius Frick/dpa
Gleich in seinem ersten Sommer als Bundestrainer muss Massimo Botti ein Problem lösen, das den deutschen Volleyball mit Blick auf die Zukunft seit Jahren umtreibt: Wie kann ein Ausfall von Ausnahmespieler Georg Grozer kompensiert werden?
Die Antwort des 53-Jährigen ist: das Kollektiv. „Niemand kann Georg Grozer eins zu eins ersetzen, denn er ist einer der besten Diagonalspieler in der Geschichte des Volleyballs. Niemand kann die gesamte Verantwortung übernehmen“, sagt Botti der Deutschen Presse-Agentur kurz vor dem Start der Europameisterschaft.
Der 41 Jahre alte Grozer absolvierte die Vorbereitung mit dem Team, wurde aber nicht rechtzeitig fit. Am Ende musste Botti die schwere Entscheidung treffen, den Anführer nicht mit nach Rumänien zu nehmen.
Erik Röhrs (h) spielt jetzt auf der Diagonalposition.
Foto: Julius Frick/dpa
Ein Topscorer für 30 Punkte pro Spiel, wie ihn andere Nationen haben, fehlt den Deutschen. „Jeder muss einen Teil dieser Verantwortung übernehmen, um der Mannschaft zu helfen. Das ist unser Ziel“, sagt Botti. In Cluj-Napoca startet Deutschland am Donnerstag (19.00 Uhr deutsche Zeit) gegen die Türkei in die EM.
Massimo Botti sieht viele seiner Spieler auf ihrem sportlichen Höhepunkt.
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Röhrs: „Es hat ihm wehgetan“
Georg Grozer (M) verpasst das Turnier. (Archivbild)
Foto: Uwe Anspach/dpa
„Es hat ihm wehgetan, das hat man gemerkt“, sagt Erik Röhrs über den Ausfall seines Kumpels. „Mir tut es natürlich mega leid.“ Der eigentliche Außenangreifer ist mit seiner Schlagkraft und Athletik nun Bottis erste Option auf der Diagonalen. Er kennt die Position, ist aber noch etwas im Gewöhnungsprozess.
„Man sieht auch noch ein bisschen, dass ich schon noch an ein, zwei Sachen arbeiten kann, vor allen Dingen im Hinterfeld. Aber ich bin da mit Hannes jeden Tag am Rumbasteln, dass wir unseren Ball finden“, sagt der 25-Jährige über die Zusammenarbeit mit Zuspieler Johannes Tille.
In einer Gruppe mit dem Olympiasieger
Seit Jahren wird ein Spieler gesucht, der auf der Diagonalen in Grozers Fußstapfen treten kann. Der designierte Nachfolger Linus Weber ist schon länger nicht bei der Nationalmannschaft dabei, offenbar weil der Verband und er bei bestimmten Themen nicht auf einen Nenner kommen. Filip John ist nicht fit genug. Yann Böhme fährt als Backup mit.
Vor dem ersten großen Turnier unter Botti ist noch unklar, wo genau das Team im europäischen Vergleich steht. Die Nationenliga verlief durchwachsen. In den letzten Testspielen wusste die Auswahl des Deutschen Volleyball-Verbandes zu überzeugen.
„Wir kennen unser Niveau, wir kennen unser Potenzial, wir kennen unsere Ziele. Aber wir müssen bedenken, dass wir in einer sehr starken Gruppe spielen“, sagt Botti. Neben der Türkei ist auch noch Olympiasieger Frankreich ein großer Prüfstein.
Kapitän Jan Zimmermann sieht das Viertelfinale als Ziel - und dann mal schauen: „Ich glaube schon, dass wir uns das Ziel setzen sollten, dass wir unter den Top-8-Teams Europas sind. Da sehe ich uns auch. Jetzt müssen wir es nur bestätigen und dann mal gucken, wie weit wir noch nach oben können.“
„Sie können ohne Frage weit kommen“
Bottis Landsmann Andrea Anastasi, neuer Coach vom deutschen Meister BR Volleys und zweimaliger Europameister, sieht die Deutschen stark, aber ein Stück hinter den absoluten Favoriten. „Ich weiß nicht, ob sie gut genug sind, ernsthaft um den Titel zu spielen, aber sie können ohne Frage weit kommen. Dieser Mannschaft ist ein Breakout-Turnier zuzutrauen“, sagt der 65-Jährige.
Deutschland fehle nicht viel, „finden sie ohne Grozer eine adäquate Lösung für die Zukunft im Diagonalangriff, können sie jeden Gegner auch in großen Spielen schlagen.“ Bei den Außenangreifern etwa sei Deutschland hervorragend besetzt.
Sportlich ist Grozer nicht mehr die Naturgewalt früherer Jahre, dominiert eher nur noch kleinere Abschnitte. Doch auch als Anführer war er elementar wichtig für die Nationalmannschaft. So berichtet Röhrs auch, dass der 41-Jährige noch einmal zum Team sprach, bevor sich die Wege trennten. „Am Ende in Sizilien hat er uns ein paar Sachen mit auf den Weg gegeben, die uns sehr geholfen haben.“
Grozer hat sich immer wieder Auszeiten vom Nationalteam genommen. Bei den letzten wichtigen Turnieren war er aber immer dabei. Trotzdem erwartet Röhrs kein Führungs-Vakuum. „Wir haben jetzt sehr viele Spieler mittlerweile, die im Ausland Jahr für Jahr spielen, da Verantwortung übernehmen müssen“, sagt der 25-Jährige. Auch Botti verweist darauf, dass Spieler wie Anton Brehme oder Tobias Brand nah an ihrem sportlichen Höhepunkt sind. Jetzt müssen sie zeigen, wie weit sie die Mannschaft ohne den Fixpunkt der vergangenen Jahrzehnte tragen können.
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