Ängste nehmen zu – doch man kann ihnen etwas entgegenhalten
Stand: 30.09.2026, 20:00 Uhr
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Schon an der Zapfsäule kann einem mulmig werden - trotz Tankrabatt. Existenz- und Zukunftsangst prägen den Alltag vieler Menschen. Eine Notärztin erklärt, wie man aus dieser Spirale wieder herausfindet.
Frankfurt/Tübingen – Angststörungen, Panikattacken, Phobien: Sie werden immer häufiger diagnostiziert. Angst sei „ein Symptom unserer Zeit“, schreibt die Notärztin und Erfolgsautorin Lisa Federle. Ihr Buch „Gut gegen Angst“ ist soeben erschienen. Es besticht gerade dadurch, dass es nicht dabei stehenbleibt, über diagnostizierte Ängste aufzuklären.
Artikel der KNA
Dieser Beitrag stammt von der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).
Sie entstehen letztlich dann, wenn die warnende Funktion der Angst überhandnimmt. „Nahezu alles“ könne Furcht oder Beklemmung auslösen, schreibt Federle. Flug- oder Höhenangst oder soziale Phobien können Menschen lähmen, auch wenn sie wissen, dass keine echte Gefahr droht – oder etwa ein Autounfall statistisch gesehen wahrscheinlicher ist als ein Flugzeugabsturz.

Diesen psychischen Ausnahmesituationen widmen sich mehrere Kapitel des Buches. Ebenso erklärt die Expertin die evolutionär-medizinischen Grundlagen von Angst.
Vor allem Angst vor Krankheiten wächst
Ihr sei wichtig gewesen, ein Gesamtbild zu zeichnen, sagt Federle der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). „Angst hat immer einen Ursprung, und sie kann verschiedenste Ursachen haben. Wenn ich nur eine Seite beleuchte und keine Lösung anbiete, wäre das eine halbe Sache.“
Nach ihrer Beobachtung nimmt vor allem die Angst vor Krankheiten zu. Dazu passe die Entwicklung, dass immer häufiger Notaufnahmen wegen Kleinigkeiten aufgesucht werden. Krankheiten spielen in dem Buch eine Rolle, Einsamkeit, der Tod. Auch Existenzangst, die für immer mehr Menschen hierzulande realer wird, als man es vor einigen Jahren für möglich hielt.
Dennoch werde noch immer über Armut gesprochen, „als wäre sie eine genau beschriebene Größe und einfach messbar, beherrschbar und erklärbar“, kritisiert die Autorin. Aber: „Armut ist nicht nur ein niedriger Kontostand.“
Sie berichtet von Patienten, die sich in ihrem Heimatort Tübingen schämen, die Bonuscard des Landkreises einzusetzen. Und sie verweist auf Unterstützung als ein „Recht, das einem zusteht“, etwa bei Schuldner- und Sozialberatungen.
Zwischen Kontrollverlust und Kontrollwahn
Während es bei einem Schuldenberg und der Panik vor ungeöffneten Mahnschreiben wichtig ist, Kontrolle zurückzugewinnen, kann auch der überzogene Wunsch nach Kontrolle für Unruhe sorgen.
„Wir werden nie alles kontrollieren können“, betont Federle. „Und je mehr wir nach Sicherheit streben, desto mehr Angst bekommen wir. Das Leben kann uns immer wieder überraschen, belastende Dinge können passieren, so dass ich trotz aller Vorplanung mit einer Situation fertigwerden muss, mit der ich nie gerechnet hätte.“
Daher rät die Autorin, Sicherheit weniger als Schutz vor Gefahren zu begreifen, sondern eher in dem Sinn, die eigene Widerstandskraft zu stärken. Jedes Kapitel endet mit einem „Notfallkoffer“, einer konkreten Übung oder Impulsfragen, die – passend zum Buchtitel – „gut gegen Angst“ sein können.
„Natürlich zahlt ein Sonnenaufgang keine Rechnungen, und ein Spaziergang füllt keinen leeren Kühlschrank“, räumt Federle ein. Wertvoll seien diese Momente trotzdem – zumal in Krisen. „Wir brauchen diese Lichtpunkte, diese Inseln, auf die wir uns retten können – gerade dann, wenn wir kein Land sehen.“
Hilfreich seien dafür Fragen wie: Was kann heute schön sein? Wie kann ich einen Moment der Ruhe oder Freude finden?
Ärztin: Es gibt Wege aus der Angst
Ebenso wichtig sei es, zu klären, woher Sorgen und Druck kommen, erklärt die Medizinerin. „Ist es überhaupt meine eigene Angst, oder habe ich sie von meiner Großmutter oder aus dem Elternhaus übernommen? Wer diese Ursache erkennt, hat schon viel erreicht.“
Grundsätzlich führt aus der Angst fast immer ein Weg hinaus – manchmal mithilfe von außen, manchmal auch mit Medikamenten. Jenseits dieser persönlichen Ebene fordert Federle einen anderen öffentlichen Umgang mit Angst. Medien sollten auch auf positive Beispiele schauen und einen Ausgleich zu Schreckensmeldungen schaffen, sagt sie.
Es sei traurig, dass sich Menschen heute oft noch für psychische Erkrankungen schämten: „Wir tun gut daran, davon auszugehen, dass jeder Einzelne seine Bürde zu tragen hat.“ Und genau das macht ihr Buch so lesenswert: als Mutmacher, sich dieser Bürde zu stellen.