Anschlagsversuch in Leipzig: Russland weist Vorwürfe zu Leipziger Drohnenvorfall zurück
Die Vorwürfe gegen Russland seien eine »absurde Provokation«, sagt die russische Regierung. Wladimir Putin spricht von einem »schweren Fehler« und Beweisfälschung.
Quelle: DIE ZEIT, Reuters, dpa,
pip
- September 2026, 21:38 Uhr
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146 KommentareRussische Regierungsvertreter haben die Schuldzuweisung Deutschlands nach einem versuchten Drohnenangriff auf den Flughafen Leipzig/Halle im vergangenen Monat zurückgewiesen. Die russische Botschaft in Deutschland teilte in einer Stellungnahme mit, die deutschen Vorwürfe seien eine »absurde« und »unbegründete Provokation«. Die angekündigten Maßnahmen kämen einer beispiellosen Eskalation in den russisch-deutschen Beziehungen gleich, hieß es weiter. Sie würden nicht ohne Folgen bleiben. Für diese trage die Bundesregierung die volle Verantwortung.
Der russische Präsident Wladimir Putin hat die deutschen Strafmaßnahmen gegen Russland bei einer Pressekonferenz in Bischkek in Kirgisistan als »schweren Fehler« bezeichnet. Die bisher vorgelegten Belege bezeichnete er als »gefälscht«. Deutschland habe Beweismittel untergeschoben, um Russland für den Vorfall verantwortlich zu machen. Mit den Vorwürfen gegen Russland versuche die Bundesregierung, von innenpolitischen Problemen und den sinkenden Umfragewerten von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) abzulenken. Er lieferte keine Belege für seine Aussagen.
Russischer Botschafter sieht beispiellose Eskalation
Der russische Botschafter, Sergej Netschajew, teilte mit, dass alle Mitarbeiter des Generalkonsulats in Bonn und des Russischen Hauses sowie ihre Familienangehörigen aufgefordert worden seien, das Hoheitsgebiet der Bundesrepublik Deutschland in kürzester Zeit zu verlassen.
Netschajew habe die Anschuldigungen kategorisch von sich gewiesen, teilt die Vertretung mit. Deutschland habe seine Vorwürfe nicht belegt. Von den Anschuldigungen profitierten nur die Ukraine, der militaristische Flügel der europäischen Elite sowie Rüstungshersteller.
Auch der Sprecher der russischen Regierung, Dmitrij Peskow hatte nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax gesagt, es sei schwierig, die
Anschuldigungen gegen Russland zu kommentieren, weil Deutschland für seine
Schuldzuweisung keine Beweise vorgelegt habe. Die Sprecherin des
russischen Außenministeriums, Marija Sacharowa, teilte der Nachrichtenagentur dpa mit, die Antwort der russischen Regierung werde wie bei früheren einseitigen
und ungerechten Sanktionen ausfallen.
Bundesregierung schließt Russisches Haus und Generalkonsulat in Bonn
Auf einer Pressekonferenz machte die Bundesregierung Russland für den versuchten Drohnenangriff auf den Flughafen Leipzig/Halle verantwortlich und kündigte mehrere Maßnahmen zum Schutz gegen russische Bedrohungen an. Laut Außenminister Johann Wadephul (CDU) werden das russische Generalkonsulat in Bonn und das Russische Haus in Berlin geschlossen. Er bestellte zudem den russischen Botschafter ein. Die Sanktionen stellen die umfassendsten direkten diplomatischen Strafmaßnahmen gegen Russland dar, die es seit der russischen Invasion in der Ukraine Anfang 2022 gegeben hat.
Die Bundesregierung will den Angriff auch im Nato-Rat und beim EU-Außenministertreffen thematisieren. Sie verzichtet aber darauf, sich auf Artikel 4 des Nato-Vertrags zu beziehen, der Beratungen der Verbündeten vorsieht, wenn sich ein Nato-Staat für von außen gefährdet erklärt. Durch den Verzicht auf den Artikel lässt sich Deutschland eine weitere Eskalationsstufe in der Auseinandersetzung mit Russland offen.
Am 4. August war im Sicherheitsbereich des Flughafens Leipzig/Halle zwischen ukrainischen Frachtmaschinen eine mit Sprengstoff und einem Zündmechanismus präparierte Drohne entdeckt worden. Die Bundesanwaltschaft nahm Ermittlungen auf und sprach von einem »schwerwiegenden Angriff auf die Transport- und Logistikinfrastruktur in Deutschland«. Nach letzten Erkenntnissen waren insgesamt drei Drohnen involviert.