Erstes Solar-E-Bike soll fast 170 Kilometer Reichweite besitzen
Innovationen
Erstes Solar-E-Bike soll fast 170 Kilometer Reichweite besitzen
Vier Felgen-Paneele sollen bis zu 200 Watt liefern, das Rad soll künftig ab etwa 2400 Euro zu haben sein
Georg Pichler
Photovoltaik ist eine recht nachhaltige Energieform. Und Radfahren – egal ob mit oder ohne Elektromotor – ist eine umweltschonende Form der Fortbewegung. Ob man beides kombinieren sollte, ist eine Frage, die üblicherweise selten gestellt wird. Der chinesische Hersteller Phosgo beantwortet sie jedenfalls mit einem "Ja". Er hat das erste Solar-E-Bike vorgestellt, das in Serie produziert werden soll.
Go 5 heißt der von Sonnenenergie unterstützte Drahtesel und er kommt in einer Pro- und Ultra-Variante. Der Unterschied der beiden Varianten liegt primär in der Motor- und Akkukonfiguration. Zwar verwenden beide den gleichen Mittelmotor (Bafang M430), im Ultra-Modell liegt die Nennleistung allerdings bei 750 Watt (150 Newtonmeter Drehmoment), die Pro-Variante ist auf 500 Watt (140 Nm) limitiert. Diese Angaben gelten für den US-Markt. Für die EU und Australien ist eine Begrenzung auf die gesetzlich erlaubte Nennleistung von 250 Watt (120 Nm) vorgesehen.
Beide Modelle werden mit einem von LG hergestellten Akku bestückt. Die Ultra-Ausgabe kann mit einer Kapazität von 720 Wattstunden aufwarten, die Pro-Version mit 480 Wh. Die Höchstgeschwindigkeiten für die Tretunterstützung bzw. reinen Motorbetrieb liegen bei 45 bzw. 32 km/h. Auch diese Grenzen beziehen sich auf die US-Konfigurationen, in der EU und in "Down Under" gibt es ausschließlich Tretunterstützung, die bis 25 km/h aktiviert ist. Die Schaltung bietet acht Gänge und kommt von Shimano, wobei das Go5 Ultra zusätzlich ein elektronisches Schaltwerk von Wheeltop mitbringt.
Bis zu 200 Watt Solarleistung – theoretisch
Die Gewichtsunterschiede (31 bzw. 30 Kilogramm) sind gering. Der Rahmen wird aus einer Aluminiumlegierung gefertigt, es werden Step-Over- und Step-Thru-Versionen angeboten. Der Sattel wird mechanisch gefedert, die Gabel mit einer hydraulischen Luftfederung. Sattel und Lenker sind höhenverstellbar, die empfohlene Fahrergröße liegt je nach Rahmenvariante zwischen 1,68 und 1,93 Meter. Ein 1,9-Zoll-Display dient als Tachometer und für Einstellungen. Die Räder bringen integriertes GPS zur Routenaufzeichnung und Nachverfolgung bei Diebstahl sowie SIM-Kartensupport für 4G-Anbindung mit. Die Kommunikation mit der zugehörigen Smartphone-App läuft via Bluetooth.
Soweit unterscheiden sich die Spezifikationen der 29-Zoll-Bikes nicht großartig von anderen elektrischen Fahrrädern mittlerer und höherer Preisklassen. Die Besonderheit sind freilich die in den Felgen steckenden Solarpaneele. Insgesamt werden vier Stück – also zwei pro Rad – genutzt. Ihre Effizienz bei der Umwandlung von Sonnenlicht in elektrische Energie soll hohe 26 Prozent betragen, da es sich um sogenannte "Back Contact"-Panels handelt, bei denen die elektrischen Kontakte hinter den eigentlichen Zellen liegen. Mit jeweils 50 Watt an maximalem Output sollen sie dem Akku theoretisch bis zu 200 Watt an Leistung zuführen können. In der Praxis ist dieser Wert natürlich nicht erreichbar, da die Panels in gegenüberliegende Richtungen zeigen und der Einfallswinkel nicht optimal ist.
Phosgo zitiert aus einem eigenen Test, laut dem das System über vier Stunden Sonneneinstrahlung 138 Wattstunden an Energie lieferte. Das entspricht einer kontinuierlichen Panelleistung von 34,5 Watt. Während der Fahrt wird diese zur Unterstützung des Motors genutzt. Ist das Rad abgestellt, wird damit der Akku geladen. An einem sonnigen Tag soll sich die Reichweite der Räder um bis zu 27 Kilometer erweitern lassen. Für die offiziellen Reichweitenangaben rechnet man 24 Kilometer hinzu. Das Ultra-Modell soll laut diesen Zahlen alleine mit einer Akkuladung bis zu 145 Kilometer schaffen, folglich mit Sonnenunterstützung knapp 170. Für das Go5 Pro listet man 97 Kilometer per Akku, etwa 121 wären es mit dem Solarbonus.
Die Bikes sollen weiters dank der Panels bis zu 30 (Ultra) bzw. 20 (Pro) Tage ohne konventionellem Aufladen fahren können. Allerdings macht Phosgo hier keine Angaben zur täglich zurückgelegten Distanz für diese Rechnung. Rechnerisch (Basisreichweite eines vollgeladenen Akkus + täglich 24 Kilometer durch Photovoltaikausbeute) liegt das Maximum bei beiden Modellen bei 29 Kilometern. Voraussetzung ist freilich eine günstige Wetterlage.
Auslieferung soll schon im November starten
Nachdem die runden Panels deutlich mehr Fläche aufweisen, als die von ihnen verdeckten Speichen, stellt sich auch die Frage des Windwiderstandes. Auf diesen Aspekt geht Phosgo auch mit einem eigenen Video ein. Laut dem Hersteller sei das Rad auch in einem Feldversuch bei stürmischem Wetter stabil fahrbar und gut zu kontrollieren.
Der Hersteller, der eigentlich für Dashcams und Erkennungssysteme bekannt ist, hat für die Solar-Räder eine Crowdfundingkampagne auf Indiegogo gestartet. Dass diese eigentlich mehr zur Marktforschung und Werbung dient, denn als reines Instrument zur Geldakquise, zeigt das niedrig angesetzte Mindestziel. Dieses liegt bei 20.000 Dollar und wurde längst überschritten. Sie läuft noch bis Ende des Monats. Unterstützern werden die Elektro-Drahtesel ab 1900 Dollar (derzeit rund 1640 Euro) angeboten. Der spätere Handelspreis soll bei 2800 Dollar (2415 Euro) für das Go5 Pro und 3800 Dollar (3280 Euro) für die Ultra-Ausgabe liegen.
Phosgo erklärt auch selber, dass die Bikes bereit für die Massenherstellung sind. Die Produktion soll daher noch im September anlaufen und der Versand im November beginnen. Im Jänner 2027 sollen dann die letzten Indiegogo-Unterstützer ihre Fahrräder bekommen. Auch wenn das Produkt damit prinzipiell "auf Schiene" ist, sei auf diesem Wege dennoch auf die mit Online-Crowdfunding verbundenen Risiken hingewiesen. (gpi, 1.9.2026)
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