Antonio Fian: Jugend am Scheideweg


Dramolett

Antonio Fian: Jugend am Scheideweg

Junge Männer auf der Suche nach sich selbst. Welchen Weg werden sie einschlagen?

Kolumne

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Antonio Fian

Eine asphaltierte Straße mit weißen Fahrbahnmarkierungen in Form von drei Pfeilen: einem nach links, einem nach rechts und einem geradeaus.
Wohin soll's gehen?

(Ein Maschendrahtzaun inmitten blühender Landschaft. Dahinter, weit im Bühnenhintergrund, eine Gruppe von Jugendlichen beiderlei Geschlechts, alle militärisch gekleidet, bei Wehrsportübungen. Vor dem Zaun, Rücken zum Publikum, zwei etwa zwölfjährige Knaben.)

DER ERSTE: Da wär‘ ich gern dabei. Du nicht auch?

DER ZWEITE: Schon.

DER ERSTE: Wenn jetzt ein Bürgerkrieg ausbrechert, die täten’s allen zeigen, was?

DER ZWEITE: Schon.

DER ERSTE: Und wenn der Krieg ein paar Jahre dauern tät‘, täten wir auch dazugehören, was?

DER ZWEITE: Kann sein.

DER ERSTE: Das wär‘ cool, oder?

DER ZWEITE: Schon.

DER ERSTE: Das wünsch‘ ich mir. Ich wünsch‘ mir, dass ein Bürgerkrieg ausbricht. So wie mein Onkel aus Stuttgart. Der wünscht sich das auch. (Mit leuchtenden Augen): "Ich wünsch‘ mir so sehr einen Bürgerkrieg", hat er einmal zu meinem Papa gesagt, "und Millionen Tote, Frauen, Kinder. Ich will auf Leichen pissen und auf Gräbern tanzen." Das tät‘ uns auch taugen, was?

DER ZWEITE: Weiß nicht. Ich tät‘ mich, glaub‘ ich, grausen.

DER ERSTE: Was wünscht du dir?

DER ZWEITE (zeigt in den Bühnenhintergrund): Die Blonde, was grad ihr Gewehr ladet, siehst s‘? Ich wünsch mir, dass sie herüberkommt und sich auszieht und mich niederschmust.

DER ERSTE: Echt?

DER ZWEITE (nickt)

DER ERSTE (angeekelt): Wääh!

(Vorhang)

Material: Das Zitat von Marcel Grauf, einem ehemaligen Mitarbeiter von AfD-Landtagsabgeordneten, lässt sich u. a. nachlesen in Der Spiegel, 14. 01. 2025

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