Anwohner genervt: Polizei will Autoposer mit zivilen Streifen kontrollieren


Stand: 26.07.2026, 17:00 Uhr

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"Car-Freitag" im Harz

Einsatzkräfte der Polizei kontrollieren ein Fahrzeug der Tuning-Szene. Auch in Herringen gibt es immer wieder Probleme. © Matthias Bein

Die Polizei führt vermehrt Kontrollen gegen die Tuner-Szene durch. Geschwindigkeitskontrollen zeigen jedoch: Nur auf der Fangstraße war jeder fünfte Autofahrer zu schnell.

Herringen – Dröhnende Motoren, laute Auspuffanlagen, Schüsse aus fahrenden Autos sowie Fahrzeuge, die in Kolonnen auch bei roten Ampeln über Kreuzungen fahren: Regelmäßig kommt es in Herringen und im Hammer Westen, wie genervte Anwohner schildern, zu Lärmbelästigungen und Gefährdungen im Straßenverkehr. Als Schwerpunkt der Autoposer-Szene nennen sie oft den Bereich an der Dortmunder Straße 112, aber auch die Straßen Zum Torksfeld, Fangstraße, Spenglerstraße, Küferstraße und Schmiedestraße.

Das sei nicht mehr hinnehmbar, finden die Anwohner. Die CDU-Bezirksfraktion hat die Sorgen der Bürger aufgegriffen und sich an die Polizei gewandt. Die nimmt ausführlich Stellung, wie es sich mit der Szene verhält.

Die  Polizei kontrollierte zahlreiche Autos aus der Poser-Szene.

Die Polizei kontrollierte zahlreiche Autos aus der Poser-Szene. (Symbolfoto) © Felix Kästle/dpa

Kontrollen

Die Polizei bestätigt, dass die genannten Bereiche als regelmäßiger Treffpunkt von Mitgliedern der TPRD-Szene – Tuner, Poser, Raser und Dater – bekannt seien. Der Verkehrsdienst führe dort vermehrt zivile Kontrollen durch. Auch der Wachdienst sei auf die bestehende Problematik hingewiesen worden und zeige erhöhte Präsenz. „Die bekannten Treffpunkte werden regelmäßig bestreift. Geschwindigkeitskontrollen, vorwiegend mit Laserhandmessgeräten, werden durchgeführt. Verkehrsverstöße im Umfeld der Szenetreffpunkte werden konsequent geahndet.“

Eine größere Kontrolle gab es Mitte Mai im benachbarten Stadtbezirk Pelkum im Vorfeld eines angemeldeten Tuning-Treffens im CreativRevier Heinrich Robert. Schwerpunkt war die Kamener Straße, wo die Polizei mit einer starken Präsenz vertreten war. Auslöser waren Vorkommnisse bei einem Treffen Anfang April. Es habe einen langen Rückstau bis nach Pelkum gegeben, einige Poser seien durch ihr Fahrverhalten und durch ihre Lautstärke negativ aufgefallen, so ein Anwohner damals. Im Mai gab es laut Polizei kaum Zwischenfälle.

Lärmblitzer

Nicht in Hamm zum Einsatz kommen sogenannte Lärmblitzer. Dafür existiere in Nordrhein-Westfalen aktuell keine Rechtsgrundlage. „Geräte dieser Art werden daher von der Polizei NRW nicht eingesetzt.“ Das Polizeipräsidium Hamm setze bei begründetem Verdacht auf einen entsprechenden Verstoß im Rahmen von Einzelkontrollen Schallpegelmessgeräte ein, um den Verdacht zu erhärten. Die rechtlich belastbare Bewertung erfolge durch entsprechende Gutachter.

Ermittlungsgruppen

In zahlreichen Großstädten gibt es Ermittlungsgruppen gegen Motorenlärm. Und Hamm? Zuständig für Kontrollen gegenüber der Szene ist hier der Verkehrsdienst der Polizei. Größere Kontrollaktionen sowie die Begleitung von Veranstaltungen der TPRD-Szene werden lageangepasst in Kooperation mit dem Kommunalen Ordnungsdienst durchgeführt. Ermittlungsgruppen (EG) werden, so die Polizei, lediglich temporär bei herausragenden Ereignissen oder Phänomenen eingesetzt – so wie zuletzt die EG „Donut“, welche nach „einem schweren Landfriedensbruch“ durch die TPRD-Szene in Uentrop eingerichtet wurde.

Personal

Das Polizeipräsidium Hamm greift für technische Kontrollen auf Personal zurück, das speziell auf das Erkennen von illegalen Fahrzeugveränderungen geschult ist. „Technische Kontrollen werden regelmäßig durchgeführt. Die rechtlich belastbare Bewertung erfolgt durch entsprechende Gutachter.“

ARCHIV - 15.04.2022, Niedersachsen, Hannover: Ein getuntes Auto ist schnell unterwegs (Aufnahme mit langer Verschlusszeit). (zu dpa: „Polizei stoppt Raser mit Tempo 130 in Trierer Innenstadt“) Foto: Julian Stratenschulte /dpa +++ dpa-Bildfunk +++

ARCHIV - 15.04.2022, Niedersachsen, Hannover: Ein getuntes Auto ist schnell unterwegs (Aufnahme mit langer Verschlusszeit). (zu dpa: „Polizei stoppt Raser mit Tempo 130 in Trierer Innenstadt“) Foto: Julian Stratenschulte /dpa +++ dpa-Bildfunk +++ © Julian Stratenschulte/Julian Stratenschulte/dpa

Verstöße

Wie viele Kontrollen sowie Maßnahmen es gegenüber der TPRD-Szene in Herringen gegeben hat, konnte die Polizei nicht sagen. Sie werden statistisch nicht nach Stadtbezirken erhoben.

Anders sieht das bei Geschwindigkeitskontrollen aus, die von der Stadt durchgeführt werden. Auffällig: Mit Ausnahme der Fangstraße halten sich die Verstöße in Grenzen. Die Verstoßquote lag zwischen unter einem und fünf Prozent. Anwohner wundert das allerdings nicht: Sie verweisen darauf, dass sich Blitzer in der Szene vergleichsweise schnell herumsprechen. Außerdem werde nachts und an den Wochenenden kaum gemessen.

Dennoch: Der eine oder andere Raser wurde erwischt. Ende März wurde in Höhe der Dortmunder Straße 55 bei Tempo 50 geblitzt. Zwei Autofahrer waren zwischen 51 und 60 Kilometer in der Stunde zu schnell. Ähnlich schnell war einer im Bereich der Dortmunder Straße 118 (19. März).

Bei einer Messung auf der Fangstraße am 20. Mai hingegen war jeder fünfte Autofahrer zu schnell unterwegs. Gemessen wurde in der Tempo-30-Zone in Höhe der Arnold-Freymuth-Schule. Es gab insgesamt 185 Verstöße, davon allerdings 172 im Bereich bis 20 km/h. Teuer wird es für einen Autofahrer: Er war zwischen 41 und 50 Kilometer in der Stunde zu schnell. Bei anderen Messungen war die Quote deutlich niedriger, lag aber noch immer über dem Schnitt.