Warnzeichen im Norden: Dieses Insekt breitet sich gefährlich aus
Auf dem Vormarsch nach Niedersachsen: Eindrucksvolles Insekt an mehreren Orten wieder heimisch
Stand: 06.09.2026, 11:56 Uhr
Kommentare

Die Gottesanbeterin breitet sich in Deutschland weiter aus. Nun wurde sie auch in Wolfsburg gesichtet. Der Grund dafür ist laut Nabu alarmierend.
Wolfsburg – Der Klimawandel ist real – auch wenn einige Personen die Augen davor verschließen. Dürre mit Niedrigwasser an den großen deutschen Flüssen wie Rhein und Donau ist ein sichtbarer Beweis. Hitzerekorde und vertrocknete Ernten sind ein weiterer Beweis. Doch wo es Verlierer gibt, gibt es auch Gewinner.
Zu den Gewinnern des Klimawandels gehört die europäische Gottesanbeterin (Mantis religiosa). Seit Ende des 20. Jahrhunderts breitet sich die flugfähige Gottesanbeterin in Deutschland wieder aus, so Nabu‑Naturgucker.de. Bis jetzt sind sie vermehrt gesehen worden in Brandenburg, Sachsen, Thüringen und rund um Berlin. Im Westen verbreitet sie sich entlang des Rheins, im Saarland und in Teilen Hessens. Der Norden ist größtenteils noch verwaist.
Gottesanbeterin breitet sich weiter aus: Insekt wieder in Niedersachsen gesehen
Sie frisst Heuschrecken, Fliegen und männliche Artgenossen – die europäische Gottesanbeterin. Nun breitet sich das wärmeliebende Insekt im Norden Deutschlands immer weiter aus. Jüngst wurde eine Gottesanbeterin in Wolfsburg (Niedersachsen) gesichtet, wie Michael Kühn von der Naturschutzorganisation Nabu in Wolfsburg mitteilte. Zuvor hatte die Braunschweiger Zeitung darüber berichtet.
„Die extrem hohen Temperaturen in Deutschland und auch in Wolfsburg begünstigen die Ausbreitung dieser sehr interessanten Fangschrecke“, sagte Kühn. Das Insekt lebe eigentlich in warmen Regionen Europas – etwa in Frankreich, Spanien und Italien. Kaum ein Insekt fasziniere die Menschen so wie die Gottesanbeterin, so Kühn. „Mit ihren zum ‚Gebet‘ gefalteten, dornenbestückten Fangarmen und dem dreieckigen Kopf ist sie eine Besonderheit in der Insektenwelt.“
Damit werden auch in Niedersachsen zunehmend Gottesanbeterinnen erwartet. Dies sei spannend, der Grund aber alarmierend, sagte Kühn vom Nabu in Wolfsburg. „Ohne den immer schneller werdenden Klimawandel würde diese Art niemals ihren Lebensraum so weit nach Norden ausbreiten können“, erklärte er. „Die Natur und ihre Lebewesen verändern sich in einer Geschwindigkeit, die vor einigen Jahren bisher nicht vorstellbar war.“
Nabu zählt Insekten: Jahr der Gottesanbeterin
Auf der Seite Nabu‑Naturgucker.de können beobachtete Insekten gemeldet werden. „Hatten wir im vergangenen Jahr noch von so vielen wie noch nie berichtet, wurde der bisherige Höchstwert bereits Anfang August 2026 deutlich übertroffen“, heißt es dort. 3816 Gottesanbeterinnen wurden vom 1. Januar bis zum 3. August gemeldet. Im gleichen Zeitraum 2025 waren es nur 397 Gottesanbeterinnen.
Die Gottesanbeterin ist wegen ihres Paarungsverhaltens berühmt und berüchtigt, wie der Nabu schreibt. Demnach stirbt rund ein Drittel der Männchen unmittelbar nach der Paarung – weil das Weibchen das kleinere Männchen frisst. Weibliche Tiere werden bis zu acht Zentimeter groß, Männchen bis zu sechs Zentimeter.