Auf der Bremse: Auch Immobilienfonds der Ersten zahlt Anleger nur noch begrenzt aus


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Auf der Bremse: Auch Immobilienfonds der Ersten zahlt Anleger nur noch begrenzt aus

Der offene Erste Immobilienfonds zahlt Anleger vorübergehend nur noch in Quoten aus. Er muss auf seine Liquidität achten

Jakob Pflügl

So wie die Banken zählt auch der Erste Immobilienfonds zur Erste Group.

Der nächste große offene Immobilienfonds zieht die Reißleine. Der Erste Immobilienfonds aktiviert das "Liquiditätsmanagement-Instrument". Das bedeutet: Anleger, die ihre Anteile am Fonds verkaufen wollen, können das nur noch eingeschränkt tun. Eine entsprechende Mitteilung wurde am Freitag auf der Website der Erste Immobilien Kapitalanlagegesellschaft veröffentlicht.

Die Maßnahme bedeute, dass "vorübergehend die Rücknahmeaufträge aller Anleger:innen entsprechend der jeweils ermittelten Ausführungsquote nur anteilig ausgeführt werden", heißt es in der Mitteilung. Dieser Schritt diene dem Schutz des "Fondsvermögens sowie der Wahrung der Interessen aller Anleger:innen", ist in einem Brief an die Investoren nachzulesen.

Um die vorgeschriebene Liquiditätsquote einhalten zu können, werden Anteile also nicht mehr in voller Höhe zurückgekauft, sondern sie unterliegen einer Quote. Je mehr Verkaufsorders es gibt, desto niedriger fällt diese Quote aus. Die Gesellschaft geht davon aus, dass es sich nur um eine vorübergehende Maßnahme handelt.

"Außergewöhnliche Situation"

Und warum kommt es zu dieser Einschränkung? In der vergangenen Zeit hätten zu viele Anleger ihre Anteile zurückverkauft. Diese Tendenz hat sich seit Ende September verschärft und sei in einer "außergewöhnlichen Marktsituation" begründet, so die Gesellschaft. Vereinfacht gesagt: Es gibt nicht genug flüssige Mittel, um die Leute auszuzahlen, weil die Immobilien aus dem Fonds nicht schnell genug bzw. nicht zu zufriedenstellenden Preisen verkauft und somit zu Geld gemacht werden können.

Die Gesellschaft plant nun zusätzliche Immobilienveräußerungen und hat das Ziel, die Rückgabeaufträge in Hinkunft wieder vollständig durchführen zu können. Auch das ist in dem Anlegerbrief festgehalten.

"Solides Portfolio"

Laut einer Stellungnahme der Erste Immobilien KAG handelt es sich um einen Schritt, den die "ERSTE Immobilien KAG nach sorgfältiger Abwägung aller Möglichkeiten und im Hinblick auf unsere treuhändige, Verpflichtung den Anleger:innen gegenüber getroffen hat. Diese Maßnahme dient dem Schutz der Anleger:innen und soll deren Gleichbehandlung gewährleisten. Die tägliche Preisberechnung und die Veröffentlichung bleiben unverändert".

"Der Fonds verfügt über ein solides Immobilienportfolio. Dieses entwickelt sich auch im aktuell schwierigen Investmentmarktumfeld stabil, der Fonds erwirtschaftet seit vielen Jahren positive Erträge. Mieter:innen sowie Geschäftspartner:innen sind hiervon nicht betroffen – die laufende Bewirtschaftung des Fonds ist (...) sichergestellt", heißt es auf Anfrage des STANDARD.

Neues Gesetz

Dass mehr Investoren aus dem Fonds aussteigen wollen, liegt daran, dass es durch die Zinserhöhungen andere attraktive Anlagemöglichkeiten gibt und – vor allem –, dass es ab Jänner 2027 neue Behaltefristen geben wird. Anleger müssen sich künftig also für einen bestimmten Zeitraum an den Fonds binden. Die entsprechende Gesetzesänderung wurde 2021 beschlossen. Für informierte Investoren kommt das Ganze also nicht besonders überraschend.

Der Erste Immobilienfonds, der 2008 aufgelegt wurde, hat sich auf Wohnimmobilien spezialisiert, investiert aber auch in Büro- und Gewerbeflächen. Er hat laut Website ein Volumen von knapp einer Milliarde Euro und hatte in den vergangenen zehn Jahren eine durchschnittliche Performance von zwei Prozent.

Schon Anfang Oktober setzte wie berichtet die Fondsgesellschaft des Bank Austria Real Invest als erste denselben Schritt. Er ist der größte offene Immobilienfonds Österreichs. In diesem Zusammenhang haben sich auch die Rückflüsse beim Ersten Immobilienfonds noch einmal vervielfacht, erklärte die Erste Group in ihrer Stellungnahme.

"Besorgniserregend"

"Dass zwei bedeutende österreichische Immobilienfonds innerhalb von zehn Tagen zu solchen Maßnahmen greifen, ist aus Anlegersicht besorgniserregend", sagte Florian Beckermann, Vorstand des Interessenverband für Anleger (IVA), der APA. "Es stellt sich eine Systemfrage, ob hier nicht ein regulatorisch ausgelöster Vorzieheffekt eine Art Immo-Run auslöst." Beckermann warnt vor einem "Vertrauensproblem für die gesamte Branche". (Jakob Pflügl, 9.10.2026)

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