US-Anklage gegen Maduro und seine Frau: Gefangene sollen mit Elektroschocks gequält worden sein


Maduro und seine Frau vor Gericht: Neue Anklage erhebt schwere Foltervorwürfe

Stand: 09.10.2026, 14:05 Uhr

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Nicolás Maduro und seine Frau Cilia Flores im Januar 2025.

Nicolás Maduro und seine Frau Cilia Flores im Januar 2025. © Anadolu Pedro Rances Mattey/Imago

Die USA erweitern die Anklage gegen Nicolás Maduro und Cilia Flores: Es geht um Folter von Gefangenen – und einen Antrag auf Hausarrest. Eine Analyse.

Washington, D.C. – Das US-Justizministerium hat den abgesetzten venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro und seine Frau wegen der Folter von Gefangenen angeklagt. Damit kommen weitere Anklagepunkte gegen den früheren südamerikanischen Staatschef und sein engstes Umfeld in New York hinzu.

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Die ergänzte Anklageschrift wirft dem Regime Maduros vor, Dissidenten unrechtmäßig inhaftiert und gefoltert zu haben. Maduro muss sich bereits wegen Narkoterrorismus verantworten.

„Präsident Maduro weist die Vorwürfe in der neuen Anklageschrift zurück und freut sich darauf, vor Gericht seinen Standpunkt darzulegen“, sagte Barry Pollack, Maduros Anwalt.

Maduro und seine Frau Cilia Flores sitzen seit Januar in einem Bundesgefängnis. Damals nahm das US-Militär Maduro in einer geheim gehaltenen Operation in der venezolanischen Hauptstadt Caracas fest. Ziel war es, das Ehepaar in die Vereinigten Staaten zu bringen, damit es sich dort vor Gericht verantwortet. Zahlreiche Länder, darunter Verbündete der USA, verurteilten das Vorgehen damals.

Neue Anklage wirft Folter von Gefangenen vor

Die Staatsanwaltschaft reichte am Donnerstag beim Bundesgericht im Südbezirk von New York eine ergänzende Anklageschrift ein. Darin wirft sie dem Ehepaar vor, Gefangene gefoltert zu haben, um illegale Aktivitäten zu schützen. Diese sollten der Familie Geld einbringen. Einige der Gefangenen seien US-Amerikaner gewesen. Man habe einen von ihnen ausgehungert und mit Elektroschocks an den Hoden gequält. Außerdem habe man ihm gegen seinen Willen Spritzen gegeben und ihn weiter misshandelt.

Maduro „stand diesem Unterdrückungs- und Foltersystem vor, befehligte die für Folter verantwortlichen Polizei- und Militäreinheiten sowie deren Beamte, ordnete die rechtswidrige Inhaftierung und Folter bestimmter Personen an und ließ sich über die Folter einzelner Gefangener informieren“, heißt es in der neuen Anklageschrift. Flores habe „beim Aufbau dieses Unterdrückungssystems mitgewirkt und angeordnet, Personen zu foltern, um die illegalen Aktivitäten ihrer Familie zu schützen“, heißt es weiter.

Flores beantragt Hausarrest

Flores sollte am Donnerstag zu einer Anhörung über eine mögliche Freilassung gegen Kaution vor Gericht erscheinen. Wegen gesundheitlicher Probleme beantragt sie, bis zum Prozess in New York unter Hausarrest bleiben zu dürfen.

Jamie McDonald leitet die Staatsanwaltschaft des Südbezirks von New York. Am Donnerstag erklärte er vor dem Bundesgericht in New York: „Dieser Fall ist das Ergebnis einer außerordentlich guten Zusammenarbeit zwischen den Strafverfolgungsbehörden. Er zeigt, dass wir und unsere Partner erhebliche Anstrengungen unternehmen werden, um Menschenrechtsverletzungen, Narkoterrorismus und Drogenhandel weltweit zu untersuchen und strafrechtlich zu verfolgen“.

Der Prozess gegen Maduro und seine Frau soll voraussichtlich im kommenden Jahr beginnen. Beide haben sich in den Anklagepunkten wegen Drogenhandels für nicht schuldig erklärt.

Verteidigung will Verfahren einstellen lassen

Ihre Anwälte haben beantragt, das Verfahren einzustellen. Sie werfen der Trump-Regierung vor, im Januar eine illegale US-Militäroperation gestartet zu haben, um das Ehepaar festzunehmen. Dies verstoße gegen das Völkerrecht, das Staatsoberhäupter vor Strafverfolgung durch ausländische Gerichte schütze.

Die Anwälte warfen dem Justizministerium außerdem vor, Maduro unzulässigerweise für Handlungen bestrafen zu wollen, die er als Präsident vorgenommen hatte. Das widerspreche früheren Gerichtsentscheidungen. Dazu zähle das Urteil des Obersten Gerichtshofs aus dem Jahr 2024. Es erschwerte Bemühungen, Präsident Donald Trump zwischen seinen Amtszeiten im Weißen Haus strafrechtlich zu verfolgen.

Die USA erkennen Maduro seit 2019 nicht mehr als Präsidenten des südamerikanischen Landes an. Damals trat Maduro nach einer Wahl sein Amt an. Vertreter in Washington bezeichneten die Wahl als manipuliert. Auch seine Wiederwahl 2024 löste Betrugsvorwürfe aus, obwohl Maduro beteuert hat, beide Abstimmungen seien rechtmäßig gewesen.

Zur Autorin:

Perry Stein berichtet für The Washington Post über das Justizministerium und das FBI. Vertrauliche Nachrichten können ihr über Signal unter perrystein.05 geschickt werden.

Dieser Artikel war zuerst am 8. Oktober 2026 in englischer Sprache bei der „Washingtonpost.com“ erschienen – im Zuge einer Kooperation steht er nun in Übersetzung auch den Lesern der IPPEN.MEDIA-Portale zur Verfügung.