Auf keinen Fall direkt hineinschauen! Gefahr bei Sonnenfinsternis in NRW: Expertin gibt Tipps
Stand: 10.08.2026, 17:34 Uhr
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Der Blick in die Sonne fühlt sich bei einer Sonnenfinsternis harmloser an als sonst – doch genau das macht ihn so gefährlich. Darum versagen gängige Hausmittel so häufig.
Bochum/Hamm – Eine Sonnenfinsternis ist ein faszinierendes Naturschauspiel, und am 12. August ist es soweit – doch der Blick in die Sonne kann schwere und dauerhafte Augenschäden verursachen. Wer das Ereignis sicher erleben möchte, muss einige wichtige Regeln kennen. Meike Weisner, erfahrene Mitarbeiterin im Planetarium Bochum, erklärt, worauf es ankommt.

Auch während einer Sonnenfinsternis sendet die Sonne noch immer intensive Strahlung aus. „Selbst wenn ein großer Teil der Sonne vom Mond bedeckt ist, reicht die verbleibende Strahlung aus, um die Netzhaut zu schädigen“, sagt Weisner. Besonders tückisch: Weil es während einer partiellen Sonnenfinsternis dunkler wird, weiten sich die Pupillen – und lassen dadurch sogar mehr Licht ins Auge. Gleichzeitig verursacht die Netzhaut selbst keine Schmerzen. Betroffene bemerken den Schaden oft erst Stunden später.
Aufgepasst: Dauerschäden möglich – und nicht heilbar
Der direkte Blick in die Sonne kann zu einer sogenannten Solarretinopathie führen. Dabei wird vor allem die Makula geschädigt – der Bereich des schärfsten Sehens auf der Netzhaut. Die Folgen können verschwommenes oder verzerrtes Sehen, dunkle Flecken im zentralen Gesichtsfeld, verminderte Sehschärfe und gestörtes Farbsehen sein. „Je nach Ausmaß der Schädigung können sich die Beschwerden innerhalb von Wochen teilweise bessern. In schweren Fällen bleiben jedoch dauerhafte Sehstörungen zurück“, so Weisner. Eine gezielte Behandlung, die den Schaden rückgängig macht, gibt es nicht.
Wer glaubt, mit selbstgebastelten Hilfsmitteln auf der sicheren Seite zu sein, irrt. Geschwärzte Glasscheiben, Sonnenbrillen, CDs, DVDs, Rettungsdecken, Röntgenbilder oder Fotofilme sind laut Weisner allesamt ungeeignet. „Solche Materialien vermitteln häufig lediglich den Eindruck einer ausreichenden Abdunkelung. Tatsächlich filtern sie die gefährliche Sonnenstrahlung jedoch nicht zuverlässig.“ Viele dieser Hilfsmittel lassen Infrarot- oder UV-Strahlung in erheblichem Maße passieren. Weil das Auge die Helligkeit als geringer empfindet, blickt man zudem länger in die Sonne – das Risiko einer Netzhautschädigung steigt dadurch sogar.
Für die direkte Beobachtung empfiehlt Weisner ausschließlich zertifizierte Sonnenfinsternis-Brillen, die der internationalen Norm ISO 12312-2 entsprechen. Vor der Nutzung sollte die Brille sorgfältig geprüft werden: Ist die Filterfolie beschädigt, verkratzt, eingerissen oder weist kleine Löcher auf, darf sie nicht mehr verwendet werden. Ferngläser, Kameras oder Teleskope dürfen niemals ohne speziell dafür vorgesehene Sonnenfilter auf die Sonne gerichtet werden – selbst dann nicht, wenn gleichzeitig eine Sonnenfinsternis-Brille getragen wird.
Eine Methode ist narrensicher
Wer ganz auf Nummer sicher gehen möchte, kann auf Projektionsverfahren zurückgreifen, bei denen gar nicht direkt in die Sonne geschaut wird. Die einfachste Methode ist die Lochkamera: Ein kleines Loch in einer Pappe wirft das Sonnenbild auf eine helle Fläche. Auch die Projektion durch ein Fernglas oder Teleskop auf eine weiße Fläche ist möglich – allerdings nur, wenn niemand durch das Instrument blickt und die Methode fachgerecht durchgeführt wird. Besonders für Familien und Schulklassen empfiehlt Weisner zudem öffentliche Beobachtungsveranstaltungen von Sternwarten oder astronomischen Vereinen, bei denen geeignete Filtertechnik eingesetzt wird.
Eltern sollten darauf achten, dass Kinder eine Sonnenfinsternis niemals unbeaufsichtigt beobachten. Zertifizierte Brillen müssen korrekt sitzen und dürfen zwischendurch nicht abgenommen werden. Für jüngere Kinder sind Projektionsmethoden laut Weisner „häufig die sicherste und zugleich anschaulichste Möglichkeit, das Ereignis zu erleben.“
Ein wichtiger Merksatz zum Schluss: Nur während der sehr kurzen Phase einer totalen Sonnenfinsternis – wenn die Sonnenscheibe vollständig vom Mond bedeckt ist – darf die Sonne kurzzeitig ohne Schutz betrachtet werden. Bei einer partiellen Sonnenfinsternis oder schon bei kleinsten sichtbaren Anteilen der Sonne ist jederzeit ein geeigneter Augenschutz erforderlich. Für Beobachtungen in Deutschland gilt: Partielle Sonnenfinsternisse müssen während des gesamten Ereignisses mit zertifiziertem Schutz oder indirekt per Projektion beobachtet werden. Und so können Sie die Sonnenfinsternis verfolgen.