Auf und davon: Diese Karte warnt Camper vor teuren Nächten
Der Platz wirkt perfekt: freie Sicht, kaum Menschen, das Meer nur ein paar Schritte entfernt. Dann taucht die Polizei auf. Was nach einer idyllischen Nacht im Camper aussieht, kann in einem Schutzgebiet schnell teuer werden. In Teilen Südportugals etwa seien für unerlaubtes Übernachten bis zu 400 Euro und mehr fällig, erzählt Florian Jaunegg. Oft wüssten Reisende nicht, dass sie mitten in einer geschützten Zone stehen.
Genau hier setzt „Vanlifezone“ an. Das südsteirische Start-up rund um Jaunegg aus Allerheiligen bei Wildon hat eine digitale Weltkarte mit mehr als 250.000 Camping- und Stellplätzen entwickelt. Sie zeigt aber nicht nur, wo Camper übernachten können. Eingetragen sind auch Natura-2000-Gebiete, lokale Einschränkungen und Warnungen aus der Community. „Wir wollen es ermöglichen, frei zu sein – aber informiert“, sagt Jaunegg.
Rot markierte Natura-2000-Gebiete warnen Camper vor sensiblen Schutzzonen, in denen wildes Campen verboten ist oder teuer werden kann
© Vanlifezone
Begonnen hatte alles 2019. Jaunegg war damals drei Monate mit einem alten VW-Bus durch Europa unterwegs: Irland, Frankreich, Spanien, Portugal und Italien. „Absolute Wanderlust. Fernweh“, beschreibt er den Drang, einfach loszufahren.
Nach seiner Rückkehr wollte er das Gefühl nicht loslassen. Aus einem Instagram-Account wurde eine internationale Community mit rund 26.000 Followern. Vanlifer aus aller Welt schickten Reiseberichte, Bilder und Geschichten.
Zunächst entstand ein aufwendig gestaltetes Magazin. Die Produktion wurde selbst finanziert, doch kleine Auflagen und weltweiter Versand machten das Projekt wirtschaftlich untragbar. Das Team zog die Konsequenz. „Wir haben komplett umgedacht und uns auf das Digitale fokussiert“, sagt Jaunegg.
Florian Jaunegg aus Allerheiligen bei Wildon startete mit einem Vanlife-Magazin – daraus entwickelte er mit seinem Team eine digitale Weltkarte für Camper
© Vanlifezone
Die neue Karte ist der größte Schritt. Nutzer können Campingplätze, Stellplätze und Wildcampingorte ergänzen, bewerten und Warnungen hinterlassen. Tauchen neue Verbotstafeln auf, ist die Zufahrt gesperrt oder gibt es Konflikte mit Anrainern, soll die Information rasch für andere sichtbar werden.
Der Unterschied zu vielen bestehenden Angeboten liegt für Jaunegg darin, nicht nur schöne Plätze zu zeigen. „Die zeigen dir Möglichkeiten an, die attraktiv erscheinen. Dann stehst du dort und kriegst eine Strafe.“ Sämtliche Natura-2000-Schutzgebiete der Europäischen Union sind deshalb auf der neuen Karte im Detail eingezeichnet.
Der Bleder See in Slowenien ist ein beliebtes Ziel für Camper – zugleich aber eine besonders sensible Natur- und Tourismuszone
© Vanlifezone
Entwickelt wurde die Karte von Jaunegg, dem Grazer Entwickler Andreas Armanious und UX-Designer Maximilian Panholzer. Bei einer Testing-Party in Graz prüften rund 45 Menschen die Anwendung. Viele Verbesserungen seien direkt aus diesen Rückmeldungen entstanden.
Nun erhielt Vanlifezone für das Projekt das Gründungsstipendium der Uni Graz in Höhe von 6000 Euro. Es soll dabei helfen, aus dem bislang aus eigener Kraft finanzierten Community-Projekt ein tragfähiges Unternehmen zu machen.
Einnahmen sollen künftig unter anderem über Unternehmensprofile entstehen. Campingplätze, Stellplatzbetreiber, Campervermieter sowie Camping- und Outdoorhändler können sich kostenlos eintragen. Für zusätzliche Links und mehr Sichtbarkeit werden Pakete um 20 beziehungsweise 40 Euro monatlich angeboten.