„Ich habe Kinder schreien gehört“ – Schock nach Irrfahrt in Hofgeismar sitzt tief


Augenzeugen berichten von Irrfahrt durch Fußgängerzone in Hofgeismar – „Ich habe Kinder schreien gehört“

Stand: 21.08.2026, 19:11 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Auto fährt durch Fußgängerzone in Hofgeismar. Mustafa Hussaine, Inhaber des Friseursalons M & LM Hairdesign war direkt vor Ort, um zu helfen.

Er hörte den Knall und lief los: Mustafa Hussaine eilte nach dem Knall aus seinem Friseursalon, um zu helfen. © Katharina Breuning

Ein 68-Jähriger ist am Freitagvormittag mit seinem Auto durch die Hofgeismarer Fußgängerzone gefahren. Kurz zuvor waren Kinder mit ihren Betreuern unterwegs gewesen.

Hofgeismar – Sitzkissen liegen verstreut auf dem Pflaster. Umgestoßene Tische versperren den Weg. Ein Blumenkasten landet zerstört am anderen Ende der Fußgängermeile. Polizisten und Feuerwehrleute sind damit beschäftigt, zahlreiche Schaulustige hinter Absperrbänder zu verweisen. Am Freitagvormittag herrscht Chaos in der Hofgeismarer Fußgängerzone. Kurz zuvor ist ein 68-Jähriger mit seinem Auto mehrere hundert Meter durch die Einkaufsmeile gefahren.

Unfall Fußgängerzone Hofgeismar.

Eine Spur der Verwüstung: Was das Auto auf seinem Weg durch die Fußgängerzone angerichtet hat, wird beim Blick von oben besonders sichtbar. © Foto: Stefan Bönning

„War es Absicht, ein Anschlag?“ Das ist die zentrale Frage, die viele beschäftigt. Überall hinter den rot-weißen Absperrbändern sind Menschen zu sehen, die versuchen, ein Bild vom Geschehen einzufangen. Und die rätseln, was wohl vorgefallen ist. Auch Elisa Mandolini war in der Fußgängerzone unterwegs. Die 27-Jährige ist gerade beim Bäcker, als gegenüber ein Auto gegen eine Laterne knallt. „Viele andere und ich sind dann gleich zum Auto gerannt“, berichtet sie und ergänzt, dass sogleich die lebensrettenden Maßnahmen begonnen hätten. Mandolini: „Ich bin froh, dass mir nichts passiert ist – wäre ich etwas später losgegangen, hätte er mich erwischen können.“

Geschäftsleute schildern tragischen Unfall in Hofgeismar

Ganz ähnlich verhält sich auch Friseur Mustafa Hussaine, der sofort losrennt, als er in seinem Laden „einen lauten Knall“ vernimmt. „Ich habe Kinder schreien gehört“, erklärt er, „und einer Frau, die bei Woolworth unter einer Kleiderstange lag, habe ich geholfen, aufzustehen.“ Weiter schildert Hussaine, dass sich überall Passanten um die Verletzten gekümmert und unmittelbar begonnen hätten, Platz für Rettungswagen und Feuerwehr zu schaffen.

Da der Fahrer schon gleich am Anfang der Fußgängerzone gegen zwei hölzerne Blumenkästen gefahren ist und anschließend überall in der Zone lautes Geschrei zu hören ist, bekommen viele der Geschäftsleute schnell mit, dass etwas Ungewöhnliches passiert. „Ich hatte kurz zuvor noch unsere Kleiderständer aus der Sonne gezogen“, sagt eine Mitarbeiterin vom Modehaus Erdmann. Nur wenige Minuten vor dem Vorfall sei eine Gruppe von Kindern mit ihren Betreuern in der Fußgängerzone unterwegs gewesen. „Da das Auto mit ordentlich Tempo an unserem Geschäft vorbeigerast ist, dachte ich natürlich erst mal an einen Anschlag.“

Augenzeugen vermuteten sofort einen Anschlag

Ganz ähnlich auch Stefanie Vinson. Als sie den lauten Knall hört, ist ihr erster Gedanke: „Das ist ein Anschlag.“ Ihren Hund Rocky hatte die Inhaberin eines Modegeschäfts an der Tür angebunden. „Seitdem steht er total unter Schock, liegt in der hinteren Ecke des Geschäfts“, erklärt Vinson.

Der Schreck sitzt tief: Stefanie Vinson war mit ihrem Hund Rocky in ihren Geschäft, als sie den lauten Knall hörte.

Der Schreck sitzt bei beiden tief: Stefanie Vinson war mit ihrem Hund Rocky in ihrem Geschäft, als sie den lauten Knall hörte. © Katharina Breuning

Für die meisten Geschäftsleute fühlt sich der Tag unwirklich an. „Ich habe gehört und dann gesehen, wie ein Auto beschleunigt hat“, sagt Vera Durward vom Schreibwarenhandel Flo No. 7. Die Frau steht noch zwei Stunden nach dem Vorfall unter Schock. „Drei Minuten vorher sind hier noch die Kinder der Rappelkiste Hand in Hand durch die Fußgängerzone gelaufen“, berichtet sie und bricht in Tränen aus.

Große Verunsicherung herrscht auch bei den Mitarbeitern der Eisdiele Dolomiti. Genau vor ihrer Tür begann die Unglücksfahrt. „Gleich zwei unserer Blumenkübel hat er angefahren – einer davon liegt jetzt oben am Töpfermarkt“, so ein Eisdielenmitarbeiter. Natürlich ist man auch hier froh, dass keinem der Mitarbeiter etwas passiert ist.

Gut zwei Stunden nach der Irrfahrt wird es langsam ruhiger in der Innenstadt. Wo sich zuvor noch Menschen in kleinen Gruppen zusammenfinden, am Telefon das Gesehene übermitteln und immer wieder fragen, ob der Fahrer verstorben ist, legt sich der Tumult. Von der Mittagszeit an sind nur noch vereinzelt Polizisten an den Absperrungen zu sehen. Die Fußgängerzone ist plötzlich so gut wie menschenleer. Fast alle Geschäftsleute haben ihre Läden geschlossen.