„Spiele waren ein Desaster“: Ausgerechnet Watzke wollte Tuchel nach WM-Aus als Bundestrainer
Stand: 18.09.2026, 13:48 Uhr
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Nach dem blamablen Ausscheiden bei der WM in Katar hätte Hans-Joachim Watzke Flick gerne entlassen. Damals war Tuchel einer der möglichen Kandidaten.
Dortmund – Das Verhältnis zwischen Hans-Joachim Watzke und Thomas Tuchel war nach der gemeinsamen Zeit bei Borussia Dortmund bekanntlich sehr angespannt. Dennoch erwog der Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), den 53-Jährigen als Bundestrainer zu ernennen. Nicht in diesem Sommer, sondern vor vier Jahren nach dem Vorrunden-Aus bei der Weltmeisterschaft in Katar.

„Wir hatten ein großes Misserfolgserlebnis und dann denkst du darüber nach, welche Alternativen gibt es und dann kommst du natürlich automatisch auf Tuchel, weil Jürgen stand ja zu der Zeit nicht ansatzweise zur Verfügung“, gab Watzke im Sky-Format „Meine Geschichte“ einen Einblick in die damaligen Gedankenspiele. Unter der Leitung von Hansi Flick scheiterte die Nationalmannschaft damals in einer Gruppe mit Spanien, Japan und Costa Rica.
Konflikt aus BVB-Zeiten: Watzke wollte Tuchel trotzdem als Bundestrainer
Dass es letztlich nicht zu einer Anstellung von Tuchel kam, ist bekannt. „Die Grundhaltung ist einfach gewesen, mit Hansi Flick weiterzumachen“, erklärte Watzke und verwies auf seine Rolle bei der Trainersuche des DFB. „Damals war noch Oliver Bierhoff da, jetzt Rudi Völler. Das ist ja nicht meine Entscheidung, wer Bundestrainer wird.“ Er selbst hätte Flick aber wohl entlassen und sich auf der Trainerposition neu aufgestellt.
„Ich hatte das Gefühl, nach Katar wird es schwierig. Ich habe im Nachhinein wahrscheinlich recht behalten, die Spiele danach waren ja ein Desaster“, rechnete der 67-Jährige schonungslos ab. Letztlich blieb Flick noch neun Monate im Amt, ehe der DFB im September 2023 während einer Länderspielpause die Reißleine zog.
Dass ausgerechnet Watzke über Tuchel als Bundestrainer nachgedacht hat, ist überraschend. Den beiden wird seit dem 2017 erfolgten Bombenanschlag auf den BVB-Bus ein angespanntes Verhältnis nachgesagt. Damals stand der Vorwurf im Raum, Watzke habe die Mannschaft trotz des einschneidenden Erlebnisses zum Spielen gedrängt. Am selben Abend stand eigentlich ein Champions-League-Spiel gegen die AS Monaco an.
Wenige Monate später trennte sich der BVB trotz des Pokalsiegs von Tuchel – für viele eine Konsequenz des Konflikts zwischen ihm und Watzke. „Es gab einfach bestimmte Kreise, die das einfach haben wollten. Dass das einfach gut reinpasst, dass so ein seelenloser Fußball-Funktionär dann den Spielern vorschreibt, was sie zu tun haben“, wehrt sich Watzke jetzt gegen die damaligen Vorwürfe.
Auf die Frage, ob er Tuchel verziehen habe, antwortete er: „Nein. Es geht auch gar nicht um Verzeihen oder nicht verzeihen. Ich halte Tuchel nach wie vor für einen exzellenten Trainer.“ Das Verhältnis zwischen den beiden ist laut Watzke inzwischen entspannt: „Wenn wir uns heute sehen: Wir reden miteinander vernünftig, wir sprechen.“ Er habe England bei deren Suche nach einem Nationaltrainer sogar einen Ratschlag gegeben: „Könnt ihr blind machen. Kriegt einen der besten Trainer.“ (dwe)