Thur bei Flaach: Hunderte Fische drängen sich in Restwassertümpel


Publiziert30. September 2026, 07:09

Flaach ZHAusgetrocknete Thur: «So etwas habe ich noch nie gesehen»

News-Scout Konstantin (37) filmt in der Thur bei Flaach ZH Hunderte Fische in einem kleinen Restwasserbereich. Fachleute erklären, warum die Lage heikel werden kann – und weshalb der Kanton nicht mehr abfischt.

Thomas Sennhauser

Fische auf engstem Raum: News-Scout Konstantin (37) entdeckte am Sonntag in einem Tümpel der Thur bei Flaach ZH zahlreiche Fische.News-Scout

Darum gehts

Als News-Scout Konstantin (37) am Sonntag an der Thur bei Flaach ZH spazierte, fiel ihm die anhaltende Trockenheit sofort auf: In einem kleinen Tümpel drängten sich auffallend viele Fische. «So etwas habe ich hier an der Thur noch nie erlebt», sagt Konstantin. Er kenne den Fluss gut. «So wenig Wasser und so viele Fische auf engem Raum habe ich noch nie gesehen.»

Der Anblick beschäftigt ihn. «Es war bedrückend. Ich frage mich, ob die Fische das überleben.» Für Konstantin sind die Tiere auf engstem Raum ein Warnsignal des Klimawandels.

Ist das aussergewöhnlich?

Die Thur führe bei Flaach derzeit nur noch rund 2,5 bis 3 Kubikmeter Wasser pro Sekunde. Für Ende September wären normalerweise etwa 40 Kubikmeter üblich, erklärt Andrin Krähenbühl, Fischökologe bei der Fischereiberatung FIBER: «Solche Fischansammlungen in so kleinen Tümpel sind aber grundsätzlich natürlich, sie treten in dynamischen Fliessgewässern ab und zu auf.» Das passiere bei Trockenheit mit sinkendem Pegel, aber auch nach Hochwasser.

Die landesweite Trockenheit dieses Sommers sei aber alles andere als normal. «Das Video zeigt, dass die Lage in den Gewässern nach mehr als vier Monaten Hitze und Trockenheit weiter angespannt bleibt.»

Was macht wenig und warmes Wasser mit Fischen?

Der Umstand im Video versetze Fische vor allem unter Stress, sagt Krähenbühl. Besonders betroffen seien kältebedürftige Arten wie Forellen und Äschen: «Ab rund 20 Grad Wassertemperatur sind sie gestresst und fressen weniger.» Bei noch höheren Temperaturen zwischen 23 und 26 Grad werde es lebensgefährlich.

Wie viele Fische sind wegen der Trockenheit gestorben?

Laut dem Zürcher Kantonalamt seien allein diesen Sommer bereits Hunderttausende Fische im Kanton verendet, weil kleinere und grössere Bäche abschnittsweise ausgetrocknet seien. «Der Lebensraum für Fische und andere Wasserlebewesen ist deutlich kleiner geworden», so Sprecherin Katharina Weber.

Tausende Fische unter der Thurbrücke bei Flaach ZH.

Tausende Fische unter der Thurbrücke bei Flaach ZH.20 Minuten/News-Scout

Können die Fische in andere Gewässer ausweichen?

Forellen und Äschen hätten im Sommer gezielt kühle Rückzugsorte gesucht, erklärt Krähenbühl. Dazu gehörten Seen, kalte Zuflüsse, tiefe Pools und Grundwasseraufstösse. «Dort sollten die Tiere möglichst nicht gestört werden»

Bei tiefen Pegeln werde das Ausweichen aber schwieriger. «Tiefe Wasserstände reduzieren die Möglichkeiten für Wanderbewegungen von Fischen», sagt Krähenbühl. Fische erreichten manche Rückzugsorte dann nicht mehr.

Besonders kritisch werde es, wenn Tiere in einem kleinen Bereich gefangen seien, der nicht mehr mit dem restlichen Gewässer verbunden sei und austrocknen könnte. Ob der im Video gezeigte Pool ganz austrockne, könne Krähenbühl nicht beurteilen. «Möglich ist auch, dass er durch Grundwasser aus der Thur versorgt wird.»

Warum fischt der Kanton die Fische nicht ab?

Der Kanton Zürich führe seit einem Jahr grundsätzlich keine Trockenheits-Abfischungen mehr durch, erklärt Weber. Dabei würden Fische mit Elektrogeräten gefangen und in andere Gewässer umgesetzt.

Das sei für die Tiere zusätzlicher Stress. Zudem seien mögliche Ausweichgewässer wegen der Trockenheit oft bereits stark besetzt. Eine Umsiedlung könne die Lage dort weiter verschärfen. Das Abfischen «schadet mehr, als es nützt», sagt Weber.

Was muss jetzt passieren?

Damit sich die Lage entspanne, braucht es laut Krähenbühl anhaltenden Regen über mehrere Tage – idealerweise während zwei bis drei Wochen. Erst dann könnten sich die Wasserspeicher in der Landschaft wieder füllen. Ein kurzer Landregen reiche nicht.

Für die Fische im Video wäre viel Regen eine direkte Rettung, sagt Krähenbühl. Bleibe es trocken, könnten weitere Abschnitte von Bächen und Flüssen austrocknen. Dann drohten weitere Verluste.

Das kantonale Amt rechnet aber nicht mit weiteren grösseren Fischsterben, wenn es in den kommenden zwei bis drei Wochen zwischendurch regne.

Wie beurteilst du den Umgang mit den Fischen in der Thur bei Flaach?

Der Kanton sollte weiter eingreifen und die Tiere retten.

Die Fische sollten möglichst in Ruhe gelassen werden, auch wenn die Lage heikel ist.

Das Abfischen bringt zu wenig und stresst die Tiere nur zusätzlich.

Ich finde beides schwierig, eine gute Lösung gibt es wohl kaum.

Ich habe dazu keine klare Meinung.

Thomas Sennhauser

Thomas Sennhauser (ths), arbeitet seit 2020 für 20 Minuten. Er begann als Videojournalist und wechselte nach zwei Jahren ins Ressort News wo er über gesellschaftliche Themen und Analysen zu Geschehnissen im Ausland schreibt.

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