Sternenkinder-Atelier in Ebersberg: Eltern schaffen Erinnerungen für verstorbene Babys
Stand: 30.09.2026, 07:07 Uhr
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Zwei betroffene Mütter eröffnen am 10. Oktober in Ebersberg einen Treffpunkt für Sterneneltern. Für Väter gibt es ein eigenes Angebot.
Ebersberg – Es sind Kinder, die besondere Namen tragen. Sie werden liebevoll „Himmelskinder“ oder „Schmetterlingskinder“ genannt oder meist als „Sternenkinder“ bezeichnet. Es sind Kinder, die vor, während oder kurz nach der Geburt versterben. Für betroffene Eltern ist es ein nicht greifbares und zu verstehendes Ende einer Zeit, die eigentlich ein Neubeginn sein sollte. „Die Zeit mit dem Kind ist so kurz“, erzählt Maria Postel. „Und bei den Eltern bleibt so viel Liebe übrig.“ Die 40-Jährige und ihr Mann haben vor acht Jahren ihren Sohn Lukas verloren. Jetzt möchte sie Eltern, die das Gleiche erlebt haben, helfen. Maria Postel sagt: „Jeder braucht einen Kanal, wo das Zuviel an Liebe hinfließen kann.“
Die Liebe ist da, nur das Kind nicht
Zusammen mit Fabienne Steinhof bietet Postel ab 10. Oktober das Sternenatelier in Ebersberg an. Das Sternenatelier soll betroffenen Eltern einen Raum bieten, in dem sie sich austauschen können, in dem sie reden oder in der Gemeinschaft schweigen und in dem sie für ihre verstorbenen Kinder Erinnerungsstücke schaffen können. Nea hieß die Tochter von Fabienne und Tobias Steinhof. Erst vor ein paar Tagen hätte das Mädchen ihren siebten Geburtstag gefeiert. „Man hat so wenige Erinnerungen an das Kind“, erzählt die 29‑Jährige. „Mit kreativen Projekten wollen wir diese für unsere Sternenkinder schaffen.“
Veranstaltungen für Sterneneltern
Eine Gedenk- und Abschiedsfeier findet am Freitag, 2. Oktober, um 16 Uhr an der Gedenk- und Ruhestätte für Sternenkinder auf dem Neuen Friedhof in Ebersberg statt.
Sternenatelier im M4 am Marktplatz 4 in Ebersberg am 10. Oktober, 14. November, 12. Dezember, 9. Januar und 13. Februar von 10 bis 13 Uhr. Anmeldung und Infos per E-Mail an [email protected].
Klettern für Sternenpapas: 22. Oktober von 19 bis 21 Uhr, Boulderhalle Grafing, Thomas-Mayr-Straße 4. Anmeldung und Infos per E-Mail an [email protected].
Wie die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe auf Nachfrage mitteilt, gebe es pro 1000 Geburten im Jahr vier bis fünf Babys, die zwischen der 22. Schwangerschaftswoche und dem siebten Tag nach der Geburt versterben. Bezieht man Fehlgeburten innerhalb der ersten zwölf Schwangerschaftswochen mit ein, liegt die Zahl deutlich höher. „Schätzungsweise enden rund zwölf bis 15 Prozent aller medizinisch nachgewiesenen Schwangerschaften in einer Fehlgeburt“, schreibt die Gesundheitskasse AOK.
„Man erlebt einen unvorstellbaren Kontrollverlust, eine absolute Hilflosigkeit“, erzählt Maria Postel. Und Fabienne Steinhof ergänzt: „Ich hatte das Gefühl von großer Einsamkeit.“ Mit der Selbsthilfegruppe wollen Postel und Steinhof zeigen, dass betroffene Frauen und Männer nicht alleine sind. Die kreativen Angebote sollen dabei auch eine Brücke sein, um aus der Sprachlosigkeit und auch einer Handlungsunfähigkeit wieder herauszufinden.
In der Phase der Trauer reagieren die Menschen sehr unterschiedlich, ein jeder hat seinen individuellen Weg, um das Unsagbare zu verarbeiten. „Ich habe mich komplett in die anstehenden Aufgaben gestürzt“, erzählt Tobias Steinhof über die Zeit nach dem Tod seiner Tochter. „Ich habe anfangs mit niemandem geredet.“ Viele Männer würden oftmals im Hintergrund bleiben, ihre Trauer sei leiser, aber genauso tief, erklärt er. Deshalb möchte er ein spezielles Angebot für Sternenpapas anbieten. Am 22. Oktober lädt er deshalb zu einem Kletterabend in die Grafinger Boulderhalle ein. „Bouldern ist der beste Weg, voll und ganz bei sich zu sein und seinen Körper zu spüren“, heißt es auf dem Einladungsschreiben.
Maria Postel und Fabienne und Tobias Steinhof wollen einen Anlaufpunkt vor Ort bieten, um Sterneneltern zu zeigen, dass sie nicht alleine sind. Einen geschützten Raum, in dem alles kann, aber nichts muss.