Ausstellung in Freising zeigt: „Keine Vorzeigeflüchtlinge – ganz normale Menschen"


Stand: 02.10.2026, 08:00 Uhr

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Zahlreiche der Menschen mit Migrationsgeschichte, die sich portraitieren haben lassen, sind auch zur Ausstellung erschienen. Ganz hinten: Initiator Jan Drobniak (Diakonie).

Zahlreiche der Menschen mit Migrationsgeschichte, die sich portraitieren haben lassen, sind auch zur Ausstellung erschienen. Ganz hinten: Initiator Jan Drobniak (Diakonie). © Lorenz

Die Diakonie Freising porträtiert zehn Menschen mit Migrationsgeschichte im Gemeindehaus. Der Initiator warnt dabei vor gefährlicher Vereinfachung.

Freising – Jan Drobniak, Leiter der Flüchtlings- und Integrationsberatung Freising, ist diese von ihm initiierte Ausstellung fundamental wichtig. „Wenn öffentlich über Flucht und Integration gesprochen wird, stehen häufig Probleme und Defizite im Mittelpunkt – dann geht es um Straftaten, Abschiebungen und politische Versäumnisse. Doch wenn Menschen fast nur noch in solchen Zusammenhängen vorkommen, dann entsteht ein einseitiges Bild“, mahnte Drobniak einleitend bei der Ausstellungs-Vernissage.

Mit der Ausstellung „Alte Stadt – neue Gesichter“ wolle die Diakonie deshalb bewusst eine andere Seite dieser Menschen beleuchten, nämlich die persönlichen Lebenswege hinter den öffentlichen Debatten. Ein weiteres Problem: Geflüchtete Menschen werden oft nur auf die Flucht und damit verbundene Belastungen reduziert, aber kaum gänzlich gesehen – mit allen Talenten und Fähigkeiten. Zehn Menschen aus einem anderen Land haben sich für diese Ausstellung portraitieren lassen, stellvertretend für viele andere, die in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten nach Freising gekommen sind, erklärte Drobniak.

Erläuterungen: Integrationsbeauftragte Sina Hörl im Gespräch mit Bürgermeister Nico Heitz.

Erläuterungen: Integrationsbeauftragte Sina Hörl im Gespräch mit Bürgermeister Nico Heitz. © Lorenz

Dabei ist ihm eines ganz wichtig: „Diese Menschen sind keine außergewöhnlichen Ausnahmeerscheinungen, keine ‚Vorzeigeflüchtlinge‘ – es sind ganz normale Menschen mit Geschichten, wie wir sie in unserer Arbeit immer wieder erleben.“ Nach all den Jahren sind diese zehn Frauen und Männer zu Kolleginnen und Kollegen, zu Nachbarn, zu Eltern und zu Freunden geworden, so Drobniak in seiner äußerst empathischen Ausstellungs-Einführung.

Wovor Drobniak aber warnte: „Die hier gezeigten Lebenswege dürfen nicht zu der vereinfachten Schlussfolgerung führen, dass es der Mensch, der sich genügend anstrengt, immer schafft. So einfach ist das nicht.“ Integration brauche laut Drobniak Eigeninitiative, Ausdauer und die Bereitschaft, sich auf eine neue Sprache und eine neue Gesellschaft einzulassen – aber sie brauche eben halt auch reale Möglichkeiten, wie Schulen und Betriebe, die Chancen eröffnen.

Und sie brauche Menschen, die bereit sind, nicht nur Forderungen zu stellen, sondern auch Zugänge zu schaffen, wie Drobniak weiter ausführte. Integration sei für ihn deshalb nach wie vor ein gemeinsamer Prozess und gerade diese Ausstellung zeige für ihn, was möglich werden kann, wenn persönliche Ausdauer auf Unterstützung und echte Chancen treffe. „Vielleicht“, so sein Wunsch, „lädt diese Ausstellung auch dazu ein, unsere Vorstellung von Integration zu hinterfragen. Wann betrachten wir eigentlich einen Menschen als angekommen? Wenn er Deutsch spricht, wenn er arbeitet oder einen deutschen Pass besitzt?“ Für Drobniak sind das natürlich wichtige Bestandteile von Integration, allerdings erweiterte er sie: „Vielleicht ist dieser Mensch vor allem angekommen, wenn er Verantwortung übernehmen darf, sich zugehörig fühlt und als selbstverständlicher Teil der Gesellschaft wahrgenommen wird.“