Australische Thrillerserie „Last Seen“ bei Apple: Wenn der Vater zur Furie wird


Stand: 05.09.2026, 07:30 Uhr

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Last Seen - Ex-Polizist Ian Ridley (Patrick Brammall) hat in der australischen Apple-Thrillerserie "Last Seen" auch nach elf Jahren die Hoffnung nicht aufgegeben, seine im Alter von drei Jahren verschwundene Tochter wiederzufinden. Seiner Nachfolgerin (Zahra Newman) als Polizeichefin einer fiktiven Küstenkleinstadt präsentiert er eine neue Spur.

Last Seen - Ex-Polizist Ian Ridley (Patrick Brammall) hat in der australischen Apple-Thrillerserie "Last Seen" auch nach elf Jahren die Hoffnung nicht aufgegeben, seine im Alter von drei Jahren verschwundene Tochter wiederzufinden. Seiner Nachfolgerin (Zahra Newman) als Polizeichefin einer fiktiven Küstenkleinstadt präsentiert er eine neue Spur. © Apple TV

Die australische Thrillerserie „Last Seen“ (ab 9. September bei Apple TV) wurde vom deutschen Star-Regisseur Christian Schwochow nach einem amerikanischen Roman inszeniert. David Brammall („The Devil Wears Prada 2“) spielt einen Vater, der seine lange vermisste Tochter sucht.

Das winterliche Australien kann auch eine tolle Serien-Kulisse darstellen: das peitschende Meer rund um die fiktive Küstenstadt Port McKenna, im Sturm umknickende Bäume im von dichten Farnen durchzogenen Regenwald - und eine skelettierte Kinderleiche. Eine solche wird in der Apple TV-Serie „Last Seen“ (ab 9. September) nach dem Sturm im Unterholz freigelegt. Der deutsche Regisseur Christian Schwochow („The Crown“) findet starke Bilder für den sechsteiligen psychologischen Thriller, der nach dem amerikanischen Roman „Der Cop“ („The Dispatcher“) von Ryan David Jahn entstand.

Last Seen - Die religiösen Eheleute Henry (Brendan Cowell) und Jenna Reid (Maxine Peake) meiden den Kontakt zur Außenwelt.

Last Seen - Die religiösen Eheleute Henry (Brendan Cowell) und Jenna Reid (Maxine Peake) meiden den Kontakt zur Außenwelt. © Apple TV

Die Handlung des Buches ist in Texas angesiedelt und erzählt von einem Ex-Polizisten, der seine vor Jahren verschwundene kleine Tochter sucht. In der Serie verkörpert David Brammall („The Devil Wears Prada 2“, „Colin from Accounts“) Ian Ridley, der früher Polizeichef von Port McKenna war. Nach dem Verschwinden seiner dreijährigen Tochter Megs vor elf Jahren ging es mit seinem Leben bergab. Die Ehe mit Megs' Mutter Debbie (Jessica Wren) zerbrach, Ian machte „Karriere“ als Alkoholiker und verlor seinen Job.

Mittlerweile ist der Mann trocken, aber die alten Dämonen verfolgen ihn noch. Ian arbeitet mittlerweile als Dispatcher bei seiner alten Polizeiwache: Er nimmt Notrufe an und leitet entsprechende Maßnahmen ein. Seine Ex-Frau ist mittlerweile mit einem Kollegen von der Polizei verheiratet - und noch mal schwanger. Als nach dem Sturm die Kinderleiche im Wald gefunden wird, liegt der Verdacht nahe, dass es sich dabei um die tote Megs handelt. Doch es gilt, die Untersuchungsergebnisse abzuwarten.

Parallel zur Geschichte Ians und seines Umfeldes in Port McKenna - gedreht wurde in Portland im australischen Victoria - lernt man noch eine andere Familie kennen: Die freundlich-religiösen Eheleute Henry (Brendan Cowell) und Jenna Reid (Maxine Peake) leben mit ihrer Tochter Sarah (Chloe Jean Lourdes) auf einer Farm in der Nähe und meiden den Kontakt zur Außenwelt. Doch es gibt eine Verbindung zwischen den beiden Welten: Henrys Bruder Donald (Daniel Henshall) ist ebenfalls trockener Trinker und Ians Pate bei den Anonymen Alkoholikern. Nach dem Start mit einer Doppelfolge sendet Apple die restlichen vier Episoden im Wochenrhythmus bis zum Serienfinale am Mittwoch, 7. Oktober.

Bittersüße Geschichte über menschliche Liebe

Während die Romanvorlage als knallharter Rachethriller mit drastischer Gewalt und psychologischer Unerbittlichkeit punktet, schlägt die nach Südwest-Australien verlegte Serie - adaptiert von Drehbuchautor und Executive Producer Kris Mrksa - zunächst einen anderen Weg ein: Der TV-Plot beginnt als Porträt eines Mannes und einer Familie, denen Schreckliches widerfahren ist. Hinterbliebene, die nach elf Jahren - auf getrennten Wegen - halbwegs mit dem Traumatischen leben gelernt haben. Plötzlich reißt der Leichenfund alte Wunden wieder auf. Ian beginnt mit intensiven Nachforschungen, denn der langjährige Polizist steckt noch in ihm drin. Seine Ex-Frau und Ians mittlerweile erwachsener Sohn aus einer früheren Beziehung wollen dagegen die Vergangenheit hinter sich lassen.

David Brammall, 50-jähriger australischer Star-Schauspieler, verkörpert diesen Ian mitreißend. Überhaupt sind sämtliche Rollen gut besetzt und präzise gespielt. Mit Newcomerin Chloe Jean Lourdes, sie spielt die 14-jährige Sarah, könnte ein Star von morgen werden: Charisma und „Leinwand“-Präsenz der jungen Darstellerin sind außergewöhnlich. Interessanterweise hält sich die Thriller-Serie nicht über die gesamte Strecke an jenen Ton, den sie in den ersten vier Episoden setzt. Man könnte auch positiv behaupten: Das Timing der Erzählung ist ungewöhnlich. Manche Entwicklungen vollziehen sich sehr viel schneller als man es erwartet, dafür kommt in Episode fünf eine Rückblicksfolge zum Zuge, ehe ein unerwartetes Action-Finale folgt. Dennoch siegt am Ende die Psychologie: „Last Seen“ ist neben klassischem Thrillerstoff auch eine Erzählung, die Fragen zu menschlicher Liebe stellt: Wie weit darf sie gehen, und muss man Menschen vielleicht eher gehen lassen, bevor man zugunsten der „heilen Beziehung“ mehr kaputt macht, als dass diese Liebe Gutes erschafft? (Dieser Artikel entstand in Kooperation mit teleschau.)