„Rund um den Tegernsee": Modell für Karussell entstand im Seehotel
Stand: 05.09.2026, 07:30 Uhr
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Das Fahrgeschäft gehört zur Schaustellerfamilie Zettl aus München. Großvater Wilhelm baute im Seehotel am Tegernsee ein Modell aus Torte, Gummibärchen und Keksen.
Tegernseer Tal/München – Wir erreichen Zettl in seinem Lkw. Über die Freisprecheinrichtung erzählt uns der 40-jährige Familienvater, warum das Fahrgeschäft auf seinen Großvater zurückgeht und was den Reiz des Karussells mit Berg- und Talfahrt ausmacht.
Herr Zettl, Ihr Fahrgeschäft „Rund um den Tegernsee“ feiert heuer einen runden Geburtstag. Verraten Sie uns, wann es gebaut wurde?
Das war 1966. Initiator war mein Großvater Wilhelm.
Wie kam Ihr Opa auf diese Idee?
Er war tatsächlich auf einem Kururlaub im Seehotel am Tegernsee. Über Nacht kam ihm die Idee, ein Karussell zu bauen, das rund um den Tegernsee geht. Er hat dann aus einer Torte, Gummibärchen und Keksen ein Modell gebaut. Dann ist er zu einem namhaften Hersteller gegangen, und das Fahrgeschäft wurde gebaut.

Ihr Großvater war ein kreativer Kopf.
Und handwerklich begabt, wie eigentlich alle Schausteller. Er hatte vorher schon mehrere Karusselle selbst entwickelt und auch teilweise selbst gebaut. Aber der Tegernsee war dann von der Größe und der Technik schon eine andere Hausnummer.
Sind Sie mit der Zeit gegangen?
Über die Jahre wurde das Karussell weiterentwickelt und renoviert. Uns ist wichtig, dass sein Charme erhalten bleibt.
Seit wann sind Sie der Chef vom Tegernsee?
Seit 2001. Viele Jahre habe ich das Geschäft gemeinsam mit meinem Großvater betrieben. Mein Vater starb früh, ich bin bei ihm aufgewachsen. Jetzt mache ich das Ganze mit meiner Frau und meinen Kindern. Unser ältester Sohn setzt die Familientradition fort. Er ist 20 und hat bereits sein eigenes Karussell.
Waren Sie selbst auch schon am Tegernsee?
In meiner Kindheit und Jugend, in den vergangenen Jahren leider nicht mehr so oft. Vielleicht schaffen wir es noch vor dem Wiesnstart. Ich möchte gerne mal wieder an den Tegernsee. Dort ist es wunderschön, da braucht man keine zweite Meinung.
Wir erwischen Sie gerade im Lkw auf dem Weg nach …?
… Hamburg. Dort hole ich meine Frau ab, bevor es dann nach München geht. Sie war mit unserer Wurfbude, die wir von meinen Schwiegereltern übernommen haben, auf dem Hamburger Dom. Das ist das größte Volksfest in Norddeutschland.
Haben Sie noch Zeit zum Durchschnaufen, bevor die Wiesn beginnt?
Morgen gehen wir in München schön frühstücken und lassen mal einen Tag die Seele baumeln. Der Tegernsee ist heuer zum Teil schon aufgebaut, und wir haben Zeit für ein paar Renovierungsarbeiten. Da können wir die Wiesn ganz entspannt angehen.
Welchen Stellenwert hat das Oktoberfest für Sie?
Wir sind deutschlandweit unterwegs, und es gibt viele tolle Volksfeste. Aber die Wiesn ist nicht zu toppen. Das meine ich jetzt gar nicht vom Umsatz her. Aber diese Größenordnung ist mit nichts zu vergleichen.
Haben Sie den Wirbel um das traditionelle Fahrgeschäft Teufelsrad verfolgt? Auf Anregung der Münchner Gleichstellungsstelle für Frauen, wurden die über 80 Jahre alten Pappmaché-Figuren über dem Eingang umgestaltet und „züchtiger“ bemalt.
Wir haben eine bayerische Landschaft auf der Rückwand, davor sind einzelne Figuren, ähnlich denen auf dem Teufelsrad. Das sind tanzende Pärchen und eine Kapelle, die Musik spielt. Die Figuren waren nie sehr freizügig.
Was macht den Reiz Ihres Fahrgeschäfts aus?
Das Karussell ist ein Unikat. Es ist eine kreisrunde Achterbahn mit Berg- und Talfahrt, und es kann jeder mitfahren. Es ist schnell genug, damit es aufregend ist. Aber es ist auch nicht so schnell, dass einem schlecht wird. Höhepunkt ist der rauschende Wasserfall, unter dem man durchfährt. Und natürlich die wasserspuckende Oma.
Plaudern Sie mal aus dem Nähkästchen.
Die Leute erzählen uns viel am Kassenhäuschen, zum Beispiel, dass sie ihre Frau bei uns kennengelernt haben. Wir haben ein unheimlich großes Stammpublikum. Wir werden gesucht auf der Wiesn, deswegen wollen wir das Karussell auch für die Zukunft erhalten.
Gibt es auf dem weltweit größten Volksfest auch ruhige Momente?
Es ist schön, wenn man morgens bei einem Kaffee in seinem Wohnwagen sitzt und diese Geräuschkulisse wahrnimmt, wenn tausende Menschen vor den Eingängen der Zelte stehen und es kaum erwarten können, hereingelassen zu werden. Auf dem Hamburger Dom gibt es gar kein Bierzelt. Das ist wahrscheinlich unvorstellbar für einen Wiesn-Besucher.