Bad Hersfelds Bürgermeisterin sieht die Stadt weiter im Aufwind
Stand: 23.07.2026, 12:58 Uhr

Anke Hofmann hat gegen den Stadtverordnetenbeschluss zum digitalen Verkehrsrechner Widerspruch eingelegt. Das Projekt war zuvor einstimmig von den Wirtschaftsbetrieben abgelehnt worden.
Bad Hersfeld – Bürgermeisterin Anke Hofmann will mit Bad Hersfeld noch hoch hinaus. Kein Wunder, dass Sie zum Sommerinterview mit der Hersfelder Zeitung auf den Kirchturm der Bad Hersfelder Stadtkirche steigen wollte. Dort sprach Anke Hofmann mit Kai A. Struthoff.
Frau Bürgermeisterin Hofmann, zum Kirchturm haben Sie offenbar eine besondere Beziehung. Warum?
Man hat von hier oben einen tollen Blick auf eine ganz tolle Stadt! Auch die Nähe zum Rathaus ist vorhanden, und die Kirche spielt auch sonst in meinem Leben eine wichtige Rolle. Vor allem aber sieht man von hier, wie herrlich diese Stadt ist.
Nach der Kommunalwahl erscheinen SPD und CDU im Stadtparlament noch entschlossener, ihre Ziele mit der gemeinsamen Mehrheit durchzusetzen?
So ganz neu sind diese Mehrheitsverhältnisse nicht. In Bad Hersfeld hat sich nach der Wahl relativ wenig geändert. Mir ist es weiterhin wichtig, mit allen Fraktionen im Gespräch zu bleiben. Wir haben bislang erst einen Sitzungszug absolviert, insofern muss man dem Ganzen auch ein bisschen Zeit einräumen. Aber ich glaube, dass die Zusammenarbeit gut sein wird. An mir soll’s jedenfalls nicht liegen.
SPD und CDU haben gleich in der ersten Sitzung den Antrag durchgesetzt, ein digitales Verkehrsleitsystem einzuführen, das eine Menge Geld kosten wird. Dieses Projekt war zuvor einstimmig von den Wirtschaftsbetrieben abgelehnt worden. Sie haben nun gegen den Beschluss der Stadtverordnetenversammlung Widerspruch eingelegt. Warum?
Das hat vor allem rechtliche Gründe. Grundsätzlich finde ich die Idee, einen Verkehrsrechner zu haben und die Verkehrsströme in Echtzeit steuern zu können, wichtig. Allerdings geht es dabei hauptsächlich um den Stadtring und vielleicht die Zufahrt zum Klinikum. Wie sich die Nebenstraßen entwickeln, spielt dabei eher eine untergeordnete Rolle. Ich glaube, bei dem Vorhaben gibt es noch viel Gesprächsbedarf, obwohl der Förderzeitraum begrenzt ist und daher Zeitdruck ist. Wir werden das Thema vermutlich nach der Sommerpause erneut aufgreifen.
Sie würden das Geld ohnehin lieber für den Straßenbau, aber auch für den Erwerb der Jugendbildungsstätte und eines Grundstücks für einen Feuerwehrneubau im Solztal verwenden. Wie soll das nun finanziert werden?
Diese Projekte, die dringend notwendig sind, werden wir in jedem Fall realisieren. Das Geld dafür stammt aus dem Infrastrukturförderprogramm des Bundes, das eigens dafür aufgelegt wurde, bereits laufende Vorhaben zu unterstützen. Damit soll die Liquidität der Kommunen verbessert werden. Uns stehen aus dem Programm rund 10,7 Millionen Euro zur Verfügung, die allerdings noch gar nicht komplett angemeldet oder abgerufen worden sind. Es ist also noch Spielraum vorhanden.
Ohnehin klaffen im Haushalt – Stand jetzt – neue Millionenlöcher. Wie sollen die gestopft werden, ohne die Grundsteuer zu erhöhen, was die Mehrheitsfraktionen ja weiterhin ablehnen?
Gute Frage! Wir stellen derzeit den Haushalt auf. Uns geht es wie allen anderen Kommunen im Land. Viele verfügen bis jetzt noch nicht über einen genehmigten Haushalt für das laufende Jahr. Wir müssen nicht nur die Ausgaben-, sondern auch die Einnahmenseite sehr kritisch betrachten. Dabei geht es dann auch um unliebsame Themen und unbequeme Entscheidungen. Die Ergebnisse kann ich nicht voraussagen. Die Haushalte werden jedenfalls nicht einfacher, weshalb bei einem Aktionstag kürzlich alle Kommunen deutlich gemacht haben, dass wir am Limit sind.
Das heißt dann wohl auch, dass wir uns von dem Wunsch nach einem neuen Ganzjahres-Schwimmbad verabschieden müssen?
Das kann ich noch nicht sagen, denn bislang wissen wir ja nicht einmal, was ein solches Bad kosten würde. Wir haben das nötige Geld dafür derzeit nicht, aber es gibt auch Förderprogramme, um die wir uns beworben haben. Ob es klappt, weiß ich nicht. Klar ist, dass wir über Synergien zwischen dem Freibad und dem Hallenbad nachdenken müssen, zumal in beiden Bädern Sanierungsarbeiten anstehen. Eine Stadt wie Bad Hersfeld braucht auf jeden Fall ein Schwimmbad.
Sie selbst haben sich sehr aktiv um die Bekämpfung des Leerstands in der Innenstadt gekümmert. Haben Ihre Bemühungen das erwünschte Ergebnis gebracht?
Man braucht einen langen Atem und muss dranbleiben. Die Stadt kann aber immer nur Mittlerin sein, die unterstützt. Wir haben dazu ein Leerstandsportal im Internet eingerichtet, das gut angenommen wird. Außerdem bin ich mit einem Makler von außerhalb im Kontakt, der uns bei der Suche nach Gewerbemietern unterstützt. Natürlich haben wir Leerstände, das ist nicht schön. Aber für eine Stadt dieser Größenordnung haben wir immer noch viel zu bieten. Es werden aber nicht nur Läden geschlossen, sondern es eröffnen auch neue Geschäfte und Restaurants. Allein die Ansiedlung vom Media-Markt in der City-Galerie wird der Innenstadt neuen Schwung geben.
Der Stadtmarketingverein plädiert weiterhin dafür, einen sogenannten City-Manager einzustellen, der sich um den Kontakt mit Händlern, Immobilienbesitzern, Stadtpolitik und Verwaltung kümmert …
… und genau das machen wir bereits: Wir kümmern uns. Aber manche Aufgaben, können wir dem Handel nicht abnehmen. Wir haben das Immobilienmanagement, das sich um unser Leerstandsportal kümmert. Bei Veranstaltungen muss klar sein, wer den Hut aufhat. Das funktioniert mit dem Stadtmarketingverein hervorragend. Klar ist aber auch, dass die Stadt nicht alles bezahlen kann. Im Winter möchten wir etwa den Weg in die Fußgängerzone mit Herrnhuter Sternen weisen, und da wünsche ich mir, dass sich auch die Geschäftsleute beteiligen. Den roten Teppich für die Festspiele wollte der Stadtmarketingverein von vornherein selbst übernehmen. Uns eint der Wunsch, eine florierende Innenstadt zu haben. Dazu bleiben wir im Gespräch.
Die Bad Hersfelder Festspiele feiern dieses Jahr Geburtstag und haben eine neue Intendantin. Sind Sie mit dem bisherigen Verlauf des Theaterfestivals und den Vorverkaufszahlen zufrieden?
Ich bin sehr zufrieden. Natürlich gab es bei der Auswahl der eher unbekannteren Stücke auch Bedenken, aber die Kritiken sind durchweg positiv. Deshalb ziehen auch die Verkaufszahlen weiterhin an. Ich gehe daher davon aus, dass wir die selbst gesetzten Ziele erreichen. Aber abgerechnet wird zum Schluss.
Sie selbst haben sich aktiv an der Werbung für Lysistrata beteiligt, sind beim Festspielgeburtstag aus der Torte gesprungen und sind auch sonst offenbar sehr eng mit der Intendantin. Gleichzeitig sind Sie als Stadtoberhaupt auch ihre Dienstvorgesetzte. Wie passt das zusammen?
Ich sehe da kein Problem. Auch zu meinen anderen Fachbereichen im Rathaus habe ich ein enges und gutes Verhältnis. Aber natürlich gibt es zuweilen auch Unstimmigkeiten. Ich weiß, dass mir nachgesagt wird, dass ich sehr aufs Geld schaue. Man muss einfach respektvoll miteinander umgehen. Trotzdem sage ich ganz deutlich, wenn ich mit etwas nicht einverstanden bin. Wichtig ist, danach zu einer Einigung zu kommen. Auch bei Elke Hesse sage ich mitnichten zu allem ja und Amen.
Es gibt kaum einen Termin oder eine Veranstaltung in der Stadt, bei der Sie nicht dabei sind. Warum delegieren Sie nicht mehr und konzentrieren sich auf das Wesentliche?
Diese Frage unterstellt, dass ich mich nicht auf das Wesentliche konzentriere. Doch das ist nicht wahr. Natürlich bin ich bei vielen Veranstaltungen dabei. Doch diejenigen, die solch eine Kritik üben, sehen nicht, wann ich abends und an den Wochenenden das Büro verlasse. Mir ist es meist egal, ob ich privat oder als Bürgermeisterin zu Terminen gehe. Es macht mir einfach Spaß. Und auch die Veranstalter und Institutionen freuen sich offenbar über meine Anwesenheit und wollen sogar, dass die Bürgermeisterin persönlich kommt. Es stimmt jedenfalls nicht, dass ich mich um die wichtigen Themen der Stadt nicht ausreichend kümmere.
Nicht nur wir von der Zeitung, sondern auch die politischen Parteien in der Stadt vermissen bei Ihnen die politischen Visionen für die Zukunft der Stadt. Von hier oben hat man einen guten Weitblick: Wo sehen Sie diese Stadt in den nächsten Jahren?
Ich sehe Bad Hersfeld noch stärker als bisher im Bereich Tourismus und Gesundheit. Neben dem Leuchtturm „Festspiele“ können wir uns auch sonst noch viel besser nach außen darstellen. Ich sehe uns künftig stärker im Bereich Gesundheits- und Wander-Tourismus. Und ich glaube auch, dass unsere Stadt schon bald mehr Arbeitsplätze in erheblicher Zahl bieten wird. Dazu bin ich in konkreten Gesprächen mit Investoren. Außerdem sehe ich Bad Hersfeld nicht nur als Arbeitsort, sondern als attraktiven Wohnort, zum Beispiel im Wever-Quartier am Bahnhof, aber auch als Schulstandort und verstärkt noch im Freizeitbereich, wo wir zulegen können. Auch die Nachhaltigkeit und der Klimaschutz sind mir für die Zukunft wichtig. Ich sehe Bad Hersfeld in den nächsten 20 Jahren weiter im Aufwind, dazu wird dann nicht zuletzt auch der ICE-Halt beitragen.
Ihre Amtszeit läuft noch zwei Jahre. Wollen Sie danach noch einmal antreten?
Nach jetzigem Standpunkt: Ja!
Anke Hofmann wurde 1967 in Eschwege geboren und ist in Herleshausen aufgewachsen. Bei der Oberfinanzdirektion in Frankfurt/Main hat sie ein duales Studium zur Diplom-Finanzwirtin absolviert. Danach sammelte sie erste berufliche Erfahrungen in Frankfurt und Eschwege. 1995 wechselte Hofmann nach Bad Hersfeld und arbeitete hier als Standesbeamtin, in der Kämmerei und zuletzt als Leiterin des Doppel-Fachbereichs Immobilien und Finanzen. Seit 2023 ist sie Bürgermeisterin von Bad Hersfeld. Anke Hofmann hat zwei erwachsene Töchter.