Baumann packt über den WM-Wahnsinn aus – selbst sein eigenes Trikot war nicht sicher


Baumann packt über Kommerz-Wahnsinn bei der WM 2026 aus

Stand: 04.08.2026, 13:10 Uhr

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Oliver Baumann erlebte bei der WM kuriose FIFA-Regeln. Jetzt spricht der DFB-Keeper offen über Trikot-Badges, Klimaanlagen und zunehmenden Kommerz.

Seefeld – Für Oliver Baumann endete die Weltmeisterschaft ohne eine einzige Einsatzminute, hinter den Kulissen sammelte der deutsche Nationaltorhüter aber viele ungewöhnliche Eindrücke. Einige Wochen nach dem Turnier berichtet der 36-Jährige von personalisierten Trikot-Badges, die ihm wieder abgenommen wurden, unnötigen Trinkpausen und Klimaanlagen, die aus seiner Sicht sogar den Rasen beschädigten.

Oliver Baumann war als zweiter Torhüter hinter Manuel Neuer bei der WM 2026 mit dem DFB-Team dabei.

Oliver Baumann war als zweiter Torhüter hinter Manuel Neuer bei der WM 2026 mit dem DFB-Team dabei. © picture alliance/dpa | Tom Weller

Die Aussagen machte Baumann im Trainingslager der TSG Hoffenheim im österreichischen Seefeld gegenüber der Bild. Anlass war das inzwischen aufgegebene Vorhaben von FIFA-Präsident Gianni Infantino, private Investoren an den kommerziellen Rechten der Weltmeisterschaft zu beteiligen. Der Torhüter begrüßte das Scheitern der Pläne und warnte davor, den Fußball durch immer neue Vermarktungsideen zu stark zu verändern.

FIFA-Mitarbeiter entfernen Badge von Oliver Baumanns WM-Trikot

Eine für ihn besonders irritierende Situation erlebte Baumann in der deutschen Umkleidekabine. Die Trikots der Spieler waren bei der WM mit kleinen personalisierten Aufnähern versehen. Bei Profis mit längerer Turniererfahrung soll darauf „Legacy“ gestanden haben, Baumann erhielt bei seiner ersten WM nach eigener Erinnerung einen Badge mit der Aufschrift „Debütant“.

Lange durfte er das besondere Erinnerungsstück aber nicht behalten. Nach Baumanns Schilderung kamen Personen in die Kabine und zogen die nur leicht aufgebügelten Aufnäher wieder von den Trikots. Auf seine Nachfrage habe man ihm erklärt, dass damit offenbar zusätzliches Geld verdient werde. Ob und in welcher Form die Badges vermarktet wurden, führte er nicht weiter aus.

Baumann reagierte mit Unverständnis auf den Umgang mit seinem persönlichen DFB-Trikot. „Lasst mein Trikot in Ruhe, ich will das wieder mitnehmen“, habe er sich in diesem Moment gedacht. Gerade für einen Spieler, der erstmals an einer Weltmeisterschaft teilnahm, wäre das Kleidungsstück mit personalisiertem Aufnäher ein besonderes Andenken an das Turnier in den USA, Kanada und Mexiko gewesen.

Oliver Baumann wundert sich über Trinkpausen

Auch bei den Abläufen während der Spiele fehlte Baumann oft die notwendige Flexibilität. Grundsätzlich habe er großes Verständnis für festgelegte Trinkpausen bei extrem hohen Temperaturen. Im klimatisierten Stadion von Houston sei eine solche Unterbrechung nach seiner Darstellung allerdings durchgeführt worden, obwohl im Innenraum lediglich rund 22 Grad geherrscht hätten.

Der Grund sei offenbar gewesen, dass der sogenannte „Hydration Break“ schon im Ablaufplan vorgesehen war. Die äußeren Bedingungen hätten bei der Entscheidung dagegen keine Rolle mehr gespielt. Baumann störte sich nicht an den Trinkpausen an sich, sondern an der starren Umsetzung einer Regel, die in einem vollständig gekühlten Stadion ihren ursprünglichen Zweck zumindest teilweise verloren hatte.

Noch problematischer empfand der Hoffenheimer die Verhältnisse am Finalort im MetLife Stadium in New Jersey. Rund um das Spielfeld seien große Klimageräte aufgestellt worden, um der Hitze entgegenzuwirken. Beim Vorbeilaufen habe man sich durch die kalte Luft fast erkältet, außerdem habe die Kühlung dem Spielfeld sichtbar zugesetzt. Der Rasen sei dadurch „furztrocken“ gewesen. Wegen der Platzverhältnisse hätte er das Stadion nicht als geeigneten Ort für das WM-Finale zwischen Spanien und Argentinien betrachtet.

Oliver Baumann warnt vor zunehmendem Kommerz im Fußball

Baumanns Kritik erhält durch die jüngsten Vorgänge innerhalb der FIFA zusätzliche Brisanz. Infantino wollte rund 20 Prozent einer neuen Gesellschaft, die unter anderem die kommerziellen Rechte an FIFA-Turnieren verwalten sollte, an private Investoren verkaufen. Der Weltverband hätte damit laut übereinstimmenden Berichten bis zu 4,2 Milliarden US-Dollar einnehmen können.

Nach massivem Widerstand unter anderem von UEFA, CONCACAF und dem asiatischen Fußballverband gab die FIFA das Vorhaben Ende Juli wieder auf. Baumann begrüßte diese Entscheidung klar. Der Fußball lebe von seinen Emotionen und dem eigentlichen Spiel, betonte der Nationaltorhüter. Diese Grundlage dürfe durch die fortschreitende Kommerzialisierung nicht verloren gehen.

„Lasst uns den Fußball doch bitte den Fußball sein lassen“, appellierte Baumann an die Verantwortlichen. Der 36-Jährige fürchtet, dass selbst die Fans irgendwann die Lust verlieren könnten, wenn der Sport immer weiter verändert werde. Die Erlebnisse mit seinem Trikot und den starren organisatorischen Vorgaben haben seine Zweifel an der Entwicklung wohl verstärkt. (luh)