Urlaub: Winz-Insel benennt sich einfach um – deshalb hat keiner etwas dagegen


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Mit etwa 12.000 Einwohnerinnen und Einwohnern auf gerade mal 21 Quadratkilometern ist Nauru einer der kleinsten Staaten der Welt – und dennoch schafft es das Land derzeit in die weltweiten Nachrichten. Der Grund liegt darin, dass Nauru sich offiziell in Naoero umbenannt hat. Warum das geschieht? Es habe nichts mit Politik zu tun, sondern damit, „das Vermächtnis unserer Ahnen und die Zukunft unserer Kinder zu sichern“, sagt Präsident David Adeang.

Adeang brachte diesen Vorschlag bereits im Januar vor dem Parlament ein. Im Mai beschlossen die Abgeordneten einstimmig die entsprechende Verfassungsänderung – überraschenderweise ohne das ursprünglich geplante Referendum. Schon Ende Juni meldete Nauru seinen neuen Namen den Vereinten Nationen, und Ende Juli kündigte die Regierung die Umbenennung dann öffentlich an.

Der Name „Nauru“ war einst entstanden, weil europäische Siedler den echten Namen der Insel nicht aussprechen konnten. „Der Name wurde nicht nach unserem Wunsch verändert, sondern, weil es für andere einfacher war“, hieß es in einer offiziellen Erklärung der Regierung.

Namensänderung für Kolonialherren: Konnten „Naoero“ nicht aussprechen

Dass die Insel überhaupt Nauru hieß, lag daran, dass die Kolonisatoren den Namen änderten, weil sie Schwierigkeiten hatten, „Naoero“ richtig auszusprechen. Das Deutsche Reich hatte die Insel 1888 unter seine Kontrolle gebracht, danach übernahm Australien die Verwaltung im Namen des Völkerbunds, und während des Zweiten Weltkrieges besetzten die Japaner das Eiland. Über viele Jahrzehnte hinweg entschieden also fremde Mächte darüber, welchen Namen die Insel international tragen sollte. Mit der Rückkehr zu Naoero – ausgesprochen etwa „nah-oh-EH-roh“ – kehrt der Pazifikstaat also zu seinem eigentlichen Namen zurück.

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Dass gerade Naoero sich derart eingehend mit seiner eigenen Identität auseinandersetzt, lässt sich auch auf die Vergangenheit des Landes zurückführen. In den 1970er Jahren zählte die Insel aufgrund ihrer Phosphatreserven gemessen am Pro-Kopf-Einkommen zu den wohlhabendsten Nationen weltweit. Der Abbau dieses Rohstoffs führte aber zu einer zerklüfteten, kaum nutzbaren Landschaft und zu einem Staat, der mittlerweile selbst Trinkwasser und Nahrungsmittel einführen muss. Seitdem wird die Insel von vielen als warnendes Beispiel betrachtet, das zeigt, wie problematisch es sein kann, sich wirtschaftlich auf einen einzelnen Rohstoff zu beschränken.

Menen Hotel and Anibare Bay, Meneng District, Nauru

Naoero gilt als ruhig, ursprünglich und gehört zu den wenig besuchten Ländern der Welt.© iStock | istock

Dazu gesellt sich der ansteigende Meeresspiegel, der den niedrig gelegenen Inselstaat erheblich gefährdet. Diese Situation kommentierten auch Social-Media-Nutzer spöttisch: Während manche über die Kosten für neues Briefpapier spotteten, konterte ein anderer sarkastisch, der Namenswechsel sei gut angelegtes Geld – schließlich stehe die Insel ohnehin bald unter Wasser.

Auch diese Länder änderten ihren Namen: Experte nennt Gründe

Naoero ist mit seiner Namensänderung übrigens nicht alleine. Aus Ceylon entstand Sri Lanka, Swasiland wurde zu Eswatini umbenannt, und die Türkei setzt sich seit 2023 international für die Schreibweise Türkiye ein. Namen seien „eine zentrale Quelle nationalen Stolzes“, sagte der Geografieprofessor Derek Alderman von der University of Tennessee einst im Interview mit der „New York Times“. Namensänderungen seien ein Instrument, um Legitimität, Geschichte und Kultur eines Landes auf der Weltbühne neu zu behaupten.

Tamil women plucking tea leaves on plantation, Ceylon

Nicht nur Naoero hat sich umbenannt. Es finden sich reichlich Beispiele von Namensveränderungen, zum Beispiel wurde aus Ceylon Sri Lanka. © iStock | istock

„The Interpreter“, das Onlinemagazin des australischen Thinktanks Lowy Institute, kommentierte in einem Beitrag, dass sich inzwischen etliche Länder „in bemerkenswert kurzer Abfolge“ umbenennen würden. In dem Artikel werden Türkiye, Tschechien, Nordmazedonien und der umstrittene Sanskrit-Name „Bharat“ für Indien genannt. Die Gründe dafür würden erheblich variieren und von unverhülltem Nationalismus bis zum Bruch mit kolonialen Hinterlassenschaften reichen. Laut der Autorin seien die Namensänderungen jedoch unweigerlich „politisch“ gefärbt.

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Tatsächlich zeigen einige Beispiele, dass es weniger um Identitätsfragen geht, als um geschickte Außenpolitik: Als Nordmazedonien 2018 seinen Namenszusatz annahm, verfolgte es damit hauptsächlich das Ziel, Nato-Mitglied zu werden und gleichzeitig seinen Streit mit Griechenland über das makedonische Erbe beizulegen. Wiederum andere Namensänderungen schlagen mit erheblichen Kosten zu Buche. Eswatini etwa zahlte laut der Denkfabrik etwa sechs Millionen US-Dollar dafür, sich vom kolonialen Namen Swasiland zu befreien – eine stattliche Summe für einen Staat, in dem das durchschnittliche Jahreseinkommen pro Kopf gerade mal etwa 4000 Dollar beträgt.

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Unklar bleibt, ob sich Naoero weltweit durchsetzen wird. Türkiye und Eswatini sind gute Beispiele dafür, dass es bei Namenswechseln von Staaten häufig Jahre oder sogar Jahrzehnte dauert, bis Kartografen, Behörden und Medienunternehmen international folgen. Indiens angestrebte Umbenennung zu Bharat liegt momentan auf Eis – vor allem deshalb, weil das Land dafür eine Zweidrittelmehrheit in beiden Parlamentskammern bräuchte.