Ist ein gebrauchter Marco Polo besser als ein Bulli? Der Check!


Gebrauchtwagen-Test: Mercedes Marco Polo

Baut Mercedes den besseren Camper?

Mercedes V-Klasse Marco Polo Facelift !! SPERRFRIST 31. Januar 2019 15 Uhr !!

Der Mercedes Marco Polo wollte nie bloß ein VW-California-Konkurrent sein. Mit edlem Ambiente, Pkw-Komfort und cleverem Campingausbau setzte er eigene Akzente. Doch wie schlägt sich der Stern-Camper heute als Gebrauchter?

Bild: Daimler AG

29. Juli 2026, 08:32 Uhr

Eine echte Kampfansage war die komplett neu konstruierte Generation des

Mercedes Marco Polo

bei ihrem Stapellauf. Der 5,14 Meter lange

Camper

sollte von Anfang an mehr sein als ein schwäbischer California-Klon. Bereits bei seiner Vorstellung umwehte den kompakten Camper teils eine kräftige Business-Class-Note.

Für die 2015 eingeführte Generation des

Marco Polo

schnürte Mercedes zusammen mit Westfalia verschiedene ausgewogene Ausstattungslinien. Die Basis "Activity" wirkt recht robust, baut auf dem

Vito

auf. Die feineren Varianten nutzen die

V-Klasse

als Basis.

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Rechtliche Anmerkungen

* Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und zu den offiziellen spezifischen CO2-Emissionen und gegebenenfalls zum Stromverbrauch neuer Pkw können dem "Leitfaden über den offiziellen Kraftstoffverbrauch" entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der "Deutschen Automobil Treuhand GmbH" unentgeltlich erhältlich ist www.dat.de.

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In Summe blieb die Baureihe ein stets kostspieliges, aber verführerisches Angebot für Reisemobilisten mit gehobenen Ansprüchen. Wer sich heute für einen gebrauchten Marco Polo aus der bis 2019 gebauten ersten Serie der Baureihe 447 interessiert, sucht kein rollendes Ferienhaus mit Stehhöhe und sperrigem Alkoven, sondern ein stilvolles Mini-Apartment, das souverän Stadtverkehr, Landpartie und Urlaubslangstrecke samt Campingeinsatz unter einen Hut bekommt. Doch wie schlägt sich solch ein Marco Polo mit ein paar Jahren auf dem Buckel und sechsstelligem Kilometerstand?

Auch nach sieben Jahren steht der Marco Polo noch solide da

Das ist er: Charakteristisch ist die noble, zugleich unaufgeregte Art. In Wagenfarbe lackierte Stoßfänger, fette 19-Zoll-Leichtmetallräder und ein geschmackvolles Farbprogramm machen unseren Testwagen zu einer coolen Alternative zur Oberklasse-Limousine oder dem XL-SUV, was die oft recht geringe Camper-Nutzungsquote erklärt. Das Schlafhubdach bleibt eingeklappt tiefgaragentauglich, alles wirkt wie aus einem Guss.

Mercedes V 250 d Marco Polo Edition

Luftiger Fond im Loungestil als edles Sitz- und Wohnabteil.

Bild: AUTO BILD/Tom Salt

Erfreulich ist die solide Gesamtanmutung. Ein Eindruck, der sich auch nach knapp sieben Jahren bei unserem gut 127.000 Kilometer gelaufenen Gebrauchten bestätigt. Rost ist, im Gegensatz zu den mäßig konservierten Vorgängern, eher selten und bei ungepflegten oder zuvor beschädigten Fahrzeugen ein Thema. Die Stärke des Marco Polo ist und bleibt sein Ambiente. Er ist edel wie eine Lounge, in manchem Detail dekadent. Robuste Oberflächen, aufwendige umlaufende Metallgriffkanten, eine Ambientebeleuchtung sowie eine Küchenzeile in Klavierlackoptik heben ihn deutlich vom rustikalen Charme ausgebauter Kleintransporter ab.

Technische Daten

Technische Daten

V 200 d

V 250 d

V 250 d 4Matic

Motor

Vierzylinder/vorn längs

Vierzylinder/vorn längs

Vierzylinder/vorn längs

Ventile/Nockenwellen

4 pro Zylinder/2

4 pro Zylinder/2

4 pro Zylinder/2

Hubraum

2143 cm³

2143 cm³

2143 cm³

Leistung

100 kW (136 PS) bei 3800/min

140 kW (190 PS) bei 3800/min

140 kW (190 PS) bei 3800/min

Drehmoment

330 Nm bei 1200/min

440 Nm bei 1400/min

440 Nm bei 1400/min

Höchstgeschwindigkeit

182 km/h

200 km/h

199 km/h

0-100 km/h

15,5 s

10,9 s

11,9 s

Tank/Kraftstoff

57 l/Diesel

57 l/Diesel

70 l/Diesel

Getriebe/Antrieb

Sechsgang man./Hinterrad

Siebenstufenautomatik/Hinterrad

Siebenstufenautomatik/Allrad

Länge/Breite/Höhe

5140/1928/1980 mm

5140/1928/1980 mm

5140/1928/1980 mm

Kofferraumvolumen

ab 670 l

ab 670 l

ab 670 l

Leergewicht/Zuladung

2385/715 kg

2440/660 kg

2490/610 kg

Anhängelast (gebremst/ungebremst)

2000, 2500/750 kg

2000, 2500/750 kg

2000, 2500/750 kg

Maximal vierköpfige Familien finden Platz

Das hat er: Der Kern des Marco-Polo-Konzepts ist der variable Innenraum, der auf Paare und maximal vierköpfige Familien zugeschnitten ist. An Bord ist ein Küchenblock mit einem zweiflammigen Gaskochfeld, 40-Liter-Kompressorkühlfach sowie Spüle mit Frisch- und Abwassertank (38 und 40 Liter). Dazu gibt es Stauräume in diversen Seiten und Unterschränken sowie Schubladen. Alle Einbauten klappern selbst auf welligen, geflickten Nebenstraßen wenig, Mercedes und Westfalia haben solide Arbeit geleistet.

Mercedes V 250 d Marco Polo Edition

Der Zustand der elektrisch absenkbaren Rückbank ist stark abhängig von der Vornutzung.

Bild: AUTO BILD/Tom Salt

Geschlafen wird auf zwei Ebenen: Die serienmäßige Schlaffunktion umfasst eine schienengeführte zweigeteilte Rückbank mit langsamen, aber elektrisch absenkbaren Lehnen für eine 1,93 x 1,13 Meter große Liegewiese sowie ein Schlafdach mit 2,05 x 1,13 Meter großer Liegefläche auf Tellerfedern. Das ergibt zwei vollwertige Schlafplätze für Erwachsene und zwei weitere Plätze für zwei Kinder oder Jugendliche.

Bildergalerie

Mercedes V 250 d Marco Polo Edition

Mercedes V 250 d Marco Polo Edition

Mercedes V 250 d Marco Polo Edition

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Mercedes Marco Polo im Gebrauchtwagen-Test

Goodies wie Standheizung, Ambientebeleuchtung, Steckdosen und USB-Ports, Strom und Duschanschluss außen sowie ein schienengelagerter Tisch komplettieren je nach Konfiguration das alltagstaugliche Büro- und Reisemobilkonzept.

Der Marco Polo fährt sich wie ein großer Van

So fährt er: Geschmeidig. Was den Marco Polo endgültig vom reinen Campingbus zum vollwertigen Reisemobil mit Pkw-Gefühl erhebt, ist sein Fahrverhalten. Passend ist der 2,1 Liter große Vierzylinder-Common-Rail-Diesel. Er läuft kultiviert und durchzugsstark, wirkt auch unter Last wenig angestrengt und erfüllt die Abgasnorm Euro 6. Die Automatik sorgt, wenn ihr Öl nicht verschlissen ist, für sanfte Schaltvorgänge und harmoniert mit dem bulligen Drehmomentverlauf des Diesels.

Wer einen jüngeren Marco Polo (ab 2019) findet, trifft häufig auf den neueren OM 654. Der modernere Diesel läuft kultivierter und genügt auch auf langen Etappen hohen Ansprüchen an Effizienz und Reisekomfort. Die Kehrseite ist ein deutlich höherer technischer Aufwand rund um die Abgasreinigung. Ärger entsteht daher eher im Umfeld von Sensorik und Emissionskontrolle als am Motor selbst. Unter dem Strich zählt der OM 654 dennoch zu den empfehlenswerten Antrieben der Baureihe.

Mercedes V 250 d Marco Polo Edition

Mit optionalem Sportfahrwerk und Breitreifen gibt der Marco Polo eine erstaunlich agile Vorstellung ab.

Bild: AUTO BILD/Tom Salt

Wer viel auf Langstrecken unterwegs ist, schätzt die ordentliche Dämmung und das moderne LED-Licht. Der Marco Polo fährt sich wie ein großer Van, taugt auch als Zugfahrzeug für größere Pferdeanhänger und Caravans. Allerdings ist die Bodenfreiheit eingeschränkt. Seitenwind kann bauartbedingt spürbar sein, Mercedes bot einen Seitenwind-Assistenten. Der Dieselverbrauch liegt je nach Fahrweise zwischen sieben und zehn Litern auf 100 Kilometer.

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Deutlich rostresistenter als seine Vorgänger

Das macht Ärger: Mercedes bot zwei Jahre Neuwagengarantie und 30 Jahre Durchrostungsschutzgarantie. Der OM-651-Diesel zeigt bei hohen Laufleistungen teils Injektorprobleme und verkokte AGR-Ventile. Die Steuerkette ist ab 200.000 Kilometern teils gelängt, viel Kurzstrecke setzt dem Diesel-Partikelfilter zu. Lager des Fahrwerks können bei höheren Laufleistungen besonders an der Hinterachse verschlissen sein. Schlecht laminierte Hubdächer (Blasenbildung) und undichte Glasdächer über dem Fahrerhaus machten in der Vergangenheit häufiger Ärger. Es gab einen KBA-Rückruf wegen Problemen mit der Zusatzbatterie.

Bei beiden Dieselmotoren (OM651 und OM655) können im Alter Probleme mit der AdBlue-Abgasnachbehandlung auftreten. Zu den bekannten Fehlerquellen zählen NOx-Sensoren (teuer!), AdBlue-Dosierung und Komponenten des SCR-Systems. Entsprechende Warnmeldungen im Kombiinstrument sollten ernst genommen werden, da sie im Extremfall einen Liegenbleiber verursachen können.

Preise starten bei ca. 35.000 Euro

Das kostet er: Wer einen Marco Polo sucht, sollte genau hinschauen: Die günstigsten Angebote um 35.000 bis 40.000 Euro betreffen meist Activity- oder Horizon-Varianten mit Aufstelldach, aber ohne die komplette Camping-Einrichtung. Für einen Marco Polo mit Küche, Schränken und vollwertigem Camper-Ausbau werden in der Regel mehr als 40.000 Euro fällig. Attraktive Fahrzeuge mit starker Motorisierung, Allradantrieb oder überschaubarer Laufleistung kosten oftmals deutlich mehr. Für maximal drei Jahre alte Marco Polo mit maximal 50.000 km Laufleistung werden schon mindestens 60.000 Euro fällig.

Günstig war der Marco Polo nie – und billig wird er wohl auch nicht mehr. Die Baureihe zählt zu den wertstabilsten Vertretern ihrer Klasse, weshalb selbst ältere Fahrzeuge mit hohen Laufleistungen noch erstaunlich hohe Preise erzielen. Für Käufer ist das Fluch und Segen zugleich: Der Einstieg bleibt teuer, der weitere Wertverlust dürfte sich jedoch in Grenzen halten.

Unterhaltskosten

Unterhaltskosten

Testverbrauch

8,0 l D/100 km

CO2 gem. NEFZ-Zyklus

184 g/km

Inspektion

400-1100 Euro

Haftpflicht*

477 Euro

Teilkasko*

998 Euro

Vollkasko*

2296 Euro

Kfz-Steuer (Euro 6)

220 Euro

Ersatzteilpreise*

Ersatzteilpreise*

Lichtmaschine (AT)

1374 Euro

Anlasser (AT)

1020 Euro

Wasserpumpe

679 Euro

Zahnriemen

entf., Steuerkette

Nachschalldämpfer

499 Euro

Kotflügel vorn links, lackiert

1310 Euro

Bremsscheiben und -klötze v.

ab 595 Euro

Infotainmentbildschirm

ab 875 Euro

4 Sommerreifen (Dimension 245/45 R 19 Y)

1200 Euro

Der Mercedes Marco Polo ist recht robust, durchdacht und wertstabil. Er ist ein Premium-Camper mit Westfalia-Knowhow. Sein Pkw-Fahrgefühl erleichtert den Alltag.

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