Rechtsstreit in den USA: Bayer ringt um Roundup-Milliardenvergleich


Im US-Rechtsstreit um den Unkrautvernichter Roundup hat sich das zuständige Gericht im Bundesstaat Missouri am Montag mit dem vorgeschlagenen Sammelvergleich von Bayer befasst. Die Bayer-Tochter Monsanto ​forderte dabei den Richter auf, den vorgeschlagenen Vergleich in Höhe von 7,25 Milliarden Dollar zu genehmigen. Das Unternehmen erklärte, es gebe keinen anderen Weg, ‌den Rechtsstreit beizulegen. Mit der Einigung will der Agrar- und Pharmakonzern Zehntausende Klagen wegen angeblicher Krebsrisiken durch das glyphosathaltige Mittel beilegen. Eine sofortige Entscheidung wurde nicht erwartet.

Richter Timothy Boyer hatte den Vergleich im März bereits vorläufig genehmigt. Bei der Anhörung in St. Louis sollten auch Kritiker zu Wort kommen. Einige Klägeranwälte argumentieren, die Summe sei zu gering und die Vereinbarung benachteilige ihre Mandanten. Befürworter ​sehen in dem Vergleich dagegen den besten Weg zu einer sicheren Entschädigung. Der Plan sieht vor, dass Bayer über bis ⁠zu 21 Jahre ⁠maximal 7,25 Milliarden Dollar zahlt. Betroffene sollen je nach Schwere der Erkrankung, Alter bei der Diagnose und Art der Nutzung zwischen 10.000 und 165.000 Dollar erhalten. Wie viele Kläger sich von dem Vergleich ausnehmen lassen, steht dem ‌Konzern zufolge noch nicht fest.

Die Anhörung war zuletzt verschoben worden. Bayer und ​die den Vergleich unterstützenden Klägeranwälte ‌hatten um mehr Zeit gebeten, um Anträge auf den Widerruf von Ausstiegserklärungen zu bearbeiten. Hintergrund war ein entscheidender juristischer Sieg für Bayer von Ende Juni: Der Oberste Gerichtshof der USA hatte geurteilt, dass bei Warnhinweisen auf Pestiziden das Bundesrecht Vorrang vor den Gesetzen der einzelnen Bundesstaaten hat. Damit entzogen die Richter ‌Tausenden US-Klagen die rechtliche Grundlage. Für darüber hinausgehende Ansprüche hätten die Kläger bislang keine ausreichenden Beweise vorgelegt, erklärte Bayer.

Für Konzernchef Bill Anderson (60) ist die Einigung ein zentraler Baustein, um die juristischen Altlasten hinter ‌sich zu lassen. Das Leverkusener Unternehmen hatte sich ​diese 2018 mit der 63 Milliarden Dollar teuren Übernahme ‌des US-Saatgut- und Glyphosatentwicklers Monsanto eingehandelt. Bereits 2020 hatte Bayer einen Vergleich über ‌zehn Milliarden Dollar ​vereinbart, um einen Großteil der bis dahin anhängigen Klagen beizulegen. Eine Einigung über künftige Krankheitsfälle scheiterte damals aber.

Die Vorwürfe gegen Glyphosat hatte Bayer ​stets zurückgewiesen und auf Bewertungen von Regulierungsbehörden wie der US-Umweltschutzbehörde EPA ⁠verwiesen, die den Wirkstoff als nicht krebserregend ​einstufen. Die ​Kläger stützen sich indes auf die Krebsforschungsagentur IARC der Weltgesundheitsorganisation, die den Wirkstoff 2015 als „wahrscheinlich krebserregend“ bewertet hatte.