Bayreuther Festspiele eröffnet: Wagner-Urenkelin zeigt zum Jubiläum klare Kante gegen rechts


Bayreuther Festspiele eröffnetWagner-Urenkelin zeigt zum Jubiläum klare Kante gegen rechts

26.07.2026, 11:35 Uhr

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Ministerpräsident Markus Söder passt das Mikrofon für Katharina Wagner an. (Foto: picture alliance/dpa)

Die Eröffnung der Bayreuther Festspiele läuft anders als üblich ab: Zum 150-jährigen Bestehen stellt sich die Leiterin Katharina Wagner deutlich gegen den Rechtsruck im Land. Bundeskanzler Merz setzt sich in seinem Grußwort mit Wagners Antisemitismus auseinander.

Zu ihrem 150-jährigen Bestehen stellen die Bayreuther Festspiele sich entschieden gegen einen Rechtsruck in Politik und Gesellschaft. Es gehe darum, "hier Nein zu sagen" gegen Rassismus, Chauvinismus und eine Verharmlosung der Geschichte, sagte Festspiel-Leiterin Katharina Wagner beim Festakt zum Jubiläum. Dies gelte vor allem "wegen der sehr persönlichen Verknüpfung" ihrer Familie mit dem NS-Regime unter Adolf Hitler. "Die Bayreuther Festspiele waren nie losgelöst von ihrer Zeit", sagte die Urenkelin des Komponisten und Festspiel-Gründers Richard Wagner. Darum sei das Jubiläum "weit mehr als ein Anlass, zu feiern". Ziel müsse es sein, "die Tradition ernst zu nehmen, ohne sie zu verklären" - "damit die Zukunft nicht erneut in der Finsternis der Vergangenheit endet".

Anders als sonst gab es zur Festspieleröffnung im Jubiläumsjahr keine Inszenierung einer Wagner-Oper, sondern eine Aufführung von Beethovens 9. Symphonie. Die musikalische Leitung hatte Dirigent Christian Thielemann. Das Werk spielte nach Angaben der Stadt Bayreuth im Leben Richard Wagners eine besondere Rolle und wurde etwa bei der Grundsteinlegung des Festspielhauses gespielt. Mit der Jubiläumsspielzeit erinnern die Bayreuther Festspiele an ihre Gründung im Jahr 1876, als Richard Wagner im eigens errichteten Festspielhaus erstmals den vollständigen "Ring des Nibelungen" aufführen ließ und damit Musikgeschichte schrieb.

Auch Bundeskanzler Friedrich Merz erinnerte in seinem Grußwort an die dunkle Seite der Festspielgeschichte und auch Wagners selbst, dessen Antisemitismus immer wieder Anlass zu einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Komponisten gibt. Er zitierte Thomas Mann und empfahl, Wagners Musik zu "genießen, aber nicht ohne Misstrauen". "Canceln ist jedenfalls auch hier keine Lösung", sagte Merz. Besser sei eine kritische Auseinandersetzung, wie sie bei den Bayreuther Festspielen geschehe: "Spät, aber es ist geschehen."

Ähnlich äußerte sich Bayerns Kunstminister Markus Blume. Auch er wies auf die ambivalente Geschichte der Festspiele hin: "150 Jahre Bayreuther Festspiele erzählen von den größten Sternstunden der Oper und sie erzählen von den dunkelsten Kapiteln deutscher Geschichte - beides gehört untrennbar zu Bayreuth", erklärte Blume. Richard Wagner sei "ein musikalisches Genie, zugleich aber ein erbitterter Antisemit" gewesen. "Sein antisemitisches Denken ging in Teilen weit über die Vorurteile seiner Zeit hinaus", erklärte Blume. "Bei aller Bewunderung für sein Werk dürfen wir davor niemals die Augen verschließen."

Viel Politik-Prominenz

Vor dem Festakt und Christian Thielemanns gefeiertem Dirigat von Ludwig van Beethovens 9. Symphonie war erstmal alles so, wie man es von Bayreuth gewohnt ist: Der rote Teppich vor dem Festspielhaus bot der Prominenz die Möglichkeit zum Schaulaufen: Kanzler Merz, der mit seiner Frau Charlotte zum Portal schritt, hatte die Möglichkeit, die jüngsten Turbulenzen um den Umbau seines Kabinetts hinter sich zu lassen – zumindest kurz. Ex-Kanzlerin Merkel war es, die den größten Applaus der Zaungäste bekam und auch im Festspielhaus brannte großer Applaus auf, als ihr Name genannt wurde. Sie und ihr Mann Joachim Sauer sind seit vielen Jahren Stammgäste am Grünen Hügel in Bayreuth. Die Politik dominierte auf dem roten Teppich. Auch Thüringens Regierungschef Mario Voigt und Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir waren dabei. Zudem waren die neue Kanzleramtschefin Nina Warken und Philipp Amthor, der neue Bund-Länder-Koordinator im Kanzleramt, zu Gast.

Aus der Film- und Fernsehbranche waren etwa Moderator Florian Silbereisen, Ex-"Tatort"-Schauspieler Udo Wachtveitl und TV-Koch Alexander Herrmann nach Bayreuth gereist. Letzterer hatte aber nur eine kurze Anreise, er betreibt im nahen Wirsberg sein Stammhaus.

Die Bayreuther Festspiele dauern vom 24. Juli bis zum 26. August.

Quelle: ntv.de, raf/dpa/AFP