Mit Verboten gegen Wasserknappheit


Gemüsebeete in einem Schrebergarten.

Reportage

Trockenheit in Brandenburg Sperrstunde für die Gießkanne

Stand: 26.07.2026 • 11:34 Uhr

Wasserentnahme untersagt, Bewässerung begrenzt: Wegen Trockenheit gelten in Brandenburg teils strenge Regeln. Privatleute müssen sich anpassen - auch im Kleingartenverein.

Mirja Fiedler

"Wir haben auf dieser Strecke da hinten Johannisbeeren, Stachelbeeren und so weiter." Jutta Jachmann zeigt stolz ihren Kleingarten in Brandenburg an der Havel. Gemeinsam mit ihrem Mann Bernd Jachmann baut die Rentnerin dort Obst und Gemüse an.

Aber die beiden spüren den Klimawandel. "Die Ernte war weniger", erzählt Jutta Jachmann. Die Pflanzen hätten nicht genug Wasser bekommen. Seit der vergangenen Woche dürfen die Kleingärtner im Verein "Sommerfreude 2" nur zwischen 18 und 8 Uhr gießen. "Es macht ja auch Sinn", sagt Bernd Jachmann. "Am Tage verbrennt ja gleich alles."

Bis Ende August wird Wasser rationiert

Temperaturen an die 40 Grad Celsius machen auch den Nachbarn im Kleingarten zu schaffen - trotz Whirlpools. "Der Mensch freut sich, ist zur Abkühlung", erklärt Frank Teichelmann. Ihre Pools füllten sie nur einmal pro Saison, erzählen die Kleingärtner.

Die Stadt rationiert das Wasser nämlich bis Ende August rigoros. "Ich habe schon Verständnis dafür", sagt Teichelmann. Das Problem mit Wasser existiere weltweit. "Bei manchen ist es noch schlimmer." Seine Frau Ingrid Teichelmann stimmt ihm zu: "Die Wassermenge wird ja immer weniger überall in den Seen."

Stadt lässt Wasserstände regelmäßig überprüfen

Das Problem: Der Grundwasserspiegel sinkt. Selbst die Havel führt momentan weniger Wasser. "Man sieht einfach wirklich an der Stelle, wie das Wasser schon heruntergegangen ist", sagt Brandenburgs Bürgermeister Michael Müller, der auf die Spundwände an der Havel zeigt. "Das ist ein gutes Bild für diejenigen, die sagen: 'Mensch, es ist doch alles grün.'"

Die Stadt Brandenburg an der Havel hat Eigentümern und Anliegern bis 31. August verboten, Wasser aus oberirdischen Gewässern wie Flüssen, Seen, Teichen und Gräben abzupumpen oder abzuleiten. Private Grün- und Gartenflächen dürfen nur zwischen 18 und 8 Uhr bewässert werden.

Auch andere Städte und Landkreise haben über den Sommer verboten, Wasser für bestimmte Zwecke zu nutzen. In München dürfen Privatleute weder Pools füllen, Rasen sprengen noch Wasser aus Seen und Flüssen abpumpen. Wer dagegen verstößt, dem droht ein Bußgeld von bis zu 50.000 Euro. Das gilt auch in Potsdam für Bürger, die Wasser bis zum 1. Oktober 2026 aus Seen, Flüssen und Gräben holen.

Bürgermeister lässt Wasserstände regelmäßig überprüfen

"Hintergrund sind die anhaltend niedrigen Wasserstände in den Gewässern infolge langanhaltender Trockenheit", erklärt die Stadt Potsdam. "Die Wasserdefizite können in den Wintermonaten nicht mehr vollständig ausgeglichen werden." Außerdem verschärfe der Klimawandel die Situation, weil Temperaturen und Verdunstung steigen.

Genau das beobachtet auch Brandenburgs Bürgermeister, der an der Havel weiße Sneaker trägt. "Ich stehe ja jetzt hier, wo normalerweise eigentlich Wasser ist, und Gummistiefel habe ich nicht an." Der Bürgermeister lässt die Wasserstände regelmäßig messen. "Auch wenn die Bäume hier alle sehr grün sind, ist der Blick trügerisch", sagt Müller. "Man sieht es in vielen Bereichen, dass auch Bäume schon vertrocknen."

Bewässerung tagsüber wird zur Ausnahme

Damit die Eschen vor dem Rathaus die Hitze überleben, dürfen Landschaftsgärtner sie im Sommer auch tagsüber versorgen. Eine Ausnahme im Auftrag der Stadt. "Die leiden schon sehr", erklärt Landschaftsgärtnerin Andrea Kahn. "Manche Bäume muss man jede Woche wässern, damit die das überhaupt aushalten, weil einfach ganz unten im Boden teilweise keine Feuchtigkeit mehr da ist."

Bis zu 130 Liter spritzt sie in die Säcke, die um die Bäume gewickelt sind. Über Drainagen soll das Wasser zu den Wurzeln vordringen. Bäume und weniger versiegelte Flächen sorgten auch für ein angenehmeres Klima in der Stadt, ergänzt der Bürgermeister.

Landschaftsgärtnerin Andrea Kahn spritzt bis zu 130 Liter Wasser in die Säcke der Bäume.

"Es ist unheimlich"

Auch die Kleingärtner merken, dass der Sommer sich wandelt. "Es ist unheimlich", erzählt Ingrid Teichelmann. "Also früher hatten wir immer so 25, 26 Grad bis 27 und jetzt ist es ja schon über 30, manchmal 40 Grad." Das sieht auch ihr Mann so. "Wärmer sollte es nicht mehr werden", meint Frank Teichelmann und weist auf Hitzetote in Frankreich hin. "Dann haben wir hier Probleme."

Ihre Nachbarn Jutta und Bernd Jachmann passen sich an. Salat, Schlangengurken und Tomaten halten der Hitze in ihrem Garten nicht stand - selbst im Gewächshaus. "Es funktioniert nicht, weil der Klimawandel sich geändert hat und das eigentlich viel zu heiß ist", sagt Jutta Jachmann. "Wenn heiß, dann ist es richtig heiß. Dann ist es wie durchgekocht. Und wer das liebt, ist der Wein."

Ihre Weinreben sind widerstandsfähiger gegen die Trockenheit. Aber auch sie brauchen Wasser, um zu wachsen. "Das geht jetzt richtig gut los. Hier ist überall immer welcher zwischen", erzählt die Kleingärtnerin, während sie durch ihre Weinreben schaut. "Aber das ist jetzt das erste Jahr. Na, mal schauen, wie das wird."