Bei 120 km/h aus Zug gestürzt: Bahn-Sicherheitsmann bangt nach Gerangel mit Fahrgast um sein Leben
Stand: 18.07.2026, 17:54 Uhr
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Ein Fahrgast provoziert offenbar im Zug eine Auseinandersetzung mit einem Sicherheitsmann. Dann öffnet sich bei voller Fahrt eine der Türen.
Karlsruhe – Eine Auseinandersetzung in einem Regionalzug hatte am Freitagabend (17. Juli) fatale Folgen für einen Mitarbeiter der DB-Sicherheit. Der 26-jährige Bulgare stürzte nach Angaben der Staatsanwaltschaft Karlsruhe und des Polizeipräsidiums Karlsruhe bei voller Fahrt aus dem Zug und erlitt lebensgefährliche Verletzungen. Das Unglück ereignete sich auf Höhe von Ettlingen-Bruchhausen.

Seinen Anfang nahm das Drama demnach gegen 19.35 Uhr, als Fahrscheinprüfer auf der Bahnstrecke zwischen Offenburg und Karlsruhe auf einen 36-jährigen deutschen Fahrgast trafen. Es sei zu einem verbalen Streit im Zusammenhang mit der Kontrolle gekommen. Daher wurden demnach zwei Mitarbeiter der DB-Sicherheit hinzugerufen. Diese seien von dem mutmaßlich alkoholisierten Mann beleidigt worden.
Bahn-Sicherheitsmann stürzt aus Zug: Fahrgast festgenommen - Schwerverletzter an Gleisen gefunden
In der Folge gerieten der 26-Jährige und der 36-Jährige aneinander, während eines Gerangels seien beide zu Boden gegangen. Aus bislang ungeklärter Ursache öffnete sich dem Bericht zufolge die Tür und der Sicherheitsmann stürzte aus dem Zug. Der Fahrgast wurde von alarmierten Einsatzkräften noch im Zug vorläufig festgenommen. Am Tag darauf beantragte die Staatsanwaltschaft einen Haftbefehl.
Polizisten stießen bei einer umfangreichen Suche auf den 26-Jährigen, der sich etwa zwei Kilometer hinter dem späteren Halteort des Zuges im Bereich der Gleise befunden habe. Er wurde von Rettungskräften in ein Krankenhaus gebracht.
Wie es weiter heißt, wurde der betroffene Zug beschlagnahmt. Die Kriminalpolizei Karlsruhe hat die Ermittlungen übernommen. Laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa) sagte eine Bahnsprecherin am Tag drauf: „Wir verurteilen den Angriff am gestrigen Abend in einer Regionalbahn aufs Schärfste. Unsere Gedanken sind bei dem Verletzten.“
Bahn-Sicherheitsmann schwer verletzt: EVG zeigt sich „fassungslos und wütend“
Zu den technischen Hintergründen wollte sich die Bahn demnach nicht äußern. So blieb auch die Frage offen, ob es sich bei dem Zug um ein möglicherweise schon älteres Modell handelt. Die Sicherheitsmänner sollen bereits die Polizei verständigt haben, die beim nächsten regulären Stopp hätte zusteigen sollen. Nach dem Sturz aus dem fahrenden Zug hielt dieser jedoch außerplanmäßig. Dabei blieb unklar, ob es sich um eine Notbremsung handelte.

Laut der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) befindet sich der 26-Jährige in einem kritischen Zustand, er sei bei rund 120 km/h auf die Gleise gestürzt. Manuel Amberger, Vorsitzender des Landesverbandsvorstands Baden-Württemberg, kritisierte: „Der schreckliche Vorfall bei Ettlingen-Bruchhausen zeigt erneut auf dramatische Weise, dass verbale und körperliche Übergriffe auf das Zugpersonal eine neue, lebensgefährliche Dimension erreicht haben.“ Er sei „fassungslos und wütend“.
Die EVG erwarte „eine schnelle und lückenlose Aufklärung der Geschehnisse und der technischen Hintergründe zum Öffnen der Zugtür“. Amberger sieht in dem Fall „erneut ein unüberhörbares Alarmsignal an die Politik und die Verkehrsunternehmen: Wir brauchen dringend verstärkte Sicherheitskonzepte, mehr Personal und den effektiven Schutz aller Kolleginnen und Kollegen, die jeden Tag für die Sicherheit der Fahrgäste sorgen“.
Dabei dachte er wohl auch an jenen 36-jährigen Zugbegleiter, der Anfang Februar durch Faustschläge gegen den Kopf so schwer verletzt wurde, dass er wenig später an einer Hirnblutung starb. Der Täter, ein 26-jähriger Fahrgast, wurde Anfang Juli vom Landgericht Zweibrücken wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu einer Haftstrafe von zehn Jahren verurteilt. (Quellen: Staatsanwaltschaft Karlsruhe, Polizeipräsidium Karlsruhe, dpa, EVG, Landgericht Zweibrücken) (mg)