Benjamin Netanyahu: Proteste bei seinem Auftritt vor der Uno-Vollversammlung
Benjamin Netanyahu: Protestziel bei der Uno-Vollversammlung: »Wenn es noch weitere moralische Feiglinge gibt, die diesen Saal noch nicht verlassen haben, dann tun Sie das bitte jetzt«
Foto: Angelina Katsanis / Bloomberg / Getty Images
Benjamin Netanyahu hat am Donnerstag vor der Uno-Vollversammlung in New York gesprochen. Er teilte aus, sein Auftritt war begleitet von Widerstand.
Was geschah im Saal der Uno?
Als Netanyahu das Podium betrat, wurde er mit Buhrufen empfangen. Noch bevor seine Rede überhaupt startete, standen Dutzende Delegierte auf und verließen den Saal – so wie sie es bereits im vergangenen Jahr getan hatten. Einige Delegierte blieben jedoch: Anhänger des israelischen Regierungschefs applaudierten und skandierten »Am Israel Chai«, was so viel bedeutet wie »Das Volk Israel lebt«.
Delegierte verlassen den Saal: »Am Israel Chai«
Foto: Angelina Katsanis / Bloomberg / Getty Images
Wie reagierte Netanyahu?
Netanyahu antwortete mit scharfen Worten auf die Aktion: »Wenn es noch weitere moralische Feiglinge gibt, die diesen Saal noch nicht verlassen haben, dann tun Sie das bitte jetzt«, sagte er. Israel verteidige viele der Länder, deren Vertreter gerade hinausgegangen seien, sagte Netanyahu.
Mit Blick auf Proteste vor dem Gebäude fragte er, wo diese Menschen gewesen seien, als iranische Sicherheitskräfte im Januar in Teheran Tausende Menschen töteten, die gegen das Regime demonstrierten. »Haben Sie Massenkundgebungen oder Hungerstreiks organisiert?«, fragte Netanyahu. »Haben Sie vor der iranischen Vertretung bei der Uno protestiert? Haben Sie sich für die in Iran und im gesamten Nahen Osten verfolgten Christen eingesetzt? Nein, das haben Sie nicht getan. Denn Sie sind heuchlerische Menschenrechtsaktivisten.«
Was ist der Konflikt?
Schon lange vor seinem Auftritt wurde in New York heftig über Netanyahu diskutiert. Zohran Mamdani, der erste muslimische Bürgermeister der Stadt, hatte Netanyahu als »Kriegsverbrecher« bezeichnet und dessen Verhaftung gefordert.
Netanyahu steht international vor allem wegen des Vorgehens Israels im Gazastreifen in der Kritik. Der Internationale Strafgerichtshof hat wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit einen Haftbefehl gegen ihn erlassen.
Zugleich hat der Gazakrieg Israels internationale Beziehungen schwer belastet, das Land steht weitgehend isoliert da. Zuletzt hatten die Verbündeten Großbritannien, Frankreich und Kanada Sanktionen gegen radikale israelische Siedler im Westjordanland verhängt. Mehrere Staaten haben Palästina als Staat anerkannt – Deutschland ist nicht darunter.
Worüber hat Netanyahu sonst gesprochen?
Der israelische Ministerpräsident nutzte seinen Auftritt vor allem, um die Kriege in Gaza und in Iran zu rechtfertigen. Er verteidigte Israels Offensive in Gaza und betonte, Israel habe einen »Völkermord« an Juden »verhindert«. Der Angriff auf iranische Ziele sei »eine der einfachsten Entscheidungen gewesen«, die er je treffen musste. Mit Blick auf die militärischen Auseinandersetzungen seines Landes betonte er mit den Worten seines gefallenen Bruders: »Wir werden gewinnen, wir haben keine andere Wahl.«
Die Rede richtete sich mit diesen Themen auch an die Menschen in seinem Land. In Israel wird am 27. Oktober ein neues Parlament gewählt. Laut Umfragen könnte es für Netanyahu Lager schwierig werden, sich eine Mehrheit zu sichern.
Netanyahu griff auch die arabischen Golfstaaten an. So bezichtigte er Katar, Lügen über Israel zu verbreiten. Ziel Katars sei es, »junge Menschen einer Gehirnwäsche zu unterziehen, damit sie Israel, Amerika und den Westen hassen«. »Das ist dasselbe Katar, das die Hamas-Mörder vom 7. Oktober beherbergt«, sagte Netanyahu.
Katar hatte gleichzeitig eine entscheidende Rolle bei der Vermittlung zwischen Israel und der Hamas gespielt. Im Januar 2025 hatten sie eine Einigung für einen Waffenruhe und die Freilassung von Geiseln arrangiert.
Netanyahu teilte in verschiedene Richtungen aus
Foto: Ryan Murphy / Getty Images
Netanyahu kritisierte zudem den Bürgermeister von New York. Er bezeichnete Mamdani als »antisemitisch« und warf ihm vor, Israel wiederholt fälschlicherweise eines Völkermords zu bezichtigt zu haben. Außerdem beschuldigte er Mamdani, versucht zu haben, seinen Besuch in New York zu verhindern. »Nun, Sie können mich nicht zum Schweigen bringen. Sie können die Wahrheit nicht zum Schweigen bringen«, sagte Netanyahu.
Kurz vor Netanyahus Rede veröffentlichte Mamdani ein Video. Darin war zu sehen, wie er in der Gracie Mansion, der offiziellen Residenz des Bürgermeisters von New York, einen Olivenbaum pflanzte und gemeinsam mit palästinensischen Familien aus dem Gazastreifen zu Abend aß. »Möge Frieden unsere Zukunft sein«, schrieb er dazu.
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Mamdani warf Netanyahu später vor, seine Rede vor der Uno dazu zu nutzen, »haltlose Lügen zu wiederholen, mit denen er seinen Völkermord an den Palästinensern verharmlosen will«. »Doch keine Lüge kann die Tatsache ändern, dass gegen ihn weiterhin ein Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorliegt«, sagte der Bürgermeister in einer Erklärung.
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Was passierte vor dem Gebäude der Uno?
In der ganzen Stadt gab es groß angelegte Proteste: Mehr als 400 Menschen, darunter Prominente und Politiker, nahmen an einer Aktion in der Nähe des Uno-Hauptquartiers teil, wie die propalästinensische jüdische Organisation »Jewish Voice for Peace« (JVP) mitteilte . JVP hatte die Demonstration organisiert, mit einem Sit-in wurde im Vorfeld von Netanyahus Rede ein Teil der First Avenue blockiert. Demonstranten hielten Schilder mit Slogans wie »Hört auf, Israel zu bewaffnen« und »Stoppt den Genozid« zu lesen waren.
Sitzblockade in New York City
Foto: MIchael Nigro / action press
Nach Angaben der Polizei wurden in Manhattan insgesamt etwa 100 Personen festgenommen. Ein Sprecher sagte, mehrere Teilnehmer einer nicht angekündigten Demonstration seien in Gewahrsam genommen worden, nachdem sie sich der Aufforderung widersetzt hätten, eine Straßenkreuzung zu räumen. Zu den Festgenommenen zählten die demokratische Kongresskandidatin Darializa Avila Chevalier sowie das New Yorker Stadtratsmitglied Chi Osse.
Auch Hollywoodprominenz war darunter. Bilder zeigen, wie Schauspielerin Susan Sarandon abgeführt wird. Die 79-Jährige gilt in der US-Filmindustrie als lautstarke Kritikerin des israelischen Vorgehens im Gazastreifen. Bei dem Protest trug sie ein Shirt mit der Aufschrift »Finanziert Menschen, nicht Bomben«.
Susan Sarandon wird festgenommen
Foto: Madison Swart / AP
Auch ihre Hollywood-Kollegin Hannah Einbinder wurde abgeführt. Die 31-Jährige (bekannt aus der Serie »Hacks«) hatte im Mai bei den Filmfestspielen in Cannes über ihre Protesthaltung gesagt : »Ich denke nicht, dass meine kleine Karriere auch nur über einem Menschenleben stehen sollte. Es ist eine Verpflichtung – und ich werde ihr immer nachkommen.«
Mit Material der Agenturen.