Stolperstein-Verbot: Hamburgs Senatorin greift CDU scharf an


Hamburg

Stolpersteinverbot in Sachsen löst Empörung in Hamburg aus

Hamburgs Wissenschaftssenatorin Maryam Blumenthal (Grüne) kritisiert das Stolpersteinverbot in Sachsen (Archivbild).
Florian Quandt

Das Stolperstein-Verbot von CDU und AfD in Heidenau sorgt für Empörung. Wissenschaftssenatorin Maryam Blumenthal (Grüne) findet deutliche Worte – vor allem für die CDU.

Das Stolpersteinverbot durch CDU und AfD im sächsischen Heidenau sorgt bundesweit für Entsetzen – auch in Hamburg. Wissenschaftssenatorin Maryam Blumenthal (Grüne) äußerte scharfe Kritik.

„Ich bin schockiert über die Vorfälle in Heidenau“, erklärte Senatorin Blumenthal am Freitagvormittag. Am Abend zuvor hatte der Stadtrat in der sächsischen Stadt einem fraktionsübergreifenden Antrag von CDU, AfD und dem „Bündnis Oberelbe für mehr Demokratie“ zugestimmt, keine Stolpersteine zur Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus mehr zu verlegen.

Hamburg: Entsetzen über das Stolpersteinverbot im sächsischen Heidenau

Zur Begründung hieß es, viele Bürger, Angehörige und Initiativen empfänden diese Form der Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus als nicht angemessen. Stattdessen solle das Gedenken vorzugsweise auf dem Nordfriedhof der Stadt stattfinden, so „dass ein direktes Betreten der Gedenkelemente ausgeschlossen ist“.

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Senatorin Blumenthal zeigte sich empört: „Wer Stolpersteine aus dem öffentlichen Raum verbannt, drängt die Opfer der Nationalsozialisten ein zweites Mal aus der Stadt. Dort, wo Menschen verschleppt und ermordet wurden, soll nun nicht mehr an sie erinnert werden.“

Die Senatorin betonte, Stolpersteine seien ein zentraler Bestandteil der deutschen Erinnerungskultur, da sie, anders als einzelne Mahnmale, die Erinnerung mitten in den Alltag der Bürger bringen und durch die Notwendigkeit der Pflege zum aktiven Mitmachen auffordern.

Hamburgs Senatorin Blumenthal: CDU hat den „Kompass komplett verloren“

Aus Sicht von Blumenthal geht es bei dem Vorgang in Heidenau um weit mehr als um einzelne Steine: „Die AfD arbeitet seit Jahren offen darauf hin, unsere Erinnerungskultur umzukehren und das Gedenken an den Holocaust zu einem politischen Konfliktfeld zu machen“, erklärte sie. Die AfD wolle die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus zurückdrängen, sie umdeuten und relativieren. „Das ist kein Streit über die richtige Form des Gedenkens. Es ist national-völkische Ideologie.“

Gleichzeitig richtete die Senatorin scharfe Worte gegen die CDU, die den Antrag unterstützt hatte. „Wer beim Gedenken an die Verbrechen der Nazis der AfD die Hand reicht, hat seinen Kompass komplett verloren“, so Blumenthal.