Benzinpreise auf Jahreshoch: Wie der sinkende Rheinpegel die Kosten weiter in die Höhe treibt
Publiziert29. Juli 2026, 12:50
Iran und HitzeBenzin auf Jahreshoch: Macht Rheinpegel das Tanken noch teurer?
Der Rheinpegel droht wegen der Trockenheit auf ein historisches Tief zu sinken. Ende der Woche wird der Warentransport auf dem Fluss wohl eingestellt.

Darum gehts
- Bleifrei 95 kostet derzeit durchschnittlich 1.96 Franken pro Liter – so viel wie noch nie in diesem Jahr.
- Zwei Faktoren treiben die Preise: der Iran-Krieg, der den Rohölpreis hochhält, und der sinkende Rheinpegel, der den Benzintransport verteuert.
- Der Pegel bei Kaub könnte bis Freitag so tief fallen, dass die Rheinschifffahrt eingestellt wird.
Autofahrerinnen und Autofahrern machen die hohen Benzinpreise zu schaffen. Seit Wochen steigen die Preise. Bleifrei 95 kostet derzeit gemäss TCS 1.96 Franken pro Liter. Viele Tankstellen verlangen auch schon mehr als zwei Franken, wie mehrere News-Scouts berichten.
Bei Bleifrei 98 sind es im Durchschnitt 2.07 Franken. Das ist so viel wie noch nie in diesem Jahr. Auch Diesel nähert sich mit 2.17 Franken dem Jahreshoch von 2.24 Franken im April (siehe Grafik). Die italienische Regierung hat bereits mit einer Steuersenkung auf Diesel um 17 Rappen pro Liter reagiert.
20 Minuten sagt, warum der Benzinpreis so stark steigt und wie es weitergeht.
1. Preistreiber: Iran-Krieg
Die Hälfte des Preises an der Tankstelle sind Steuern. Der wichtigste Faktor für den Benzinpreis ist aber laut Rohstoffexperte Simon Lustenberger von der Zürcher Kantonalbank der Rohölpreis. «Dieser dürfte aufgrund des Nahostkonflikts noch eine Weile erhöht bleiben.» US-Präsident Donald Trump versprach zwar im Februar, dass der Krieg gegen den Iran nur Stunden oder Wochen dauere. Doch mittlerweile geht er in den sechsten Monat. Mit dem Krieg bricht Trump auch sein Wahlversprechen von tiefen Preisen.
Selbst als die USA zuletzt eine mehrtägige Pause der Angriffe einlegten, sanken zwar die Ölpreise, doch Benzin und Diesel blieben unverändert teuer. «Der Grund ist, dass es weltweit nach wie vor an Raffineriekapazität fehlt. Selbst wenn ausreichend Rohöl verfügbar ist, können beschädigte Raffinerien im Nahen Osten und in Russland weniger Treibstoffe produzieren», sagt TCS-Experte Erich Schwizer. Mittlerweile gehen die Angriffe der USA und des Iran weiter und die Ölpreise steigen wieder.
Für die Ölkonzerne läuft das Geschäft blendend. Die sechs grössten dürften ihre Gewinne vom ersten auf das zweite Quartal 2026 verdoppeln, wie die NGO Oxfam mitteilt.
2. Preistreiber: die Hitze
Die Schweiz verfügt nur über eine Rohölraffinerie in Cressier NE, die den Inlandverbrauch zu 30 Prozent deckt. Deshalb importiert das Land grosse Mengen an Öl-Fertigprodukten. Fast ein Drittel des gesamten Benzinbedarfs gelangt über den Rhein ins Land. Doch wegen der Hitze und des fehlenden Regens sinkt der Rheinpegel dramatisch.
Die Schiffe können deshalb auf dem Rhein kaum noch beladen werden, was die Fracht verteuert. Innerhalb der letzten sechseinhalb Wochen versechsfachten sich die Kosten von 33.50 Franken pro Tonne auf 225 Franken. Dadurch stieg der Preis pro Liter Benzin um 15 Rappen, sagt Schwizer.
Wie geht es weiter?
Am Pegel Kaub im deutschen Mittelrheintal sank der Rhein am Mittwoch auf 29 Zentimeter. Der Pegel ist der wichtigste Richtwert am Rhein, weil er eine zentrale Engstelle mit Felsen und Kies im Flussbett überwacht. Falls der Pegel wegen der Trockenheit und Hitze wie erwartet bis Freitag auf 25 cm fällt, müssten die Transporte auf dem Rhein laut Schwizer Ende der Woche eingestellt werden. Dann wäre der Pegel auf dem historischen Tiefststand von 2018, als Schiffe teilweise ebenfalls nicht mehr den Basler Hafen anlaufen konnten. Laut Prognose der deutschen Wasserstrassen- und Schifffahrtsverwaltung könnte der Pegel am Freitag sogar auf 21 Zentimeter fallen.
Bei einem Stopp der Rheinschifffahrt wird, wo möglich, mehr auf der Schiene transportiert, sagt Shell-Sprecherin Jane Nüssli. Die Umstellung dürfte laut einem Tankstellenhändler nicht noch viel teurer werden, weil die Schifffahrt bereits so viel mehr kostet als üblich. Als 2018 Schiffe teilweise den Hafen Basel nicht mehr anlaufen konnten, stiegen die Benzinpreise um etwa vier Rappen, teilweise wegen regionaler Engpässe allerdings um bis zu 20 Rappen.
Wie gehst du mit den aktuell hohen Benzinpreisen um?
Ich merke es im Portemonnaie und fahre weniger Auto.
Ich muss Auto fahren, da führt kein Weg dran vorbei.
Ich achte mehr auf den Verbrauch und fahre sparsamer.
Mich betrifft das nicht.
Ich tanke im Ausland, wenn es sich lohnt.
Ich finde die Preise schon lange zu hoch, das ist nichts Neues.
Mir ist das egal, ich zahle, was es kostet.
Damals öffnete der Bund auch das Öl-Pflichtlager. Diesmal ist noch keine solche Massnahme geplant, wie Jaakko Havela vom Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung sagt. Derzeit sei die Versorgung mit Benzin gewährleistet.
Hohe Preise bis 2027
Die Ölpreise bleiben noch lange hoch. Einerseits, weil der Schiffsverkehr in der Strasse von Hormus eingeschränkt ist, andererseits, weil es in der Meerenge zum Roten Meer zu Störungen des Handels kommt. Ausserdem fallen die globalen Lagerbestände, sagt ZKB-Experte Lustenberger.
«Selbst bei einer vollständigen Öffnung der Strasse von Hormus dürfte es bis Anfang 2027 dauern, bis sich die Produktions- und Handelsmuster wieder auf das Niveau vor dem Konflikt einpendeln», so Lustenberger. Er rechne daher über die nächsten drei Monate weiterhin mit anhaltend hohen Ölpreisen.
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Fabian Pöschl (fpo) arbeitet seit 2020 für 20 Minuten. Er ist Verantwortlicher Wirtschaftsnews im Ressort Wirtschaft
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