„Zusperren ist die einzige Alternative“: Dramatischer Wassermangel trifft Alpen-Hütten mit voller Wucht


Berghütten rationieren Wasser, Hubschrauber muss einspringen: Alpenverein spricht von „einer neuen Dimension“

Stand: 05.08.2026, 13:48 Uhr

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Die anhaltende Trockenheit führt auf den Alpen-Hütten zu einem massiven Problem – das Wasser geht aus. Inzwischen müssen Hubschrauber das Nötigste bringen.

München – Wer dieser Tage eine Berghütte in den Alpen ansteuert, erlebt einige Hütten im Ausnahmezustand. Teilweise gibt es Trinkwasser nur gegen saftige Zahlungen, mancherorts ist sogar der Waschraum gesperrt. Selbst Helikopter fliegen die Hütten an – nicht im Rettungseinsatz, sondern um Wasser zu bringen.

Trockenes Flussbett und Alpen-Hütte

Die anhaltende Trockenheit wird für Alpen-Hütten besonders zum Problem – viele Hütten haben Wasser deshalb rationiert. (Montage) © Anthony Anex/Matthias Balk/dpa

Der Deutsche Alpenverein (DAV) schlägt Alarm. Auf fast allen seiner rund 320 Hütten fehlt es derzeit an Wasser. „Das ist schon eine neue Dimension“, sagt DAV-Sprecher Julian Rohn der Deutschen Presseagentur (dpa). Zwei schneearme Winter und eine anhaltende Trockenheit haben die Situation in den Alpen diesen Sommer dramatisch verschärft. Die Hütten werden normalerweise durch Schmelzwasser aus Schneefeldern und Gletschern sowie durch Niederschläge gespeist – doch diese Quellen versiegen durch den Klimawandel zunehmend.

Dürre berietet Alpenwirten und Gästen großes Problem: Wasser kommt mit dem Hubschrauber

Besonders hart trifft es die Berchtesgadener Alpen. Gabi Schieder-Moderegger, Vorsitzende der DAV-Sektion Berchtesgaden, beschreibt die Lage gegenüber der dpa mit klaren Worten: „Wir haben noch nie den Fall gehabt, dass die Quellen nicht mehr geschüttet haben.“ Einen Notfallplan hatte sie zwar bereits im Frühjahr ausgearbeitet, als statt reißender Bäche nur noch Rinnsale die Hänge hinabflossen. Doch das Tempo überraschte sie: „Dass das aber so schnell geht, innerhalb einer Woche, damit haben wir nicht gerechnet.“ Die Lage bereitet vielen Hüttenwirten in den Alpen große Sorgen.

Inzwischen kommt das Wasser regelmäßig mit dem Hubschrauber, damit die Küche überhaupt noch arbeiten kann. Das verursacht jedoch enorme Kosten. „31 Euro kostet das die Minute, der Anflug 600 Euro“, erklärt Schieder-Moderegger. Für einen Liter Trinkwasser zahlen Gäste vier Euro. Wer das nicht versteht, bekommt von der Sektionsvorsitzenden eine knappe Antwort auf die Frage nach der Alternative: „Zusperren.“

Auch mobile Baustellentoiletten fliegen die Hüttenbetreiber auf den Berg. Waschräume sind geschlossen oder nur noch stundenweise geöffnet, Spültoiletten werden durch Trockentoiletten ersetzt. Das Watzmannhaus etwa öffnet seinen Waschraum nur noch morgens und abends für je zwei Stunden.

Wassersparen auf den Alpen-Hütten: Tipps für Hüttenbesucher

Auf seiner Website schreibt der DAV, dass für jeden Hüttenbesucher maximal 75 Liter Wasser bereitstehen – deutlich weniger als der durchschnittliche Verbrauch im Tal. Die Besucher können jedoch beim Wassersparen helfen, der DAV gibt folgende Tipps:

Laut dem DAV ließen sich so bis zu 36 Liter – fast die Hälfte des Wassers – einsparen. Das Problem wird die Hüttenwirte jedoch weiter beschäftigen. Rohn macht deutlich, dass die Krise kein regionales Problem ist: „Das ist leider bittere Realität, dass das Wasser ausgeht.“ Die anhaltende Hitze macht sich in ganz Deutschland bemerkbar, selbst ein bekannter See in Bayern vertrocknet aktuell. (Quelle: DAV, dpa) (kiba)