Berlin hat die Wahl: Bocklosigkeit mit der CDU oder Aufbruch nach links?
Liebe Leserinnen und Leser,
noch fünf Tage, und dann wird in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern gewählt. Vor meiner Haustür hat ein barmherziger Wahlkampfmanager der SPD ein Einsehen gehabt. Das riesige Plakat mit dem bedrohlich-kernig blickenden Spitzenkandidaten Steffen Krach und dem Slogan „Ich schwöre“ (siehe Newsletter vergangene Woche) wurde überklebt.
Jetzt schaut mich Steffen Krach einfach nur durchdringend an und daneben steht „Steffen Krach“ (im via E-Mail verschickten Newsletter hatte hier die Autokorrektur aus Krach leider „Kraft“ gemacht). Herzlichen Glückwunsch, liebe SPD! Bei eurem Spitzenkandidaten findet eine Hausdurchsuchung im Zusammenhang mit zwei Parteispenden statt. Und ihr setzt voll auf die Wirkmacht eures Spitzenmannes.
Wirklich spannend ist dagegen das Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen CDU und Linkspartei um Platz 1. In den Umfragen liegt mal Stefan Evers vorn, mal Elif Eralp. Im übertragenen Sinne hat die Hauptstadt die Wahl zwischen einem Wiedergänger des unvergesslichen Langzeit-Regierenden Eberhard Diepgen von der CDU und einer auf Berliner Verhältnisse umformatierten Zohran-Mamdani-Kopie. 90er Jahre oder 20er? Es geht dabei allerdings um mehr als nur um politische Stilfragen.
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Die Aufbruchstimmung der Nullerjahre, die niemand besser personifiziert hat als Klaus Wowereit, ist längst einer allgemeinen Gleichgültigkeit und Bocklosigkeit gewichen, die niemand besser personifiziert, als der amtierende Regierende Berliner Bürgermeister Kai Wegner (CDU), der während eines tagelangen Stromausfalls lieber Tennis spielen ging, als bei seinen Berlinern zu sein, und hinterher auch noch darüber die Unwahrheit sagte.
Es wäre für diese Stadt also nichts wichtiger, als einen Neustart mit einer modernen linken Politik hinzulegen. Anne Hidalgo hat in Paris gezeigt, wie es geht – die Stadt ist heute nicht wiederzuerkennen. Oder Sadiq Khan in London. Oder Lars Weiss und Sisse Marie Welling in Kopenhagen. Oder sogar Peter Tschentscher in Hamburg. Sonntag wissen wir mehr.
1. Heute wichtig
- Verfall: Wie lange kann sich Friedrich Merz noch als Bundeskanzler halten?
- Klimawandel: Wir steuern auf 2,8 Grad Erderwärmung zu – mit desaströsen Folgen.
- Rechtsextremismus: Warum der Aufstieg der AfD nicht nur mit politischem Versagen zu tun hat.
2. Made My Day
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➜ Couchpotato: Vergangene Nacht war Emmy-Nacht. Sozusagen die Oscars für die besten TV‑Serien. Ich muss zugeben, es gab schon Veranstaltungen, da hatte ich einen wesentlich größeren Anteil der ausgezeichneten Serien gesehen. Dieses Jahr war aus persönlicher Sicht also eher etwas mager.
Andererseits sind die Emmys ein ganz wunderbarer Kompass, um die wirklich guten Serien nachzuholen. Also „The Pitt“, „Widows Bay“ und natürlich die neue Staffel von „Hacks“. Und schließlich steht uns die graue Jahreszeit ja demnächst ins Haus. Eine gute Gelegenheit also, mein Emmy-Defizit auszugleichen.
3. Kultur-Tipp
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➜ Bau auf, bau ab: Nach Jahrzehnten der Geringschätzung kommt plötzlich Interesse an der Ostmoderne auf. Während es um die eine oder andere Platte vielleicht nicht ganz so schade ist, sind auch viele großartige und innovative Gebäude in den vergangenen Jahren abgerissen worden, meist um einer gesichtslosen Investorenarchitektur Platz zu machen.
Ein besonders prominentes Beispiel war die Debatte um das sogenannte Ahornblatt in Berlin-Mitte, das trotz großer Proteste abgerissen wurde. Oder natürlich der „Palast der Republik“. Die Berlinische Galerie widmet Josef Kaiser, einem der einflussreichsten DDR‑Architekten, nun eine Ausstellung.
4. Lese-Empfehlung
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➜ Reinlesen: Nach apokalyptischen Warnungen vor den Gefahren der KI haben sich Sam Altman und Elon Musk den Forderungen von Anthropic-CEO Dario Amodei angeschlossen, die Forschung gemeinsam zu bremsen. Was steckt dahinter? Eine sehr lesenswerte Analyse aus unserer Partnerzeitung The Guardian.
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KI-Chefs wollen Tempo der Entwicklung drosseln: Wie glaubwürdig ist das?
Nach apokalyptischen Warnungen vor den Gefahren der KI haben sich Sam Altman und Elon Musk den Forderungen von Anthropic-CEO Dario Amodei angeschlossen, die Forschung gemeinsam zu bremsen. Was steckt dahinter?
Angesichts eines öffentlichen Aufruhrs über die wiederholten Warnungen von Forschern bei Anthropic, dass künstliche Intelligenz bis 2030 die gesamte Menschheit auslöschen könnte, unterbreitete der CEO des KI-Unternehmens, Dario Amodei, am Wochenende den Vorschlag, den technologischen Fortschritt zu verlangsamen, um die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten.
In einer seltenen Demonstration der Einigkeit stimmten die Chefs der größten US-amerikanischen KI-Unternehmen sofort zu.
Der OpenAI-CEO Sam Altman, Google-DeepMind-Chef Demis Hassabis und xAI-Eigentümer Elon Musk bekundeten ihre Unterstützung für Amodeis Vorschlag zur Verlangsamung der KI-Entwicklung mit dem Titel „We Must Pace the Frontier“ (Wir müssen das Tempo an der Grenze drosseln), wobei Altman erklärte, er werde Amodeis Verpflichtung, externe Gutachter in sein Unternehmen einzubinden, um Sicherheitspraktiken zu überprüfen, ebenfalls nachkommen.
„Ich stimme Dario zu, dass wir die Grenze verlangsamen müssen“, schrieb Altman am Samstag auf X. „Die Verpflichtung, unabhängige Gutachter mit mitarbeiterähnlichem Zugang zuzulassen, ist eine großartige Idee, und wir werden dasselbe tun.“
„Darios Essay weist den richtigen Weg in die Zukunft“, sagte Hassabis.
Musk schrieb lediglich: „Dario hat recht.“
Die Warnungen und Versprechen der KI-CEOs werfen eine Vielzahl von Fragen auf.
(…)
➜ Zum ganzen Text
Das bringt uns an das Ende des heutigen Newsletters. Ich wünsche einen schönen Tag.
Ihr
Philip Grassmann
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