Stärken statt Schablonen: Die „Angelser Knirpse“ setzen auf Individualität, Inklusion und viel Eigenverantwortung
Stand: 15.09.2026, 13:56 Uhr
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„Ich bin mutig, ich bin clever, ich bin stark“: In der Kita „Angelser Knirpse“ sollen Kinder früh entdecken, was sie selbst können und was sie besonders macht. Im Weyher Fachausschuss stellte das Team jetzt sein inklusives Konzept vor.
Weyhe – „Ich bin mutig, ich bin clever, ich bin stark, ich bin abenteuerlustig.“ Für einen Moment erfüllen Kinderstimmen den Sitzungssaal im Weyher Rathaus. In kurzen Videoeinspielern stellen sich die Mädchen und Jungen aus der Kita „Angelser Knirpse“ selbst vor. Eines sagt, es sei eine Künstlerin, ein anderes ein guter Freund, wieder ein anderes macht „immer Quatsch“. Für Leiterin Franziska Ehlers und ihre Stellvertreterin Franziska Nell steckt darin mehr als eine nette Vorstellung: Die Kinder sollen wissen, was sie selbst können – und was sie besonders macht.
Seit etwas mehr als einem Jahr ist die Kindertagesstätte im Weyher Ortsteil Angelse geöffnet. Im jüngsten Ausschuss für Schule, Kindertagesstätten und Jugend stellten Ehlers und Nell die Einrichtung und ihr pädagogisches Konzept vor. Der Leitsatz: „Jedes Kind ist einzigartig und genau das ist seine Stärke.“
Kinder würden nicht in ein Schema gepresst, erklärte Ehlers. Stattdessen gehe es darum, unterschiedliche Voraussetzungen und Fähigkeiten wahrzunehmen. „Wir möchten, dass die Kinder sehen, dass Unterschiedlichkeit Stärke ist und keine Schwäche.“ Das Ziel sei, dass ein Kind am Ende sagen könne: „Ich kenne meine Stärken und ich bin richtig, wie ich bin.“
Inklusion gehört zum Fundament. Zwei der vier Gruppen sind Integrationsgruppen. In den sogenannten „Hummeln“ und „Marienkäfern“ werden Kinder mit und ohne Förderbedarf gemeinsam betreut. Auch heilpädagogische Fachkräfte gehören zum Team.
Die Kita, die vor einem Jahr in Betrieb gegangen ist, ist auf sechs Gruppen und 112 Kinder ausgelegt. Aktuell werden 70 Kinder betreut, darunter 15 Krippenkinder. Die neue Regelgruppe „Libellen“ bietet Platz für 23 Kinder. Zwei weitere Gruppenräume stehen bereits zur Verfügung und sollen später genutzt werden. Die Betreuungszeit reicht von 7.30 bis 15 Uhr.
Das Konzept zeigt sich im Alltag: Die Lütten haben Stammgruppen, können nach Absprache aber auch andere Bereiche nutzen. Es gibt einen offenen Freitag sowie gruppenübergreifende Projekte. Auch der Übergang von der Krippe in den Kindergarten wird durch Besuche und Bezugserzieher begleitet.
Den klassischen Morgenkreis hat die Kita als Pflichtveranstaltung abgeschafft. Lieder sowie Finger- und Kreisspiele bleiben im Angebot – aber freiwillig. „Was davon ist eigentlich wirklich notwendig für die Kinder? Wovon profitieren die Kinder in Wahrheit?“, habe sich das Team gefragt, berichtete Ehlers.
Wir möchten, dass die Kinder sehen, dass Unterschiedlichkeit Stärke ist und keine Schwäche.
Auch beim Frühstück übernehmen die Mädchen und Jungen Verantwortung. Sie kaufen Lebensmittel ein, helfen bei der Zubereitung und stellen etwa Marmelade selbst her. Gegessen wird möglichst dann, wenn Hunger da ist. Die Eltern schätzen das Angebot auch, weil die tägliche Brotdose entfällt.
Die Räume sind ebenfalls Teil des Konzepts. Farben und Gestaltung wurden bewusst ausgewählt. „Der Raum dient ja auch als dritter Erzieher“, erklärte Ehlers.
Im ersten Kita-Jahr wurden 42 Kinder eingewöhnt. Inzwischen ist eine vierte Gruppe hinzugekommen. Weitere sollen folgen. Gleichzeitig arbeitet die Kita mit Grundschulen, der Feuerwehr, der Rettungswache, der Bibliothek und der Kulturscheune in Leeste sowie dem Rathaus zusammen. Beim Einkauf im Supermarkt können die Kinder etwa Lebensmittel auswählen und bezahlen.
Auch die Eltern werden einbezogen – zum Beispiel bei der Wichtelwerkstatt, einem Resilienz-Elternabend, einer Brandschutzwoche mit der Feuerwehr und einem Sommerfest.
Im Ausschuss stieß der Bericht auf viel Zustimmung. Lisa Jarmuth (SPD) lobte, wie viel „Hirn und Liebe“ das Team in den Aufbau gesteckt habe. Janine Greulich (CDU) sprach von einem „schönen, lebendigen und liebevollen Vortrag“. Auch Hannelore Roitsch-Schröder (Grüne), selbst frühere Kindergartenleiterin, zeigte sich angetan.
Bei der Sprachförderung erläuterte Ehlers, dass Sprachstandserhebungen durchgeführt werden. Bei Förderbedarf können Kinder an der vorschulischen Sprachförderung teilnehmen.
Am Ende nahm das Gremium den Sachstandsbericht zur Kenntnis. Das Profil der jungen Kita ist bereits deutlich: Kinder sollen nicht in eine Schablone passen, sondern ihre eigenen Stärken entdecken.