Berlin-Mitte als Studentenmagnet: Wie Investoren daraus Profit schlagen


Berlin bleibt für internationale Studierende das absolute Sehnsuchtsziel in Europa – gleich nach Zielen in den USA, Großbritannien und Australien. Nach Daten der Unesco ist Deutschland das beliebteste nicht englischsprachige Land für ein Auslandsstudium – und die Bundeshauptstadt dabei die gefragteste Adresse bei der Wohnungssuche. Wie begehrt die Berliner Kieze sind, zeigt ausgerechnet eine aktuelle Auswertung der Vermietungsplattform „HousingAnywhere“. Dafür wurden rund 246.300 Suchanfragen aus der ersten Jahreshälfte 2026 analysiert. Das Ergebnis: Gleich fünf der zehn europaweit am häufigsten gesuchten Stadtteile liegen in Berlin.

Pikant an der Umfrage: „HousingAnywhere“ geriet durch eine Reportage des Zeit-Magazins gerade in die Kritik: Das Unternehmen nutzt den angespannten Wohnungsmarkt in Berlin aus, um mit Mikro-WG-Zimmern und möblierten Kurzzeit-Apartments hohe Profite zu erwirtschaften. Wohnungen werden nicht als Ganzes vermietet, sondern in kleinste Kammern zerteilt und dann vor allem an Studierende aus dem Ausland vermietet.

Publik wurde der Fall der Turmstraße 11 in Berlin-Mitte. Dort werden unter anderem 9-Quadratmeter-Zimmer zum Preis von 600 Euro angeboten. Eine Grundrissänderung macht’s möglich. Der Bezirk hatte sie zu spät verboten. „Deutsche Slumlords“ heißt die „Zeit“-Reportage, die die Plattform „HousingAnywhere“ und die FlatMate GmbH jedoch bis jetzt nicht stoppen konnten. „HousingAnywhere“ wirbt damit, „über 110.000 Angebote in Europas beliebtesten Studierendenstädten auf einer sicheren Online-Mietplattform zu ermöglichen“.

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Berlin-Mitte ist meistgesuchter Stadtteil in Europa

Unter allen gelisteten Stadtteilen in ganz Europa wurde am häufigsten direkt nach Wohnungen in Berlin-Mitte gesucht. Dieser Berliner Bezirk ist für Studierende vor allem durch die Kombination aus erstklassigen Bildungseinrichtungen, zentraler Erreichbarkeit und einem riesigen Kultur- und Freizeitangebot direkt vor der Hörsaaltür attraktiv. Insgesamt 7,2 Prozent aller registrierten Suchanfragen entfielen auf das Zentrum der Hauptstadt.

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Platz zwei geht an Ixelles (5,8 Prozent) im Südosten der Brüsseler Innenstadt, gefolgt vom Stadtzentrum von Madrid (5,6 Prozent) und dem Eixample in Barcelona (5,4 Prozent). Die Ränge fünf bis acht gehen ebenfalls nach Berlin: Sie belegen mit Friedrichshain (4,8 Prozent), Charlottenburg (4,7 Prozent), Prenzlauer Berg (4,0 Prozent) und Kreuzberg (4,0 Prozent) vier weitere Teile Berlins. Etterbeek in Brüssel (3,5 Prozent) sowie Salamanca in Madrid (3,4 Prozent) komplettieren die zehn gefragtesten Nachbarschaften.

Die extremen Preise und die gefühlte Machtlosigkeit auf dem Wohnungsmarkt in Berlin-Mitte sind weithin bekannt und werden immer wieder thematisiert, sogar in internationalen Medien. Seit Jahren benennen Berlins Bezirksbürgermeister wie Mittes Stefanie Remlinger (Grüne) überteuerte Wohnungen als eine der größten Herausforderungen. Dass die Politik die Preistreiberei nicht einfach per Knopfdruck stoppt, liegt an einem komplexen Geflecht aus rechtlichen Grenzen, wirtschaftlichen Zielkonflikten und politischer Uneinigkeit.