Berlins Nachtleben in der Krise? Wo noch diese Woche ein neuer Club eröffnet
Immer wieder war in den vergangenen Jahren von Clubschließungen zu lesen. Vor zwei Jahren verabschiedete sich nach über zwei Jahrzehnten das Watergate an der Oberbaumbrücke, im November 2025 war dann auch der queere Traditionsclub SchwuZ Geschichte – nach fast fünf Jahrzehnten. Und auch die Zukunft weiterer Orte stand auf der Kippe: Auf dem RAW-Gelände in Friedrichshain drohte zwischenzeitlich mehreren Clubs das Aus, darunter dem Cassiopeia.
Umso bemerkenswerter ist es, dass nun ein neuer Club eröffnet. Bereits am Freitag (23. Oktober) feiert das 119 (Eigenschreibweise [119]) in den Räumen der ehemaligen Kirche von Unten (KvU) in der Storkower Straße 119 seinen Einstand.
Hoffnungsschimmer für Berlins Nachtleben
Um 22 Uhr öffnet der neue Club seine Türen, am Samstagmorgen um 10 Uhr ist die Party wieder vorbei. Musikalisch soll es eine Mischung aus Techno und House geben. Laut der Veranstaltungsankündigung auf Resident Advisor sind zwei Floors mit unterschiedlichen musikalischen Schwerpunkten vorgesehen: Im „Block“ legen DJ Traytex, Shanda, Rill, Hontas, TRIS und BBetriebswirt auf. In der „Halle“ stehen DEV und Cheoerophila auf dem Programm.
Das neue Zuhause des 119 liegt unweit der neuen Clubs Rosa und Dstrkt, dem Nachfolger der Anomalie, und ist vor allem als früherer Standort der Kirche von Unten bekannt. Die 1987 gegründete Initiative war Teil der DDR-Oppositionsbewegung und entwickelte sich zu einem wichtigen Treffpunkt der alternativen Jugend- und Subkultur.
2014 zog die KvU nach mehreren Standortwechseln in die Räume in Prenzlauer Berg, musste den Standort jedoch im vergangenen Jahr nach einer Kündigung verlassen.
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Nach Angaben von tip Berlin möchten die Betreiber des neuen Clubs an diese Vergangenheit anknüpfen. Wie sie dem Stadtmagazin erklärten, wollen sie Kultur an den Ort bringen. Dabei hätten sie bewusst einige Relikte aus der Geschichte des Gebäudes erhalten, zugleich aber einen Ort für zeitgenössische Clubkultur schaffen wollen. Für 2027 seien nach eigenen Angaben Veränderungen an den Außenflächen des Areals vorgesehen.
Das 119 eröffnet in einer Zeit, in der die Berliner Clubszene wirtschaftlich unter besonderem Druck steht. Seit 2020 haben nach Angaben der Clubcommission mindestens 24 Club- und Kulturstandorte in der Hauptstadt geschlossen, rund 25 neue sind im selben Zeitraum entstanden.
Laut einer im August 2026 veröffentlichten Studie schrieben 39 Prozent der befragten Clubs und Veranstalter für 2025 rote Zahlen – 2017 waren es noch 21 Prozent. 95 Prozent der Befragten sehen ohne strukturelle Verbesserungen die langfristige Existenz vieler Clubs gefährdet.
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