Besuch in Frankreich - Papst Leo warnt in Paris vor Folgen von KI und weltweitem Wettrüsten
Papst Leo XIV. hat zum Auftakt seines viertägigen Besuchs in Frankreich eindringlich vor den Risiken neuer Technologien wie der Künstlichen Intelligenz gewarnt. Es müsse sichergestellt werden, dass diese Technologien dem Menschen dienten und nicht zu einem Instrument der Beherrschung und Ungerechtigkeit würden, sagte Leo in einer Rede am Sitz der Kulturorganisation Unesco in Paris.
25.09.2026

Er mahnte, eine übermäßige Nutzung der neuen Technologien könne unter anderem soziale Folgen haben, aber auch Falschinformationen verbreiten. "Heute verfügen wir über Mittel, Menschen und Kontinente augenblicklich miteinander zu verbinden. Gleichzeitig erleben wir neue Formen der Isolation, der materiellen und geistigen Armut und des Verlassenseins", betonte der Papst.
Er forderte eine gemeinsame ethische Grundlage. Die heutige Verfügbarkeit von mehr und schnelleren Informationen sei nicht gleichbedeutend mit Weisheit. Das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche verlangte einen verantwortungsvollen Umgang mit Medien. Ohne Wahrheit unterliege die Sprache der Logik der Gewalt und der Willkür der Mächtigen.
"Menschliches Leben nicht auf Handel reduzieren"
Zudem kritisierte der Papst eine Globalisierung ohne Geschwisterlichkeit. Er verurteilte "räuberische Formen des Neokolonialismus", ideologische Zwänge und "Kontakte ohne Beziehungen", die das menschliche Leben auf den Handel reduzierten. Auch die Wissenschaft könnte diesem Muster folgen, wenn sie nur noch eine Technik der Macht werde, mahnte der Papst.
Warnung vor weltweitem Wettrüsten
Zuvor hatte Leo im Elysée-Palast mit Präsident Macron Gespräche geführt. Dabei ging es auch um das Thema Aufrüstung. Der Papst sagte, derzeit verbreite sich die Überzeugung, der Besitz von Atomwaffen sei eine Garantie für Sicherheit. Frieden werde aber nicht durch ein Gleichgewicht der Kräfte, sondern durch täglichen Dialog und Gerechtigkeit geschaffen.
Macron betonte, angesichts des vielen Leids in der Welt verbänden viele Franzosen mit dem Besuch des Papstes Hoffnung. Die Suche nach Frieden an allen Fronten sei eine essenzielle Notwendigkeit, so Macron.
Größter Gottesdienst am Samstag auf Place de la Concorde
Am Abend hielt Leo XIV. eine Andacht in der wiederaufgebauten Kathedrale Notre Dame und würdigte diese als einen Ort, "an dem sich Himmel und Erde begegnen". Zum größten Gottesdienst der Reise morgen Nachmittag auf der Place de la Concorde werden mehr als eine halbe Million Menschen erwartet.
Weitere Höhepunkte des Besuchs sind Gottesdienste mit Pilgern in Lourdes und eine Rede des Papstes über die Zukunft Europas in Metz. Dazu werden auch politische Vertreter aus den Nachbarländern Luxemburg und Deutschland erwartet.
Diese Nachricht wurde am 25.09.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.