Bill Gates: KI-Steuer auf Tokens, aber der eigene PC bleibt frei


Der Microsoft-Gründer hat seinen Aufsatz "The turbulent AI era is here. The choices we make now are critical." überschrieben und bündelt darin drei Forderungen: neue nationale und internationale Institutionen, eine Klasse von Tätigkeiten, die dem Menschen vorbehalten bleibt, und eine Abgabe auf KI-Tokens sowie Roboter.

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Auslöser war nach seiner Darstellung die Beobachtung, dass die Branche der Reihe nach jene Schwellen überschreitet, an denen sie einst innehalten wollte. Nur die dritte Forderung besitzt eine technische Bemessungsgrundlage. Genau darin liegt zugleich ihre Schwachstelle.

KI-Steuer: Warum Gates Tokens als Maßeinheit wählt

Ein Token ist die kleinste Abrechnungseinheit kommerzieller Sprachmodelle: Anbieter zerlegen Text in Wortbestandteile und stellen pro Million Tokens einen Preis in Rechnung.

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Bill Gates greift damit auf eine Einheit zurück, die es 2017 noch nicht gab. Damals schlug er erstmals eine Robotersteuer vor und erntete dafür breite Ablehnung, auch weil niemand rechtssicher sagen konnte, was ein Roboter ist und wie man ihn zählt.

Der Ton hat sich seither gedreht: Im März 2025 stellte der Microsoft-Mitgründer noch kostenlose KI-Ärzte und KI-Lehrer in Aussicht. Seine Begründung für die Abgabe ist dagegen unverändert. Wer einen Menschen einstellt, zahlt Lohnnebenkosten, wer eine Maschine kauft, schreibt sie ab.

Das Steuersystem verbilligt damit die Ersetzung. Wer seine Modelle ohnehin lokal auf eigener Hardware betreibt, taucht in dieser Rechnung bislang gar nicht auf. Ökonomisch effizient sei eine solche Steuer nicht, räumt Gates ein. Bei diesem Innovationstempo lasse sich etwas Ineffizienz aber verkraften.

In den USA liegt bereits ein passender Gesetzentwurf vor. Der Abgeordnete Greg Casar brachte am 6. August 2026 den AI Tax and Work Protection Act ein: Große KI-Unternehmen sollen auf den Wert der verkauften Tokens oder auf den Umsatz mit KI-Produkten zahlen, je nachdem, welcher Betrag höher ausfällt. Der Satz steigt automatisch, sobald die Arbeitslosenquote fünf Prozent übersteigt.

Wo eine Token-Steuer greift und wo nicht

Erheben lässt sich eine Abgabe auf Tokens nur dort, wo eine Rechnung entsteht, also an der Abrechnungsgrenze kommerzieller Anbieter wie OpenAI, Anthropic oder Google. Ein Modell mit offenen Gewichten auf eigener Hardware erzeugt Tokens ohne Vertragspartner, Zähler oder Beleg. Eine Steuer auf Tokens verteuert damit ausgerechnet den Weg über die Cloud und lässt lokale Inferenz unangetastet.

Diese Lücke ist keine theoretische. Nvidia liefert Nemotron 3.5 Lightning mit offenen Gewichten und GGUF-Fassungen für Ollama, llama.cpp und LM Studio aus. Für die ersten Schritte genügt eine Gaming-Grafikkarte mit 8 GiB Speicher.

Casars Entwurf berücksichtigt das und besteuert offene Modelle auf eigener Hardware nur dann, wenn ein Unternehmen damit Personalkosten senkt. Diese Bedingung muss allerdings nachgewiesen werden können, und dafür fehlt bislang das Instrument.

Human Reserved: Arbeit, die dem Menschen bleiben soll

Als zweite Maßnahme schlägt Gates unter dem Begriff "Human Reserved" vor, Tätigkeiten zu schützen, die Maschinen vollständig übernehmen könnten, aber nicht sollen. Sein Beispiel ist ein Roboter, der einem Patienten eine unheilbare Diagnose mitteilt: technisch möglich, trotzdem unerwünscht. Die Idee stammt aus der Betreuung seines an Alzheimer erkrankten Vaters. Diese Arbeit beschreibt Gates als unersetzbar menschlich.

Wer festlegt, welche Berufe unter diesen Schutz fallen und wie sich Umgehungen verhindern lassen, lässt er offen. Das müsse öffentlich verhandelt werden. Die Größenordnung hat Gates nach eigener Aussage mit dem Chatbot Claude durchgespielt: Rund 40 Prozent der Arbeit ließen sich über kürzere Arbeitstage und früheren Ruhestand für Menschen reservieren.

Deutschland und EU: Kein Entwurf für eine Token-Steuer

In Deutschland und der EU liegt derzeit kein Gesetzentwurf vor, der KI-Tokens besteuert. Das Europäische Parlament lehnte eine Robotersteuer bereits 2017 ab, im selben Jahr, in dem Gates sie erstmals ins Gespräch brachte.

Die Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags haben die Debatte 2025 aufgearbeitet und nennen zwei Einwände: Es fehlt eine zukunftssichere Definition, die Roboter und KI vom simplen Verkaufsautomaten abgrenzt, und ein nationaler Alleingang lädt Unternehmen zur Sitzverlagerung ein.

Südkorea bleibt bis heute das einzige Land, das überhaupt etwas unternommen hat, und kürzte damals lediglich eine Steuervergünstigung für Automatisierungsinvestitionen. Neun Jahre später ist die Maßeinheit da, das Gesetz nicht.

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Quelle: Bill Gates (gatesnotes.com)