Wasserstand im Bodensee auf Allzeittief: Vorher-Nachher-Bilder verdeutlichen den Unterschied infolge der Dürre
Bodensee nach Dürre-Wochen auf Rekordtief: Vorher-Nachher-Bild zeigt großen Unterschied
Stand: 15.09.2026, 21:37 Uhr
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Der Wasserstand im Bodensee ist aktuell stellenweise tiefer als je zuvor. Darauf machen nicht nur Experten, sondern auch Bilder-Vergleiche aufmerksam.
Konstanz – Fotos dokumentieren die ungeschönte Wahrheit – solange sie nicht nachträglich bearbeitet werden. Das gilt auch für aktuelle Bilder vom Bodensee – gerade im Vergleich mit etwas älteren. Denn sie offenbaren, dass sich das Gewässer, das in Deutschland, Österreich und der Schweiz liegt, deutlich zurückgezogen hat. Die Dürre der vergangenen Monate hat ihre Spuren hinterlassen.

Das Schweizer Bundesamt für Umwelt (BAFU) informiert, der Bodensee habe wie viele andere Seen des Landes „Ende August für die Jahreszeit extrem tiefe Wasserstände“ aufgewiesen. Für den Untersee bei Berlingen wurden sogar neue Minimalstände für den jeweiligen Monat gemessen.
Bodensee nach Dürre-Monaten: Im Sommer 2026 neue Allzeit-Tiefststände gemessen
So ging der Wasserstand im Juni auf 394,87 Meter über Normalhöhennull (NHN) beziehungsweise über dem Meeresspiegel zurück, im Juli auf 394,51 Meter über NHN und im August auf 394,34 Meter über NHN. Auch Mitte September betrug der Wert hier 394,34 Meter über NHN.
Viel besser sah es auch am Obersee bei Romanshorn nicht aus. Hier wurde der bisherige Rekord-Minuswert im Juni mit 395,32 Metern über NHN nur um einen Zentimeter überboten. Es folgten neue Allzeit-Tiefststände für Juli mit 395,08 Metern über NHN und für August mit 394,90 Metern über NHN. Und es ging weiter abwärts: Mitte September liegt der Wasserstand bei 394,84 Metern über NHN.
Auch auf der deutschen Seite des Bodensees werden Wasserstände geliefert, die alles andere als alltäglich sind. Der Hochwassernachrichtendienst Bayern gibt für Lindau Mitte September 394,50 Meter über NHN an und liefert den mittleren Seespiegel mit, der 395,27 Meter über NHN beträgt.
Wasserstand im Bodensee deutlich gesunken: Fast einen Meter unter langjährigem Mittelwert
Auf der Homepage bodensee.net finden sich Wasserpegel in Zentimeter-Maßeinheit. In Konstanz ist das Gewässer demnach Mitte September 265 Zentimeter tief. Damit ist der Wasserstand 4,3 Zentimeter niedriger als in der Vorwoche, 8,3 Zentimeter tiefer als im Vormonat und sogar 90,6 Zentimeter tiefer als im Vorjahr. Zum Vergleich: Der langjährige Mittelwert beträgt 374 Zentimeter.
Im österreichischen Bregenz ist der Bodensee aktuell ebenfalls mehr als einen Meter flacher als im langjährigen Mittel. 269,8 Zentimeter beträgt der Wasserstand am 15. September – 3,5 Zentimeter weniger als in der Vorwoche, 8,5 Zentimeter weniger als im Vormonat und 90,2 Zentimeter weniger als im Vorjahr. Auch hier wird der langjährige Mittelwert mit 374 Zentimetern angegeben.

Philippe Gyarmati, Wissenschaftlicher Mitarbeiter vom BAFU, sagt allgemein über die Lage in der Schweiz angesichts der Trockenheit: „Wenn Regen fällt, steigen die Pegel vorübergehend. Aber es braucht viel Regen, damit sich die Lage definitiv entschärft.“
Wasserstände im Bodensee gehen weiter zurück: Auch zeitnah zu geringe Niederschläge zu erwarten
Das Niedrigwasser-Informationszentrum (NIZ) Baden-Württemberg schreibt: „Da das Grundwasser hauptsächlich durch Herbst- und Winterniederschläge neugebildet wird, ist unter normalen Verhältnissen erst im Winter mit einer Entspannung der Trockensituation zu rechnen.“ Der Bodensee erreiche zumeist im Februar oder März den niedrigsten Wasserstand des Jahres. Dass die Werte 2026 im Spätsommer niedriger seien als im Frühjahr, sei auf die Trockenheit zurückzuführen.
In den kommenden Wochen sei „tendenziell mit einem Rückgang der Seewasserstände zu rechnen“. Dies erklären die Experten mit der nur noch sehr geringen Schneeschmelze in den alpinen Zuflüssen.
Wissenswertes zum Bodensee
Gesamtfläche: 536 km²
Tiefste Stelle: 251 m
Längste Stelle: 63 km
Breiteste Stelle: 14 km
Uferlänge: insgesamt 273 km (Baden-Württemberg 155 km, Bayern 18 km, Österreich 28 km, Schweiz 72 km)
Quelle: bodensee.de
Obendrein wird auch aus den Wolken keine Abhilfe geschaffen. Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) zitiert einen Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes (DWD), der zwar zeitweise Niederschläge ankündigt. Jedoch auch feststellt: „Viel wird es nicht sein, das da zusammenkommen wird.“ So lasse sich das Defizit der vergangenen Monate sicher nicht ausgleichen.
Bodensee trocknet aus: Boote auf dem Trockenen und Ufer ragen weiter hinein
Folglich werden wohl noch viele weitere Fotos entstehen und die Runde machen, von Booten auf dem Trockenen oder Ufern, die deutlich weiter ins eigentliche Reich des Bodensees hineinragen. Und womöglich kommen Fundstücke ans Tageslicht, die auf dem Seegrund verschwunden waren. So zeigen Bilder die Schlickflächen an den Inseln Mainau und Reichenau.
Die aktuellen Aufnahmen vom Bodensee mögen bereits eindrücklich genug sein. Doch erst Vergleiche mit früheren Jahren samt höheren Wasserpegeln zeigen das ganze Ausmaß: den Bodensee vor und nach der langen Trockenheit im Sommer 2026.
Die Nationale Trockenheitsplattform der Schweiz jedenfalls stuft in der Region jede Woche seit Mitte April mindestens als leicht trocken, rund die Hälfte sogar als extrem trocken ein. Seit dem 25. Juni gilt die Naturgefahrenstufe 4 von 5. (Quellen: Schweizer Bundesamt für Umwelt, Hochwassernachrichtendienst Bayern, bodensee.net, Niedrigwasser-Informationszentrum Baden-Württemberg, Deutsche Presse-Agentur, Nationale Trockenheitsplattform) (mg)