Bosch-Betriebsrat fordert Initiativen der Politik gegen weiteren Stellenabbau


Der Betriebsrat des weltweit größten Autozulieferers Bosch fordert von der Bundesregierung und der Europäischen Union (EU) mehr Schutz der europäischen Industrie vor der wachsenden Konkurrenz aus China. »Wir appellieren an die Politik, ​alles zu tun, was möglich ist, um unsere Arbeitsplätze und die Autoindustrie in Europa zu schützen«, sagte Betriebsratschef Frank Sell am Mittwoch. Chinesische Autobauer überschwemmten Europa ‌mit E-Autos, die wegen Subventionen und Währungspolitik billiger seien. Ohne Gegensteuern drohe in den 2030er Jahren massiver Stellenabbau, nachdem 2025 schon 50.000 Jobs weggefallen sind und in diesem Jahr fast ebenso viele verschwinden.

Allein bei Bosch seien in Europa noch 40.000 Beschäftigte vom Verbrennungsmotor abhängig. »Wenn wir nicht mehr Luft bekommen und Chancen, andere Technologien anzusiedeln, dann ist für uns klar, dass diese Arbeitsplätze völlig verloren gehen werden«, warnte Sell. So habe ​Bosch in den Wasserstoffantrieb für Lkw investiert, doch die Produktionsanlagen blieben ungenutzt wegen fehlender Nachfrage. In den Betrieben herrsche großer Frust und viel ⁠Wut, weil nach ⁠dem Abbau Tausender Stellen auch bei Bosch kein Ende der Krise in Sicht sei.

Konkret fordert die Arbeitnehmervertretung, die rund 74.000 Beschäftigte an etwa 40 deutschen Standorten vertritt, schärfere Herkunftsregeln zum Schutz europäischer Produktion. Nach dem im März vorgelegten Gesetzentwurf zum »Industrial ‌Accelerator Act« können nur E-Autos staatlich gefördert werden, deren Inhalt zu 70 Prozent (ohne Batterie) ​hier produziert wurde.

Der Bosch-Betriebsrat ‌fordert nun, nur Autos mit allen Teilen aus Europa zu fördern. Dafür solle sich die Bundesregierung einsetzen. Die Lockerung der CO₂-Flottenregulierung, mit der das Verbrenner-Aus 2035 aufgeweicht wird, geht den Betriebsräten nicht weit genug. Es müsse eine längere Übergangszeit für Plug-in-Hybride und die Option alternativer Kraftstoffe für Autos geben.

Das alles werde nicht ‌helfen, »uns die Chinesen die nächsten 100 Jahre vom Hals« zu halten, könne der europäischen Industrie aber Zeit zur Umstellung verschaffen, sagte Sell. »Diese Zeit brauchen wir, sonst werden wir die nächsten fünf, sechs Jahre überrollt von chinesischen Produkten.« ‌

Die Autoindustrie müsse etwa in der Entwicklung schneller werden, fügte Sell hinzu. »Alles ​muss auf den Prüfstand – wir müssen ein neues Geschäftsmodell ‌für die europäische Autoindustrie entwickeln.« Sonst stehe der soziale Friede auf dem Spiel.

Bisher zeigten ‌Politiker zwar viel Verständnis ​für die Probleme, es geschehe aber nichts. Mit dieser »Heuchelei« müsse Schluss sein, betonte der Betriebsratschef. Parteien, Bund und Länder sollten endlich an einem Strang ziehen. »Die ​Hütte am Industriestandort Deutschland brennt«, ergänzte Mario Gutmann, Betriebsratschef am Bosch-Standort ⁠Bamberg. Europa habe es mit Autokraten in den ​USA und ​China zu tun, die sich nicht an Regeln hielten, und drohe als einzige offene Weltregion seinen Wohlstand zu verlieren. »Die in Brüssel müssen wach werden, sonst gehen wir ‌in Schönheit ‌unter.«