Nvidia-CEO Huang und Donald Trump: Jeder hat sein KI-Interesse


Die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz ist in eine neue Phase eingetreten. KI-Systeme können nicht mehr „nur“ kompetent Texte schreiben oder Bilder generieren, sondern zunehmend eigenständig komplizierte Handlungen planen, durchführen und dabei nützliche Werkzeuge identifizieren und einsetzen. Ist das gefährlich? Natürlich. Ist eine große Katastrophe unausweichlich? Natürlich nicht.

Abseits dessen entblößt die neu aufgeflammte Debatte über die KI-Risiken, wer welche Interessen verfolgt. Nun hat sich der Nvidia-Chef eingemischt. Neue Regeln und Vorschriften braucht es nicht, sagt Jensen Huang, die Marktkräfte würden schon dafür sorgen, dass sich nur das durchsetzt, was funktioniert und sicher ist.

Auf den Markt zu vertrauen, ist zunächst eine sehr vernünftige Grundhaltung. In diesem Fall dürfte sie Huang besonders leichtfallen, weil der KI-Markt in einem zentralen Bereich vornehmlich aus einem Anbieter besteht: seinem Unternehmen. Nvidia stellt die leistungsfähigsten KI-Chips der Welt her, der Aktienkurs entwickelt sich atemberaubend, die Bewertung ist eher abenteuerlich. Sie basiert darauf, dass Nvidia Quartal für Quartal ein stark gewachsenes Geschäft meldet – und ein enorm wachsendes in Aussicht stellt. Die Anleger glauben das bislang gern. Neue Regulierung könnte ihnen durchaus aufs Gemüt schlagen. Auch Huang hat daran wenig Interesse.

Gleiches gilt für Donald Trump. Schließlich hat der amerikanische Präsident sofort mit jenen Techunternehmern geschimpft, die nun anregen, KI gemeinsam langsamer weiterzuentwickeln. Die Wählerschaft ist von Trump schon genervt genug, weil die Preise nicht nur an der Tankstelle hoch sind. Wenn jetzt noch das auf KI fußende Wirtschaftswachstum abnähme, sänke die Zustimmung für ihn und seine Republikaner weiter. Und dann sind da bekanntlich noch die Chinesen, mit denen sich Trump im wichtigsten Wettlauf überhaupt sieht: „Whoever wins AI, wins.“

So verfolgt jeder auch sein eigenes KI-Interesse in der aktuellen Debatte. Das heißt nicht, dass die Argumente deshalb zwangsläufig falsch sind. Es illustriert auf seine Weise aber, dass zumindest die ernst zu nehmenden Warner einen Punkt haben.