Brüder-Grimm-Platz: Schon mehr als 30 Kiefern stehen
Stand: 19.10.2026, 08:00 Uhr
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Die Umgestaltung des Brüder-Grimm-Platzes schreitet sichtbar voran. Unsere Zeitung hat sich erkundigt, was die Kasseler dazu sagen.
Kassel – Es war die Neugier, die Spaziergänger Frank Grede zum Brüder-Grimm-Platz geführt hat. Der 58-Jährige blickt über den rot-weißen Bauzaun und mustert die Kiefern, die vor dem Landesmuseum nun in die Höhe ragen. In dieser Ecke des Platzes stehen die Bäume bereits besonders dicht. „Das wollte ich mir mal angucken“, sagt Grede.
Mehr als 30 Bäume haben Arbeiter in den vergangenen zwei Wochen auf dem Platz eingepflanzt. Damit stehen nun fast die Hälfte der 74 Kiefern, die zukünftig einen Hain in der Platzmitte bilden sollen. Frank Grede ist noch skeptisch, ob die Arbeit, die mit den Pflanzungen einhergeht, sich später einlösen wird. „Man hätte auch mit weniger Aufwand etwas Schönes machen können.“
Die Umgestaltung soll nach Angaben der Stadt etwa 9,75 Millionen Euro kosten, wovon 6,5 Millionen Euro der Bund übernimmt. Grede sorgt sich zudem davor, dass die Bäume nicht überleben und zum Beispiel von Schädlingen befallen werden. Er wolle das Projekt aber noch nicht abschreiben. Die Bäume, die bereits auf dem Grimm-Platz zu sehen sind, gefallen ihm eigentlich ganz gut. „Vielleicht werde ich positiv überrascht.“
Neben prüfenden Blicken erhalten die neuen Kiefern auch Bewunderung. Die 40-jährige Ekaterina Traxel sagt, sie sei zunächst sehr erstaunt darüber gewesen, wie groß die gepflanzten Bäume sind. „Ich finde das faszinierend, dass man die einfach transportieren kann.“ Sie habe damit gerechnet, dass kleinere Bäume geliefert werden, die dann vor Ort wachsen sollen. „Hoffentlich können sie sich einleben.“
Im Kinderwagen schiebt sie ihren zweijährigen Sohn Kerim vor sich her. Schmunzelnd stellt sie fest, auch ihm gefalle die Umgestaltung des Brüder-Grimm-Platzes, er sei allerdings mehr an den Baggern interessiert. So gehe es wohl sehr vielen Kindern der nahegelegenen Kindertagesstätte.
Viele Kassel-Besucher sind erstaunt über Pläne
Eindruck mache die Umgestaltung des Platzes auch auf Kassel-Besucher, sagt die freiberufliche Gästeführerin Helga Kasprowicz. Sie ist auf dem Weg zum Rathaus, um dort eine Besuchergruppe aus Frankfurt in Empfang zu nehmen, und berichtet, die meisten Besucher seien erstaunt über die außergewöhnlichen Pläne für den Platz. „Im positiven Sinne erstaunt“, fügt sie hinzu. „Sehr viele sagen: ‚Das wird sicher großartig.‘ Die Leute sind gespannt.“ Auch sie selbst freue sich darauf, wenn der Platz fertig sei. „Ich finde, Grün kann man nie genug bekommen. Das macht unsere Lebensqualität aus.“ Sie glaube, durch die Umgestaltung gewinne Kassel dazu – auch, weil dadurch ein schöner Aufenthaltsort in der Nähe der Haupteinkaufsstraße entstehe. Wichtig sei, dass der Platz auch genug Bänke bekomme.
Sitzmöglichkeiten plant die Stadt sowohl entlang der Bäume als auch am Platzrand. Das ist auch einer 71‑jährigen Fahrradfahrerin, die am Brüder-Grimm-Platz Halt gemacht hat, ein Anliegen. Kassel bräuchte im öffentlichen Raum mehr Bänke „ohne Konsumzwang“, sagt sie. Da könne sich die Stadt ein Beispiel an französischen Kommunen nehmen. Schön wäre es doch, sich zum Beispiel mit einem Buch besser in die Innenstadt setzen zu können, ohne etwas kaufen zu müssen.
Die Umgestaltung des Brüder-Grimm-Platzes sieht die 71-jährige Kasselerin kritisch. Der Anblick der dunkelgrünen Kiefern auf dem Platz gefalle ihr, doch für sie steht fest: „In Zeiten von klammen Kassen ist das ein Prestigeprojekt.“ Vor dem Umbau sei der Platz nicht so schlecht gewesen, dass eine derart aufwendige Umgestaltung nötig gewesen wäre. Das Geld hätte besser investiert werden sollen, zum Beispiel in sanierungsbedürftige Schulen. „Da schlagen zwei Herzen in mir.“