Bergwacht sammelt 700 Kilo Müll am Gletscher – einige Funde beschäftigen jetzt die Polizei


Stand: 19.10.2026, 08:00 Uhr

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Bergwacht sammelt Müll

Sichern im Eis, sich auf dem blanken Gletscher bewegen und zugleich den Höllentalferner von Müll befreien: Naturschutz und Einsatztraining hat die Bergwacht Grainau nun verbunden. © Bergwacht Grainau

Die Bergwacht Grainau sammelte bei einer Übung am Höllentalferner 700 Kilogramm Müll. Dabei kamen auch Knochen zum Vorschein, die ein Arzt für menschlich hält.

Grainau – Viele, viele Male sind die Einsatzkräfte der Bergwacht Grainau ins Höllental ausgerückt, um erschöpfte, verletzte oder überforderte Bergsteiger und Wanderer sicher ins Tal zu bringen – knapp 50-mal allein im vergangenen Jahr. Sie kennen das Gebiet also bestens. „Wir wissen, wie es dort ausschaut.“ Was Toni Vogg in diesem Fall damit meint: Sie wissen, wie viel Müll dort hinten liegt. Deshalb organisierten der Bereitschaftsleiter und sein Team eine besondere Übung: Sie verbanden das Training auf dem Gletscher mit einem Ramadama. Gemeinsam mit der Polizei Bayern befreiten sie den Bereich unter dem Einstieg in den Zugspitz-Klettersteig von Abfall. Mit einigen Fundstücken befassen sich nun sogar die Ermittler.

Bergwacht sammelt Müll.

Insgesamt 700 Kilogramm Müll brachte das Team des Polizeihubschraubers Edelweiß 6 ins Tal und konnte so Unterlastflüge üben. © Bergwacht Grainau

Ehrenamtliche finden Plastikflaschen und Verpackungen – aber auch Knochen

Erwartbares haben die 14 Bergwachtsmitglieder rund um den Gletscher gefunden. Darunter sind Plastikflaschen und Verpackungen. Was man eben leicht verliert oder was manch einer leider achtlos wegwirft. Aber auch Überraschendes war dabei. Knochen zum Beispiel. Könnten Menschenknochen sein, urteilte ein Bergwachtarzt, der an der Übung teilnahm. Diese werden von der Polizei weiter untersucht. Sie prüft unter anderem, ob sie im Zusammenhang mit Vermisstenfällen stehen. Deswegen beteiligten sich zwei Beamte der Alpinen Einsatzgruppe an der Aktion. Als sie davon hörten, waren sie sofort an Bord. Genauso wie die vier Besatzungsmitglieder der Polizeihubschrauberstaffel Bayern.

Ab 7 Uhr morgens übten sie Landungen und Windenoperationen im anspruchsvollen Gelände und setzten die Einsatzkräfte an verschiedenen Stellen des Höllentalferners ab. Diese sammelten, suchten und trainierten. Über den Tag füllten sie drei Big Bags mit all den Hinterlassenschaften, die teilweise seit Jahren oder gar Jahrzehnten auf dem oder im Eis lagen. Die Entsorgung des Mülls übernimmt die Bayerische Zugspitzbahn.

Kleidung, Schlafsäcke, GoPro-Kameras – so kurios sind die Funde

Zu den Fundstücken gehörten auch mehrere Rucksäcke. Warum sie liegenblieben – Vogg weiß es nicht. Vielleicht sind sie beim Anziehen der Steigeisen nach unten gerollt und die Besitzer konnten sie nicht mehr sehen. Geldbeutel oder dergleichen wurden darin nicht gefunden, soweit Vogg weiß. Allerdings setzten sich die Einsatzkräfte mit dem Inhalt weniger auseinander, das ist Sache der Polizei. Sie nahm die Rucksäcke mit und untersucht auch hier, ob sie Erkenntnisse zu Vermisstenfällen liefern.

Zum Vorschein kamen darüber hinaus viele alte oder beschädigte Ausrüstungsgegenstände, etwa Kleidung, Schlafsäcke, Trinkflaschen, Grödel, Steigeisen und Stöcke. Als besondere Funde erwähnt Vogg zudem zwei GoPro-Kameras. Außerdem trugen die Rettungskräfte ausgediente Drahtseile und viel Alteisen von Klettersteig-Baumaßnahmen zusammen. Ein Gesamtgewicht von 700 Kilogramm flogen die Piloten am Ende ins Tal – ein wertvolles Training von Unterlastflügen.

Bergwacht kann nicht ständig Müll sammeln: „Wir haben einfach so viel anderes zu tun“

Natur- und Umweltschutz gehört zu den Ur-Aufgaben der Bergwacht. Allzu oft aber können die Grainauer dieser nicht nachkommen. „Wir haben einfach so viel anderes zu tun“, sagt Vogg. Vor ein paar Jahren unternahmen sie zweimal einen „Riffelputz“, befreiten die ehemalige Skiabfahrt von Müll. Jetzt wurden sie im Höllental aktiv, nachdem sich Training und Naturschutz ideal verbinden ließen und alle Beteiligten Zeit hatten. „Es hat alles perfekt zusammengepasst.“ Beim Abfallsammeln konnten die Bergwachtsmitglieder Geh- und Sicherungstechniken auf dem blanken Eis oder das Abseilen in Spalten üben. Bei der Besatzung des Polizeihubschraubers Edelweiß 6 stand eine Gebirgsflugausbildung an, zuletzt hofft die Alpine Einsatzgruppe auf wertvolle Hinweise durch die Aktion.

Parallel nutzten die Beteiligten das Training, um mehrere potenzielle Landeplätze für Einsätze zu erkunden und zu markieren. Auch den neuen zweiten Einstieg oberhalb des Höllentalferners – wegen des starken Gletscherrückgangs ließ ihn die DAV-Sektion München einrichten (wir berichteten) – haben die Retter begutachtet. Zudem probten sie ein Windenmanöver direkt aus dem Klettersteig, um einschätzen zu können, inwieweit sich diese ebenso spektakuläre wie anspruchsvolle Variante künftig nutzen lässt. Vogg spricht von einem sehr guten, arbeits- und lehrreichen Tag. „Wir haben wichtige Erkenntnisse für künftige Rettungseinsätze gewonnen und konnten zugleich einen wertvollen Beitrag zum Schutz der alpinen Natur leisten.“ (kat)