Bürgermeister Rainer Ditzfeld strebt weitere Amtszeit an
Stand: 19.08.2026, 06:30 Uhr
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Der Achimer Bürgermeister tritt am 13. September zur Wiederwahl an. Er möchte in den kommenden acht Jahren Begonnenes vollenden.
Achim – Es steht 105 zu 96. Rainer Ditzfeld liegt knapp vorn. Mal wieder. Seit 37 Jahren spielt er mit Ehefrau Patricia Schütz-Ditzfeld regelmäßig Backgammon. Und häufiger zieht sie am Ende den Kürzeren. Nach jedem Spiel notieren sie das Ergebnis fein säuberlich auf einem Zettel. „Bereit für eine weitere Runde?“ – „Kurze Pause. Die Presse ist da.“
Patricia Schütz-Ditzfeld genießt die gemeinsamen Spiele mit ihrem Ehemann: „Dann kommt Rainer mal zur Ruhe und bleibt für ein paar Minuten sitzen. Ansonsten steht er ja immer unter Strom.“ Einfach auf der Terrasse entspannen und den Blick auf die Weintrauben schweifen lassen, die inzwischen ein dichtes Dach über dem Holztisch bilden, liegt ihm nicht.
Oft hört sie von ihm schon nach ein paar Minuten diesen Satz: „Ich muss noch mal eben ...“ Noch mal eben ins Rathaus, noch mal eben zu einem Termin oder noch mal eben telefonieren. „Das ist typisch Rainer. Er ist immer im Dienst“, sagt Patricia Schütz-Ditzfeld.
Und so soll es auch bleiben. Denn der Amtsinhaber tritt bei der Kommunalwahl am 13. September für weitere acht Jahre an. Danach ist allerdings wirklich Schluss. „Aus Altersgründen kann ich 2034 nicht mehr kandidieren“, erklärt Ditzfeld.
Aber warum tut sich der inzwischen 64-Jährige und damit älteste Bewerber um das Achimer Bürgermeisteramt das überhaupt noch einmal an? Als Ditzfeld 2014 zum ersten Mal gewählt wurde, habe es zahlreiche Herausforderungen gegeben. Gleich zu Beginn seiner Amtszeit habe die Flüchtlingskrise der Verwaltung und ihm alles abverlangt.
Viele Aufgaben seien inzwischen erledigt: Ditzfeld zählt beispielhaft die Versorgung mit Kitaplätzen, die Sanierung des Freibades und den Bau von Feuerwehrhäusern auf. Es gebe aber auch noch Unerledigtes: „Deshalb lautet mein Wahlkampfslogan: ,Begonnenes vollenden.‘“
Auf seiner To-do-Liste stehen beispielsweise weiterhin die Neugestaltung der Fußgängerzone und das geplante Gewerbegebiet Achim-West. Gerade bei der City hatte Ditzfeld auf eine schnellere Entwicklung gehofft. Investorenprojekte hätten sich jedoch verzögert, Baukosten und Zinsen seien gestiegen.
Gerade hatte Ditzfeld drei Wochen Urlaub. Eigentlich. „Davon war er aber mindestens zwei Wochen immer mal wieder im Rathaus“, erzählt seine Ehefrau. Die Familie hat sich damit längst arrangiert, selbst wenn der Verzicht auf gemeinsame Zeit zum Alltag gehört. „Rainer ist eben ein Vollblutbürgermeister“, sagt Patricia Schütz-Ditzfeld. „Für mich ist das positiver Stress“, betont Ditzfeld.
Bei Großlagen wie dem Brand des Apotheken- und Wohnhauses in der Achimer Fußgängerzone Ende Mai 2023 zeige er seine „Macher-Qualitäten“. „Wir haben die Bewohnerinnen und Bewohner sofort im Ratssaal untergebracht. Ich habe ihnen Kaffee gekocht und bin für sie zum Bäcker gefahren.“
Auch im Wahlkampf macht Ditzfeld am liebsten vieles selbst. Als Parteiloser könne er frei über Plakate, Farben und Slogans entscheiden, hebt er hervor. Die Idee, sein Wahlplakat wie eine Raute zu gestalten, kam ihm spontan unter der Dusche: „Beim Blick auf die Duschstange und die Fliese dahinter ...“
Ditzfeld tritt bei der Kommunalwahl gegen weitere sechs Kandidatinnen und Kandidaten an. Für ihn wird die Wiederwahl alles andere als ein Selbstläufer. „Zunächst geht es darum, die Stichwahl zu erreichen. Vor Gericht, auf hoher See und bei Wahlen weiß man nie, was passiert.“
Ditzfeld genießt den Austausch mit „seinen“ Achimern. Ein „schneller“ Einkauf auf dem Wochenmarkt kann sich deshalb ziehen: hier eine Frage, dort ein Gespräch. „Wenn du als Bürgermeister nicht angesprochen werden willst, musst du in einer anderen Stadt kandidieren.“
Ganz privat ist er in seinem Garten, mit Freunden, beim Doppelkopf und beim gemeinsamen Essen. Patricia Schütz-Ditzfeld findet, ihr Mann sei mit den Jahren etwas entspannter geworden.
Was aber, wenn es am 13. September nicht reicht? Zu Hause sitzen werde Ditzfeld jedenfalls nicht, kündigt er an. Vereine und Institutionen hätten bereits Interesse an seiner Mitarbeit signalisiert. Auch für seine Leidenschaft Golf blieb in den vergangenen Jahren kaum Zeit.
Aber die lässt er gerne noch ein wenig ruhen. Zunächst liege sein Fokus auf dem Kommunalwahlkampf. Ditzfeld will unbedingt gewinnen. Genauso wie die nächste Partie Backgammon. Er platziert seine schwarzen Spielsteine, Ehefrau Patricia die weißen. Es steht 105 zu 96. An diesem Abend kann sie wichtige Punkte aufholen – es sei denn, ihr Ehemann muss mal eben weg.