Benedikt Fischer will bezahlbare Wohnungen an Ausbildungsplätze koppeln


Stand: 19.08.2026, 06:30 Uhr

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Mann mit Fahrrad

„Einfach mal die andere sportliche Herausforderung gesucht“: Bürgermeister-Kandidat Benedikt Fischer mit dem Sportrennrad. © Kracke

Der Bürgermeisterkandidat hat ein konkretes Konzept, um Talente in Verden zu halten. Das Angebot richtet sich vor allem an Mangelberufe wie Erzieher und Pflegekräfte.

Verden – Feierabend, jetzt kann es gleich auf große Fahrt gehen. Benedikt Fischer holt schon mal den Drahtesel aus dem Schuppen, das Sportrennrad, das er auf einer Auktionsplattform zum kleinen Preis geordert hat. Eine Runde dreht er noch im Dienst-Outfit auf der Straße; in wenigen Minuten wird er im Sportdress auf den zwei Rädern sitzen, wird in die Pedale treten und Kilometer machen bis nach Blender, dieses Mal bis nach Martfeld, 30 Kilometer hat er sich zum Ziel gesetzt. Der 38-Jährige trainiert für seinen nächsten Volkstriathlon. Einen ersten hat er bereits Anfang August in Bremen absolviert. „Eigentlich bin ich Jugendtrainer im Fußball, aber ich hab’ einfach mal die andere sportliche Herausforderung gesucht“, sagt er.

Schwimmen, laufen, Radfahren, und das alles in einem Stück. Das erfordert Fitness, es erfordert einen langen Atem. Beides kommt ihm gewiss auch bei seinen Zukunftsplänen gelegen. Fischer ist einer von vier Bewerbern, die als Bürgermeisterkandidaten auf den Wahlzetteln stehen, zunächst auf jeden Fall am 13. September, und, wer weiß, vielleicht bei einer Stichwahl am 27. September. Gerüstet wäre er.

Das Lauftraining schätzt er besonders, zehn Kilometer rund um Hutbergen, wo er mit Ehefrau Jelka seit sieben Jahren lebt, mit den beiden Kindern, 10 und 13 Jahre alt, das schnelle Joggen kreuz und quer durchs Aller-Weser-Dreieck. Aber dann wäre da auch noch das wettbewerbsmäßige Bad im Wasser, das Element also, das ihm nicht so liegt. „Ich war nie ein guter Schwimmer“, räumt er ein. Er müsse an der Technik arbeiten und arbeite daran. „Immerhin, ich werde schneller.“ Von Woche zu Woche.

Und dann wäre da noch jenes Phänomen, das nichts mit Laufen oder Radeln zu tun hat, und das dennoch da ist. Der innere Schweinehund, jene Stimme, die ihm zuruft: Nein, jetzt nicht weiterlaufen, alles viel zu beschwerlich, es ist viel zu heiß oder viel zu kalt oder sonstwas. Zugehört hat er schon, das räumt Benedikt Fischer ein. „Hitze ist nichts für mich, dann lieber Nieselregen.“ Zugehört, okay, wer wollte diese laute Stimme überhören, aber nicht darauf reagiert. „Ich blende sie aus. Ich konzentriere mich auf meinen Willen, das Ziel zu erreichen.“ Schon seit jeher sei es ihm gelungen, die störenden Nebengeräusche auszublenden. „Einfach machen, das ist irgendwo auch mein Credo.“ In ganz jungen Jahren schon.

Und genau da will er als Bürgermeister ansetzen. Bei der Jugend, beim Wertvollsten, über das die Region verfüge. „Wir weisen in Verden eine Menge guter Einrichtungen für junge Leute auf, aber ich habe oft das Gefühl, dass sie nicht bei den Adressaten ankommen. Sie erreichen die Kinder, die Heranwachsenden nicht.“ Er stelle sich eine bessere Kommunikation vor, genau genommen ein besseres Marketing. Nicht eines unbedingt auf Papier. Digitale Wege wolle er beschreiten, digitale Klippen auch im Rathaus ausräumen. „In Skandinavien können die Menschen fast alle behördlichen Angelegenheiten auf elektronischem Wege erledigen, sie können sogar digital wählen. Wir wollen uns in Richtung Skandinavien bewegen, wo immer es möglich ist.“

Völlig fremd ist ihm diese Welt nicht. Fischer steht aktuell als Mediengestalter bei einem großen Verdener Bauunternehmen in Lohn und Brot. Für das Marketing ist er zuständig, für die interne und externe Kommunikation. Seit der Kindheit lebt der gebürtige Bremer in Verden, der Weg zu einem Arbeitsplatz an der Allermündung für ihn fast folgerichtig. Für ihn noch, für aktuelle Nachwuchsgenerationen zuweilen nicht. Und schon wäre ein nächster Ansatz für den Umgang mit jungen Leuten gefunden. „Wir wollen die vielen Talente nicht nur an den Schulen ausbilden, wir wollen sie auch im Beruf in Verden halten.“ Die Wirtschaft sei attraktiv aufgestellt, daran mangele es nicht, jetzt gehe es darum, Mitarbeiter zu gewinnen. „Ich könnte mir vorstellen, bezahlbaren Wohnraum zu fördern und ihn an Ausbildungsplätze zu koppeln.“ Dies gelte auch und besonders für Mangelberufe wie Erzieher und Pflegekräfte.