Schweizer Wirtschaft trotzt China-Schock und verzeichnet robustes Wachstum


Chinesische Exporte überfluten Europa – wie ist die Schweiz gegen die neue Konkurrenz gerüstet?

Die UBS hat untersucht, was der China-Schock für die hiesige Wirtschaft bedeutet. Dabei findet sie deutliche Unterschiede zu anderen Ländern.

10.09.2026, 13.31 Uhr

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Fabrikneue Autos am chinesischen Hafen von Harbin: Innert Jahresfrist sind die Autoexporte des Landes um über 40 Prozent gestiegen.

Fabrikneue Autos am chinesischen Hafen von Harbin: Innert Jahresfrist sind die Autoexporte des Landes um über 40 Prozent gestiegen.

Tyne Chin / Getty

Die Zahl hat die Welt aufgeschreckt: China hat im letzten Jahr einen globalen Exportüberschuss von 1,2 Billionen Dollar eingefahren. Vor allem Europa sorgt sich um Zehntausende Industriejobs, die wegen der chinesischen Exportschwemme verschwinden.

Bis jetzt besteht wenig Hoffnung, dass sich der China-Schock abschwächt. Denn die Ausfuhren des Landes wachsen weiterhin kräftig. Allein im August haben sie im Vergleich zum Vorjahr um 25 Prozent zugelegt. Vor allem die Exporte von Halbleiterchips und Automobilen boomen – Letztere erzielten ein Plus von 43 Prozent. Die Europäische Union hat China nun ein Ultimatum gestellt: Bis im Oktober soll Peking Massnahmen präsentieren, um die Exportflut zu bremsen.

Wie dramatisch ist der drohende China-Schock für die Schweiz? Die Grossbank UBS hat zu dieser Frage eine Studie präsentiert. Das Fazit: «Die Schweiz ist deutlich besser geschützt als andere Länder in der EU», erklärt die Ökonomin Meret Mügeli. Zwar habe die Schweizer Wirtschaft ebenfalls zunehmend Mühe, eigene Güter nach China zu liefern. Im Jahr 2025 sanken die Ausfuhren auf den tiefsten Stand seit 2020, während umgekehrt die Importe weiter wuchsen.

Dass die Verletzlichkeit der Schweiz trotzdem geringer ist, liegt laut Mügeli an ihrer Branchenstruktur. Die dominanten Exportgüter wie Medikamente, Uhren oder Präzisionsinstrumente seien der chinesischen Konkurrenz viel weniger ausgesetzt. Entsprechend sei die Exportüberschneidung wesentlich geringer als für die deutsche oder die italienische Wirtschaft.

Die Schweiz braucht den Zugang zu den Weltmärkten

Das Defizit im Güterhandel mit China beträgt für die Schweiz lediglich 0,6 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP), während es für die EU bereits 2,1 Prozent ausmacht. Ebenso stellt China für die EU-Länder eine viel grössere Konkurrenz auf den Weltmärkten dar.

Trotzdem warnt die UBS-Ökonomin Mügeli: «Die Schweiz sollte ihre Widerstandskraft nicht mit Immunität verwechseln.» Denn als kleine, offene Volkswirtschaft sei sie in besonderem Masse auf den Zugang zu den Weltmärkten angewiesen. Umso wichtiger sei eine aktive Handelspolitik mit neuen Freihandelsabkommen. Ebenso werde das sogenannte Nearshoring, die Verlagerung der Produktion in nahe gelegene Länder, an Bedeutung gewinnen.

Wie angreifbar die Schweiz auf dem globalen Parkett ist, zeigte der Handelsstreit mit den USA. Nach Einschätzung der UBS ist der nun geltende Zolltarif für die Exporteure relativ gut verkraftbar – denn der Zusatzzoll von derzeit 12,5 Prozent liegt nur wenig über demjenigen der EU von 10 Prozent. Zudem profitiert die Schweiz von den Ausnahmeregelungen bei Pharmaprodukten. Für die Wirtschaft als Ganzes reduziere sich der durchschnittliche Zollsatz dadurch auf 6 Prozent, schätzt Mügeli.

Die Wirtschaft wächst überraschend stark

Als der Zolltarif vorübergehend aber 39 Prozent erreichte, führte dies zu einem markanten Rückgang der Ausfuhren in die USA von bis zu einem Drittel im letzten Quartal 2025. Die UBS beziffert den potenziellen Betrag für die Rückerstattung zu viel bezahlter Zölle auf 2 Milliarden Dollar. Allerdings bleibe unsicher, wie stark die Hersteller effektiv davon profitieren könnten, da die Entschädigung formell an die amerikanischen Importeure gehe.

«Längerfristig wird Chinas industrieller Aufstieg zur grösseren Herausforderung als die amerikanischen Zölle», ist Mügeli überzeugt. Vorerst indes profitiert die Schweizer Wirtschaft von einer konjunkturellen Erholung, die der UBS-Volkswirtschafter Alessandro Bee als «überraschend robust» einstuft. Laut seiner Prognose dürfte das BIP-Wachstum im laufenden Jahr 1,8 Prozent erreichen und sich im nächsten Jahr leicht auf 1,5 Prozent abschwächen. Derweil bleibt die europäische Konjunktur weiterhin schwach mit einem Wachstum von rund 1 Prozent.

Erfreulich ist ebenso die Trendwende auf dem Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosenquote dürfte sich 2027 bei 3 Prozent stabilisieren. Auch die Teuerungsrate werde mit 0,6 Prozent moderat bleiben. Entsprechend geht Bee davon aus, dass die Schweizerische Nationalbank für einige Zeit am gegenwärtigen Leitzins von 0 Prozent festhalten wird. Eine erste Zinserhöhung erwartet er erst für den nächsten Sommer.

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