Chipfertiger TSMC mit fünftem Rekord-Quartal in Folge
Marktbericht
Chipfertiger aus Taiwan TSMC meldet fünftes Rekord-Quartal in Folge
Stand: 16.07.2026 • 12:58 Uhr
Der taiwanesische Chiphersteller TSMC profitiert weiter vom KI-Boom und hat seine Umsatzprognose für das laufende Jahr erhöht. Zudem will der Konzern mehr investieren als bislang angekündigt.
Die wachsende Nachfrage nach KI-Prozessoren verhilft dem taiwanesischen Chipkonzern TSMC zum fünften Rekord-Quartalsgewinn in Folge. Der wertvollste börsennotierte Konzern Asiens steigerte den Überschuss im zweiten Quartal um 77 Prozent auf umgerechnet 19,15 Milliarden Euro.
Das waren etwa zwei Milliarden Euro mehr als von Analysten erwartet und der neunte zweistellige prozentuale Anstieg in Folge. Zu Wochenbeginn hatte TSMC bereits ein Umsatzplus von 36 Prozent auf knapp 35 Milliarden Euro bekanntgegeben.
Apple und Nvidia sind Kunden
Auch in den kommenden Monaten könnte die Rekordjagd weitergehen: Im laufenden Quartal sollen die Erlöse voraussichtlich zwischen 38,9 und 40 Milliarden Euro liegen, teilte das Unternehmen mit. Das wären etwa 38 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der weltgrößte Chip-Auftragsfertiger hob zudem seine Gesamtjahresziele an: Für das Gesamtjahr erwartet das Unternehmen ein Wachstum von 40 statt 30 Prozent.
Der wichtigste Wachstumstreiber für das Unternehmen, das den weltgrößten Halbleiter-Konzern Nvidia und den iPhone-Anbieter Apple zu seinen Kunden zählt, ist das Geschäft mit modernen Hochleistungschips. Diese steuern inzwischen etwa ein Viertel zum Gesamtumsatz bei. Im dritten Quartal 2023 hatte der Anteil bei lediglich sechs Prozent gelegen. Früheren Aussagen des Konzernchefs C.C. Wei zufolge arbeitet TSMC an der Kapazitätsgrenze.
Milliardeninvestition in den USA
Gleichzeitig soll die Nachfrage bis mindestens 2030 stark bleiben, so TSMC. Darauf reagiert der Konzern mit Milliardeninvestitionen: Der Zulieferer der Elektronikindustrie will allein 2026 umgerechnet 52 bis 56 Milliarden Euro in den Ausbau seiner Produktionskapazitäten stecken. Das sind 14 Prozent mehr als bislang geplant. Als Grund nannte TSMC unter anderem gestiegene Preise für Maschinen.
Ein Standort soll dabei besonders von den Investitionsplänen profitieren: Mittelfristig will der taiwanische Chiphersteller seine Produktionskapazitäten in den USA mit weiteren 100 Milliarden Dollar (etwa 87 Milliarden Euro) ausbauen. Das kündigte der Vorstandsvorsitzende C.C. Wei bei der Vorstellung der Quartalszahlen an.
Die geplanten Investitionen des Unternehmens in die Chipfertigung in den Vereinigten Staaten dürften damit auf insgesamt 265 Milliarden Dollar steigen, bereits angekündigt waren Investitionen von 165 Milliarden Dollar für den Bau mehrerer Werke im Bundesstaat Arizona. Dort könnten dem Chip-Auftragsfertiger zufolge vier zusätzliche Fabriken entstehen.
Anleger bleiben skeptisch
Obwohl die Zahlen sogar die Erwartungen übertreffen, überzeugten sie Anleger nicht: Die in Frankfurt notierten TSMC-Aktien gaben zuletzt mehr als zwei Prozent nach. Analyst Andreas Lipkow vom Broker CMC Markets verwies auf weitere Gewinnmitnahmen.
Die offiziellen Quartalszahlen hätten die teils bereits bekannten Eckdaten lediglich bestätigt, und "die Skepsis der Investoren über die weitere Entwicklung im KI- und Rechenzentrumsgeschäft in der spätzyklischen Phase bleibt", betonte der Experte.
Der große Ausverkauf ist das aber noch lange nicht: Trotz der aktuellen Kursrücksetzer notieren TSMC-Titel immer noch etwa 60 Prozent über dem Niveau zu Jahresbeginn und sind mehr als doppelt so teuer wie im vergangenen Sommer.
"Achterbahnfahrt der Kurse"
Dennoch stehen Anleger dem KI-Thema längst skeptischer gegenüber: Am Mittwoch hatte ASML, der weltgrößte Anbieter von Anlagen zur Chip-Produktion, seine Prognosen angehoben und einen Rekord-Jahresumsatz in Aussicht gestellt. Trotzdem schlossen die Aktien am Ende leicht im Minus.
Bereits vergangene Woche hatten enttäuschende Zahlen des südkoreanischen Speicherchip-Herstellers Samsung ebenfalls Ängste vor einem Abflauen des KI-Booms geschürt und Technologiewerte weltweit unter Druck gesetzt.
"Was wochenlang wie eine Einbahnstraße für Anleger ausgesehen hat, ist zu einer Achterbahnfahrt der Kurse unter stark erhöhten Schwankungen geworden", schrieb Jochen Stanzl, Analyst der Consorsbank. Anleger hegten Zweifel, ob die Technologiekonzerne mit ihren Quartalszahlen und Prognosen die durch steil gestiegene Kurse mittlerweile weitaus höher liegende Messlatte noch einmal überspringen können.
DAX rutscht wieder deutlich unter 25.000 Punkte
So trafen die Verluste heute denn nicht nur TSMC, sondern auch andere Aktien, die als Profiteure Künstlicher Intelligenz gehandelt werden. Im DAX rutschten Infineon um 2,6 Prozent ab auf ein Tief seit zwei Monaten. Siemens Energy, die als Ausrüster von Daten- und Rechenzentren Nutzen aus dem KI-Boom ziehen dürften, verbilligten sich um 2,3 Prozent.
Auch insgesamt überwiegt am deutschen Aktienmarkt die Zurückhaltung: Der DAX ist am Mittag wieder deutlich unter die 25.000-Punkte-Marke abgerutscht. Nach einem kaum bewegten Börsenstart verlor der deutsche Leitindex um zuletzt 0,5 Prozent auf 24.862 Punkte. Am Vortag hatte er nur knapp unter 25.000 Punkten geschlossen.