Russisches LNG für Asien: Griechenland blockiert neue EU-Sanktionen


Die EU hatte bereits Anfang des Jahres den endgültigen Ausstieg aus russischem Gas ab 2027 beschlossen. Mit dem geplanten 21. Sanktionspaket will Brüssel nun auch verhindern, dass russisches Flüssigerdgas (LNG) über europäische Reedereien weiter nach Asien oder in andere Drittstaaten transportiert wird.

Doch ausgerechnet diese nächste Verschärfung gerät jetzt ins Wanken. Nach Informationen der Financial Times (FT) blockiert Griechenland die neuen LNG-Sanktionen, um die heimische Reederei Dynagas vor erheblichen wirtschaftlichen Schäden zu schützen.

Griechenland fürchtet um Spezialtanker für russisches LNG

Dem Bericht zufolge erklärte der griechische EU-Botschafter, das geplante Verbot würde Dynagas „ruinieren“. Das Unternehmen ist auf den Transport russischer LNG-Ladungen aus der Arktis spezialisiert und betreibt nach FT-Angaben 27 Gastanker, darunter rund ein Drittel der besonders eisverstärkten Arc7-Flotte. Diese Spezialschiffe wurden eigens für Einsätze rund um das LNG-Projekt Yamal in der russischen Arktis gebaut und lassen sich nur eingeschränkt anderweitig einsetzen.

Nach Angaben der Zeitung transportierte Dynagas allein seit Anfang 2025 mit elf Schiffen mehr als zehn Millionen Tonnen russisches LNG. Griechenland selbst importiert zwar noch russisches LNG und Pipelinegas für sein heimisches Energienetz, gehört aber anders als Frankreich oder Spanien nicht zu den wichtigsten EU-Abnehmern. Vielmehr exportiert das Land zunehmend Gas nach Mittel- und Osteuropa. Die Abhängigkeit Griechenlands von russischem Gas hat sich zudem deutlich verringert, da das Land seine Importe von LNG aus den USA massiv erhöht hat.

Ein Milliardär als Bremser der EU-Sanktionen?

Hinter Dynagas steht der griechische Reeder und Milliardär George Prokopiou, einer der einflussreichsten Unternehmer der griechischen Schifffahrtsbranche. Er besitzt neben Dynagas auch die Tankerflotte Dynacom. Nach Berechnungen der FT erzielte Dynacom allein in den vergangenen drei Jahren mindestens 915 Millionen US-Dollar mit dem Transport russischen Rohöls – mehr als jedes andere griechische Schifffahrtsunternehmen. Insgesamt nahmen griechische Reedereien demnach rund 3,8 Milliarden Dollar mit russischen Öltransporten ein.

Umso bemerkenswerter ist nun, dass Athen nach Angaben der Zeitung ausgerechnet den Schutz von Dynagas als Grund nennt, um das gesamte 21. EU-Sanktionspaket aufzuhalten. Ob sich Griechenland mit seiner Blockade dauerhaft durchsetzt, ist derzeit offen. Die Verhandlungen laufen demnach weiter.

Russisches LNG: Blockade durch Griechenland verzögert gesamtes Sanktionspaket

Da neue EU-Sanktionen allerdings einstimmig beschlossen werden müssen, hält der griechische Widerstand nach FT-Angaben inzwischen das gesamte 21. Sanktionspaket auf. Betroffen sind damit nicht nur die geplanten LNG-Regeln, sondern auch weitere Maßnahmen gegen russische Banken, Kryptonetzwerke und Unternehmen der Rüstungsindustrie.

Zugleich mussten sich die EU-Staaten auf eine kurzfristige Verlängerung des bestehenden Ölpreisdeckels verständigen, um mehr Zeit für die Verhandlungen zu gewinnen.

Deutsche Importeure hofften bis vor kurzem auf den letzten Ausweg

Laut dem früheren EU-Beschluss dürfen die Mitgliedstaaten bereits ab dem 1. Januar 2027 kein LNG und spätestens ab dem 1. November 2027 auch kein Pipeline-Gas aus Russland mehr importieren. Noch bis vor kurzem hatten mehrere europäische LNG-Importeure in Brüssel jedoch auf eine Hintertür gehofft. Sie wollten russisches Flüssigerdgas (LNG) nach dem EU-Gasausstieg ab 2027 an Käufer in Asien weiterverkaufen.

Doch die Antwort der EU-Kommission fiel im Schreiben des Büros von EU-Energiekommissar Dan Jørgensen eindeutig aus: Nach Auffassung der Kommission schließt der beschlossene EU-Ausstieg auch den Weiterverkauf ein. Betroffen ist somit auch der deutsche Gasimporteur Sefe mit seinem langfristigen Liefervertrag für russisches LNG aus dem Yamal-Projekt. Das Unternehmen plant in diesem Sinne nach eigenen Angaben eine Force-Majeure-Karte.

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