Cottbus: Alin Coen singt "Lausitzlieder", verfasst von Menschen aus der Region
AUDIO: Lausitzlieder mit Alin Coen (4 Min)
Lausitz Festival
So klingt Heimat – Projekt "Lausitzlieder" mit Alin Coen in Cottbus
Stand: 04.09.2026 18:33 Uhr
Neben Theater, Lesungen und Konzerten kommen beim Lausitz Festival auch Menschen aus der Region zu Wort. Sie haben Gedichte über ihre Heimat verfasst und teilen ihre persönlichen Gedanken und Empfindungen. Gespielt und gesungen werden die Lausitzlieder von Singer-Songwriterin Alin Coen. Am Samstag ist in Cottbus Premiere.
von Grit Krause, MDR Kulturdesk
- Einheimische schreiben Texte, Musiker vertonen sie – das Konzept stammt aus New York.
- Die teils sehr persönlichen Song-Texte entstanden in Workshops an verschiedenen Orten.
- Aus Sicht von Singer-Songwriterin Alin Coen bilden die Songs viele Facetten des Lebens in der Lausitz ab.
Zwölf Lieder haben der Komponist und Jazzbassist Haggai Cohen-Milo und die Singer-Songwriterin Alin Coen für den Abend geschrieben. Die Texte dazu stammen von Menschen, die in der Lausitz leben.
Für Alin Coen war das eine neue Erfahrung: "Ich habe das Gefühl, Musikschreiben fällt mir sehr leicht und Texte schreiben fällt mir gar nicht so leicht. Deshalb dachte ich: Perfekt, da sind die Texte schon fertig."
Projekt aus New York übertragen
Haggai Cohen-Milo hingegen war sich gar nicht so sicher, ob Alin Coen zusagen würde, weil sie ja eigentlich ihre eigenen Texte schreibe, so erzählt es der israelische Musiker. Er hatte sie bei einem Konzert in Senftenberg erlebt und war fasziniert davon, wie es ihr gelingt, mit ihrer Musik eine enge Verbindung zum Publikum herzustellen.
Haggai Cohen-Milo ist Jazz-Kontrabassist, Komponist und Performancekünstler.
Die Idee zu diesem Projekt hatte Cohen-Milo, der inzwischen zum vierten Mal beim Lausitz Festival dabei ist, vor zwei Jahren. Inspiriert wurde er durch ein Programm der Carnegie Hall in New York, bei dem Musikerinnen und Musiker in die Communities gehen, mit den Menschen dort vor Ort zusammen Lieder schreiben und sie dann gemeinsam aufführen.
Persönliche Geschichten aus der Lausitz
An mehreren Orten wurden 2024 und 2025 Songwerkstätten initiiert, unter anderem in Cottbus, Guben, Weißwasser. Auch in Zittau, wo Katja Körner teilnahm. Für sie als Mutter sei es gerade eine sehr emotionale Zeit gewesen, erzählt sie. Sie Entwicklung ihres Sohnes habe sie beschäftigt: "Daher war das Schreiben auch nochmal so ein Aufarbeiten für mich."
Jetzt trägst du Schwarz und eine Glatze. Bewaffnest dich mit Mundschutz und Handschuh. Ich versteh die Welt nicht mehr, steh nur daneben und kann nichts tun. Aus dem Song "Mein Sohn"
"Mein Sohn" heißt Körners Songtext. Er handelt davon, wie sie damit umgeht, dass ihr Sohn sich damals einer rechtsextremen Gruppierung angeschlossen hatte. Katja Körner ist es wichtig, damit in die Öffentlichkeit zu gehen. Dennoch bleibt es für sie ein sensibles Thema, über das sie sich auch mit Alin Coen intensiv ausgetauscht hat.
Das Lausitz Festival bespielt die ganze Region in Sachsen (hier das Dorf Cunewalde) und Brandenburg.
Bei ihr habe sie sich sofort sicher gefühlt, sagt Katja Körner: "Andererseits möchte ich auch, dass andere Menschen das erfahren, denn ich denke, dass es ganz viele Mütter gibt, die auch mal neben ihren Jugendlichen stehen und sagen: Die Entwicklung habe ich mir nicht gewünscht für dich, wie kriegen wir dich da jetzt wieder raus?"
Liebe, Freundschaft, Hoffnung
Katja Körner betont aber auch, dass das nur eine Facette der Lausitz, ihrer Heimat, ist. Ähnlich sieht es Alin Coen, wenn sie auf die Texte blickt, in denen es auch um Liebe, um Freundschaft und um Hoffnung geht: "Ich habe schon das Gefühl, dass ein Großteil der Lieder eine gewisse Schwere hat, aber wir haben auch leichte Lieder."
Sie erzählt von einer Teilnehmerin im Rollstuhl, die sogar zwei Lieder beigetragen habe: "In dem einen Lied feiert sie die Vielfalt, wo sie sagt: 'Unsere Farben sind bunt, nicht gleich, aber wundervoll.' Das ist so das positivste Lied, was wir mit dabei haben. Also wirklich, es sind sehr verschiedene Facetten, und ich finde alles sehr persönlich und emotional."
Im Gladhouse in Cottbus sind die Lausitzlieder am Samstag zum ersten Mal zu hören.
Es ist ein bisher einmaliges Projekt beim Lausitz Festival. Doch bei der Begeisterung, die bei allen Beteiligten spürbar ist, bleibt zu hoffen, dass eine Fortsetzung folgen wird.
"Lausitzlieder"
Alin Coen, Haggai Cohen-Milo & Band, Lausitz-Poet:innen
Konzert im Rahmen des Lausitz Festivals
Am 5. September 2026, um 20:00 Uhr
Weitere Aufführungen noch nicht bekannt
Veranstaltungsort:
Gladhouse,
Straße der Jugend 16
03046 Cottbus/Chóśebuz
Redaktionelle Bearbeitung: lm
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