Crucial: RAM-Hersteller weigert sich, lebenslange Garantie einzuhalten
Nachdem der US-Speichergigant Micron seine Consumer-Marke Crucial aufgegeben hat, um sich komplett auf das einträgliche Geschäft mit Speicherlösungen für KI-Anwendungen zu konzentrieren, hat dies drastische Folgen für die frühere Kundschaft.

Crucial
Kunden fühlen sich im Regen stehen gelassen
Aktuell klagen mehrere Käufer von Crucial-Produkten über die für sie nachteiligen Folgen der Schließung der Consumer-Marke des US-Speicherherstellers Micron. Weil Crucial praktisch geschlossen wurde, können die Kunden defekte oder problematische Produkte wie Arbeitsspeicher nicht mehr umtauschen lassen und erhalten aus heutiger Sicht lächerlich niedrige Rückzahlungen.
Laut einem Reddit-Thread und den darunter von anderen betroffenen Kunden verfassten Kommentaren spielt es dabei auch keinerlei Rolle, dass Crucial einst eine lebenslange Garantie für seinen Arbeitsspeicher bot. Einer der User schilderte einen krassen Fall, bei dem ein Kit aus zwei 24-GB-Modulen DDR5-Arbeitsspeicher eingeschickt wurde, weil eines der Module scheinbar defekt ist.
Keinerlei Ersatz mehr verfügbar
Das Support-Team von Crucial erklärte daraufhin, dass man ab sofort nicht mehr in der Lage sei, bei Garantiefällen Austauschprodukte zur Verfügung zu stellen. Als einzige mögliche Option bot das Unternehmen dem Kunden die Auszahlung des ursprünglichen Kaufpreises an.
Als Begründung nannte man den Umstand, dass Crucial das Endkundengeschäft vor einigen Monaten aufgab und seitdem alle verbleibenden Bestände an Arbeitsspeicher abverkauft worden sein sollen. Dadurch stünden jetzt keine Ersatzprodukte mehr zur Verfügung. Im Grunde verhält sich das Unternehmen somit genau so, wie man bereits zum Zeitpunkt der Bekanntgabe der Schließung der Sparte für Endkundenprodukte angekündigt hatte.
Gnadenangebot: drei 16-GB-Sticks als (ungleicher) Ersatz
Immerhin bot das Support-Team an, dem Kunden drei 16-GB-Sticks mit höherer Taktung zukommen zu lassen, womit er ebenfalls eine Kapazität von 48 GB erreichen könne, während die Leistung theoretisch höher sei. Dieses Angebot schlug der Kunde allerdings aus, schließlich würde bei einer solchen Konfiguration der Dual-Channel-Betrieb wegfallen, weil dafür noch ein viertes Modul benötigt würde.
Die Reddit-Nutzer kritisieren nun, dass sie ihre Speichermodule nicht zurückerhalten können, auch wenn eines der in der Rücksendung enthaltenen Module nicht defekt war. Ferner wird der Umgang des Unternehmens mit seinen Kunden wegen der geringen Summe kritisiert, die Crucial bzw. Micron auszuzahlen bereit ist.
Für 2x24GB zahlt man aktuell rund 1300 Euro
Während der Kunde einst ganze 242 Dollar (etwa 210 Euro) für seine beiden 24-GB-Riegel hinblätterte, müsste er heute für die gleiche Menge an Arbeitsspeicher in Form eines 48-GB-Kits wohl rund 1500 Dollar (etwa 1300 Euro) auf den Tisch legen. Zuletzt waren die Speicherpreise bekanntermaßen infolge des KI-Booms förmlich explodiert und es ist mit weiteren Preissteigerungen zu rechnen.
In dem Reddit-Thread, den der Nutzer übrigens vielfach in bekannten Foren zu PC-Themen veröffentlicht hat, ist von einigen anderen Besitzern von Crucial-Produkten von ähnlichen Erlebnissen zu lesen. Rechtlich scheint sich der Hersteller dabei im üblichen Rahmen zu bewegen, wie er in den USA abhängig vom jeweiligen Bundesstaat auch bei anderen Anbietern und Produkten zu erwarten ist.
Crucial bzw. Micron hatten, wie bereits erwähnt, schon bei der Ankündigung, dass die Marke Crucial aufgegeben werden soll, deutlich gemacht, dass genau dieses Szenario beim Umgang mit Garantiefällen seiner Consumer-Produkte eintreten würde. Bereits seit mindestens sechs Jahren findet sich eine entsprechende Formulierung außerdem auch auf der Website des Unternehmens.
In vielen Ländern, darunter auch in der EU, müsste der Anbieter für äquivalenten Ersatz sorgen, selbst wenn dieser im Nachgang deutlich teurer zu beschaffen wäre. In den USA hätte der Kunde wohl zumindest in einer Reihe von Bundesstaaten die Möglichkeit, den Fall zu seinen Gunsten vor einem Zivilgericht für Bagatellfälle auszufechten.
Zusammenfassung
- Micron schloss die Consumer-Marke Crucial und lässt Kunden nun hängen
- Die einst versprochene lebenslange Garantie ist nun wertlos geworden
- Rückzahlungen basieren auf alten Kaufpreisen und sind viel zu niedrig
- Die Preise für Arbeitsspeicher sind wegen des KI-Booms stark gestiegen
- In der EU müssten Händler eigentlich für gleichwertigen Ersatz sorgen
Siehe auch:
- Speicher-Apokalypse: Micron gibt Consumer-Markt auf, Ende von Crucial
- PCIe 5.0 SSD auf Steroiden: Crucial T705 liefert bis zu 14,5 GB/s
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