Cybergrooming: Ein Viertel aller Kinder unter 18 ist betroffen
Stand: 19.09.2026, 12:00 Uhr
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Ein Butzbacher Schulsozialarbeiter veranstaltet einen kostenlosen Info-Abend zum Thema Cybergrooming im Kino. Ein Filmexperiment zeigt, wie 2400 Männer in zehn Tagen Kontakt zu scheinbar Zwölfjährigen suchten.
Butzbach – Viele Eltern sorgen sich, wenn sie ihre Kinder allein zur Schule gehen lassen. „In der Grundschule erlebe ich ganz häufig, dass Eltern ihre Kinder lieber von A nach B bringen“, sagt Michael Kirsten. Doch: „Gleichzeitig können sich Kinder im Internet allein bewegen.“ Die Gefahren dort werden unterschätzt, sagt der Schulsozialarbeiter an der Degerfeldschule. „Ein Viertel aller Kinder unter 18 ist von Cybergrooming betroffen.“ Cybergrooming bezeichnet „die Anbahnung von sexuellen Kontakten mit Minderjährigen im Internet“. Täter geben sich dabei häufig als Gleichaltrige aus, manche behaupten, sie seien Fußballtrainer oder Modellscout. Andere sind in Online-Spielen unterwegs, schreiben die Kinder an: „Hey, du hast echt gut gespielt, wie heißt du denn, wollen wir mal irgendwie schreiben?“ Sie machen Komplimente, zeigen Interesse, um so das Vertrauen von Kindern und Jugendlichen zu gewinnen. Immer mit dem Ziel, an persönliche Kontaktdaten zu kommen. Oft fragen sie nach Nacktfotos oder nach einem Treffen.

Cybergrooming bezeichnet „die Anbahnung von sexuellen Kontakten mit Minderjährigen im Internet“. Täter geben sich dabei häufig als Gleichaltrige aus, manche behaupten, sie seien Fußballtrainer oder Modellscouts. Andere sind in Online-Spielen unterwegs, schreiben die Kinder an: „Hey, du hast echt gut gespielt, wie heißt du denn, wollen wir mal irgendwie schreiben?“ Sie machen Komplimente, zeigen Interesse, um so das Vertrauen von Kindern und Jugendlichen zu gewinnen. Immer mit dem Ziel, an persönliche Kontaktdaten zu kommen. Oft fragen sie nach Nacktfotos oder nach einem Treffen.
Recht auf Schutz
Unterstützung für die Veranstaltung im Butzbacher Kino bekommt Michael Kirsten von den Vereinen Wildwasser und Makista. Der Verein Wildwasser bietet u. a. Beratungen zum Thema sexualisierte Gewalt an – für Betroffene, aber auch für Fachpersonal. Makista setzt sich für Kinderrechte und Demokratieförderung in Bildungseinrichtungen ein, hat u. a. mitgewirkt bei der Gründung des Butzbacher Kinderparlaments. Beim Info-Abend soll es um die kinderrechtliche Perspektive gehen: also einerseits das Recht von Kindern auf Informationsgewinn, Mitbestimmung und Bildung und damit einhergehend einen Internetzugang, aber andererseits um das Recht auf Schutz.
„Täter und Täterinnen versuchen, diese jungen Menschen in eine Form von Abhängigkeit und Erpressbarkeit zu zwingen. Letztlich geht es wie bei allen Formen von sexualisierter Gewalt um Macht. Darum, Macht über diese jungen Menschen auszuüben“, sagt Kirsten.
Das Problem sei zwar aktuell, dennoch fehle das Bewusstsein dafür. „Die Aufklärung ist nicht annähernd so weit fortgeschritten, wie sie sein sollte. Wie so oft im Bereich Medien“, sagt Kirsten. Im Gespräch mit der Mutter einer Schülerin entstand deswegen die Idee, dazu einen Info-Abend im Butzbacher Kino zu organisieren. Am kommenden Montag, 21. September, ist dort die tschechische Dokumentation „Gefangen im Netz“ zu sehen. Bei dem Filmexperiment haben drei volljährige Schauspielerinnen, die sehr jung aussahen, aus präparierten Kinderzimmern Profile im Internet betrieben. Dabei haben sie sich als Zwölfjährige ausgegeben. Innerhalb von zehn Tagen sind die drei Frauen von über 2400 Männern kontaktiert worden, die sexuelle Absichten hatten.
Es gibt viele Fälle, in denen sich die Kinder nicht trauen, etwas zu sagen.
Wenn Kirsten sich mit jungen Menschen unterhalte, erzählten die immer wieder davon, dass es im Internet zu Kontaktaufnahmen gekommen sei.
Deswegen, glaubt Kirsten, gibt es bei Cybergrooming eine sehr hohe Dunkelziffer. „Es gibt viele Fälle, in denen sich die Kinder nicht trauen, etwas zu sagen. Meine Vermutung ist: Das Vertrauen in die Institution Schule und Schulsozialarbeit ist da noch nicht so stark.“
Und Eltern bekommen oft nicht mit, was ihre Kinder im Internet machen, sagt Kirsten. „Für einige ist das Internet eine Blackbox.“ Der wichtigste Schritt, um seine Kinder zu schützen, sei deswegen, sich damit zu beschäftigen.
Zudem sei es wichtig, dass Eltern den Kindern glaubhaft und verlässlich vermittelten: „Du kannst mit jedem Problem zu mir kommen. Wir finden eine Lösung dafür, ich reiße dir nicht den Kopf ab und du bist auch nicht schuld.“
Manche Eltern neigen dazu, wenn sie von verdächtigen Chats ihrer Kinder erfahren, die Handys abzunehmen, sagt Kirsten. Aber: Irgendwann bekommt das Kind das Handy zurück, „und beim nächsten Mal, wenn etwas passiert, wird das Kind es nicht mehr sagen.“
Der Schulsozialarbeiter rät zudem, mit Kindern früh und altersgerecht über das Thema zu reden. „Man spricht ja auch mit den Kindern darüber, dass sie nichts von Fremden annehmen oder nicht zu irgendwem ins Auto steigen sollen.“
• Die Filmvorführung „Gefangen im Netz“ mit anschließender Podiumsdiskussion beginnt am Montag, 21. September, um 19 Uhr im Kino in Butzbach. Der Eintritt ist frei.